Stablecoin-Regulierung: USA verpflichten Emittenten zu Bankstandards
19.06.2026 - 00:21:26 | boerse-global.de
Die USA verschärfen die Regeln für Stablecoins: Ab sofort müssen Emittenten ihre Kunden identifizieren – wie traditionelle Banken.
Fünf US-Aufsichtsbehörden haben am Donnerstag einen gemeinsamen Vorschlag vorgelegt, der bestimmte Stablecoin-Emittenten zur Einführung formeller Kundenidentifikationsprogramme verpflichtet. Die Initiative unter Führung der Federal Reserve, der Finanzkriminalitätsbekämpfungsbehörde FinCEN, der Währungsaufsicht OCC, der Einlagensicherung FDIC und der Kreditgenossenschaftsaufsicht NCUA zielt darauf ab, Stablecoin-Betreiber denselben Anti-Geldwäsche- und Identitätsstandards zu unterwerfen wie traditionelle Bankinstitute.
Der GENIUS Act wird umgesetzt
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Der Vorschlag setzt den sogenannten GENIUS Act direkt um, der am 18. Juli 2025 in Kraft trat. Unternehmen, die als zugelassene Zahlungs-Stablecoin-Emittenten (PPSI) eingestuft werden, müssen künftig ein wirksames Kundenidentifikationsprogramm (CIP) unterhalten. Dazu gehört die Überprüfung der Identität jeder Person, die ein neues Konto eröffnet, sowie die Aufbewahrung der verwendeten Identifikationsdaten.
Die neuen Regeln sind der Höhepunkt einer Reihe regulatorischer Schritte in diesem Jahr. Bereits im März 2026 legte die OCC einen vorläufigen Vorschlag mit mehr als 200 Fragen zum Stablecoin-Rahmenwerk vor. Am 10. April 2026 folgte ein ergänzender Vorschlag von FinCEN und dem Amt für Auslandskontrollen (OFAC) zu Sanktionen und Anti-Geldwäsche-Compliance.
Identifikationspflichten und Reservestandards
Nach dem Vorschlag vom Donnerstag werden PPSIs als Finanzinstitute im Sinne des Bankgeheimnisgesetzes eingestuft. Die Emittenten müssen bestimmte Kundendaten erfassen: vollständige Namen, Geburtsdaten, physische Adressen und Identifikationsnummern. Diese Dokumente müssen fünf Jahre nach Schließung eines Kontos aufbewahrt werden.
Darüber hinaus schreibt das Regelwerk vor, dass PPSIs eine 1:1-Reserve in hochliquiden Vermögenswerten zur Deckung ihrer Stablecoins vorhalten müssen. Zudem ist es den Emittenten untersagt, Zinsen an ihre Kunden zu zahlen. NCUA-Vorsitzender Kyle Hauptman betonte, die Regeln zielten darauf ab, klare Standards für eine Branche zu setzen, deren gesamte Marktkapitalisierung inzwischen bei über 300 Milliarden Dollar liegt – umgerechnet rund 280 Milliarden Euro.
Lücken im Sekundärmarkt
So umfassend die neuen Vorschriften für die direkten Beziehungen zwischen Emittenten und Kunden sind – sie erfassen nicht alle Bereiche des digitalen Vermögensökosystems. Die Behörden stellten klar, dass die CIP-Anforderungen ausschließlich für Primärmarktaktivitäten gelten, also für Transaktionen direkt mit dem Emittenten. Wallet-zu-Wallet-Überweisungen und Aktivitäten auf Sekundärhandelsplattformen bleiben außen vor.
Federal-Reserve-Vize Michael S. Barr äußerte Bedenken zu dieser Einschränkung. Seiner Ansicht nach könnte der GENIUS Act nicht ausreichen, um die Risiken von Sekundärmarkttransaktionen angemessen zu adressieren.
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Uneinigkeit im Fed-Vorstand
Der Vorschlag offenbarte eine seltene Uneinigkeit innerhalb des Federal-Reserve-Vorstands. Während Gouverneur Jerome Powell die neuen Stablecoin-Regeln unterstützte, enthielt sich Fed-Chef Kevin Warsh – erst im Mai 2026 in sein Amt berufen – der Stimme.
Die Öffentlichkeit ist nun aufgerufen, zum Vorschlag Stellung zu nehmen. Die Kommentierungsfrist läuft 60 Tage nach Veröffentlichung im Bundesregister, die für den 22. Juni 2026 erwartet wird. Zudem sind die FDIC-Standards zu Sanktionen und Bankgeheimnis-Compliance bis zum 4. August 2026 zur Kommentierung freigegeben. Barr betonte, die Einbindung von Stablecoin-Emittenten in das Bankgeheimnisgesetz sei ein notwendiger Schritt zur Stärkung der nationalen Finanzsicherheit.
