Stablecoins: Fed und EZB streiten über 300-Milliarden-Dollar-Markt
01.06.2026 - 09:19:22 | boerse-global.deWährend die US-Notenbank Dollar-Stablecoins als Instrument globaler Geldpolitik feiert, warnen die Europäische Zentralbank und die Bank of England vor massiven Risiken für die Finanzstabilität.
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Dubrovnik: Fed und BoE uneins über Nutzen von Stablecoins
Auf der 32. Dubrovnik Economic Conference, die am 30. Mai begann, prallten die Positionen aufeinander. Christopher Waller von der US-Notenbank Federal Reserve pries Dollar-gestützte Stablecoins als innovative Zahlungsinstrumente. „Sie exportieren die US-Geldpolitik in die Welt", so Waller. Er verglich den Mechanismus mit einem System fester Wechselkurse, das den globalen Einfluss des Dollars stärke.
Ganz anders die Einschätzung von Megan Greene von der Bank of England. Sie hält die aktuelle Nachfrage nach Stablecoins für vorübergehend. Ihre Prognose: Tokenisierte Bankeinlagen könnten Stablecoins innerhalb von fünf Jahren ablösen. Mit einer tierischen Analogie untermauerte Greene ihre These: Zentralbank-Digitalwährungen (CBDCs) seien Schildkröten, Stablecoins Hasen – doch die wahren Nashörner seien tokenisierte Einlagen mit ihrer robusten institutionellen Absicherung. Greene kritisierte zudem, dass Stablecoins oft echte Stabilität vermissen ließen, gelegentlich für illegale Aktivitäten genutzt würden und traditionellen Banken Einlagen entzögen.
EZB warnt vor Gefahr für die Weltwährungsordnung
Noch deutlicher wurde Isabel Schnabel, Direktoriumsmitglied der Europäischen Zentralbank. Bei einer Rede in Seoul am heutigen Montag zeichnete sie ein düsteres Bild: Die gesamte Marktkapitalisierung von Stablecoins nähere sich der 300-Milliarden-Dollar-Marke. Allein Tether (USDT) und USD Coin (USDC) kontrollierten rund 90 Prozent des Sektors. Euro-denominierte Stablecoins spielten mit rund 500 Millionen Euro dagegen kaum eine Rolle.
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Schnabel warnte, dass die Expansion Dollar-gebundener Stablecoins die Dominanz der US-Währung in der digitalen Wirtschaft weiter zementieren könnte. „Das könnte die Rolle des Euro in der tokenisierten Finanzwelt massiv einschränken", so die EZB-Bankerin. Sie zog Parallelen zu historischen Geldmarktfonds: Stablecoins könnten durch plötzliche Massenabzüge oder Notverkäufe von Reserven die Finanzstabilität gefährden. Ihre Forderung: ein digitaler Euro und robuste Regulierungsrahmen für die internationale Währungsordnung.
Regulierung verschärft sich – Marktprognosen bleiben optimistisch
Die Betatete fällt in eine Zeit intensiver Gesetzgebung in den USA. Der GENIUS Act, der im Juli 2025 vorankam, verpflichtet Stablecoin-Emittenten, Transaktionen technisch einfrieren, blockieren und ablehnen zu können – zur Einhaltung des Bankgeheimnisgesetzes. Die Folge: Im April 2026 wurden Rekordsummen von 344 Millionen Dollar an Iran-verbundenen Vermögenswerten eingefroren.
Trotz des regulatorischen Drucks bleiben Analysten optimistisch. Die Großbank Citi prognostiziert, dass das Emissionsvolumen von Stablecoins bis 2030 zwischen 1,9 und 4,0 Billionen Dollar liegen könnte. Allerdings zeigt eine Studie von BCG, dass ein Großteil der Blockchain-Aktivitäten nicht auf echten Wirtschaftstransaktionen beruht: Von jährlich 62 Billionen Dollar On-Chain-Transfers entfielen nur rund 4,2 Billionen Dollar auf tatsächliche wirtschaftliche Nutzung.
Bankensektor fürchtet Einlagenabfluss
Die Auswirkungen auf traditionelle Banken bleiben umstritten. Ein Bericht des Weißen Hauses kam zu dem Schluss, dass ein Verbot von Stablecoin-Zinsen kaum Auswirkungen auf die Kreditvergabe hätte. Die American Banking Association sieht das anders: Sie warnt, dass zinstragende Stablecoins zu einem massiven Abfluss von Einlagen aus Gemeinschaftsbanken führen könnten – mit potenziell destabilisierenden Folgen für kleinere Institute.
Analysten von Moody's geben dagegen Entwarnung: Solange die Renditen auf Stablecoins begrenzt blieben und die US-Zahlungsinfrastruktur robust sei, drohe den Banken kurzfristig kein signifikanter Marktanteilsverlust.
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