Städtebau: Bund stellt 80 Millionen Euro für Hitze-Anpassung bereit
17.06.2026 - 00:39:23 | boerse-global.de
Das Bundesbauministerium stellt 80 Millionen Euro für die Anpassung urbaner Räume bereit. Einzelprojekte können mit bis zu 8 Millionen Euro gefördert werden.
Politischer Druck wächst
Die Bundestagsfraktion der Grünen fordert in einem Antrag von Mitte Juni eine umfassende Strategie für klimafitte Städte. Drei Milliarden Bäume sollen EU-weit bis 2030 gepflanzt werden – ein Großteil in Städten. Ein bundesweites Baumkataster und die gesetzliche Regelung, dass keine Nettoverluste an Grünflächen entstehen dürfen, stehen ebenfalls auf der Liste.
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Auch Pflichten zur Dach- und Fassadenbegrünung bei Neubauten fordern die Abgeordneten. Zudem soll das Bundes-Bodenschutzgesetz zu einem Bodengesundheitsgesetz weiterentwickelt werden.
Alarmierende Zahlen aus dem Hitze-Check
Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) untermauert den Handlungsbedarf mit Zahlen. Zwischen 2018 und 2025 verloren Städte mit über 50.000 Einwohnern mehr als 900.000 Bäume. Nur sieben Städte – darunter Hamburg, Berlin und Oldenburg – erreichen eine Baumüberschirmung von mindestens 30 Prozent.
Angesichts einer jährlichen Neuversiegelung von 62 Quadratkilometern fordert die Organisation verbindliche Obergrenzen für den Flächenverbrauch.
Länder und Kommunen ziehen nach
Niedersachsen legt für 2026 ein Städtebauförderungsprogramm mit 185 Millionen Euro auf. Die Region Braunschweig profitiert mit hohen Millionenbeträgen für die Bahnstadt, Delmenhorst erhält 400.000 Euro für Innenentwicklung. Der Regionalverband Großraum Braunschweig fördert kleinere Initiativen mit 35.000 Euro.
Viele Städte setzen auf direkte Anreize für private Eigentümer:
Bochum stellt 300.000 Euro für Begrünungsprojekte bereit. Eigentümer bekommen bis zu 50 Prozent der Kosten erstattet, maximal 25.000 Euro pro Antrag.
Köln plant im Stadtbezirk Lindenthal eine Online-Beteiligung zum Masterplan Stadtgrün. Das Förderprogramm „Grün hoch 3“ soll ausgeweitet werden – die Pauschale für Dachbegrünungen steigt von 40 auf 50 Euro pro Quadratmeter.
Osnabrück startete im Juni die Kampagne „GEWUPPT!“ zur Sensibilisierung für Entsiegelung. Ein Wettbewerb im Spätsommer soll Bürger aktiv einbinden.
Kaiserslautern stellte Mitte Juni ein Teilstück der neuen Stadtmitte fertig. Nach sechs Jahren Bauzeit entstanden 1.400 Quadratmeter Grünfläche, der Baumbestand wuchs netto um 17 Bäume.
Daten helfen bei der Planung
Das Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung (IÖR) entwickelte ein Stadtklimadashboard. Das im Mai vorgestellte Tool bündelt Indikatoren wie die Erreichbarkeit kühlender Grünflächen und den Anteil versickerungsfähiger Flächen. Basis sind Satellitendaten und der Zensus 2022.
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Mehr als nur Bäume: Energie aus Abfällen
Neben der Begrünung rückt die energetische Verwertung von Abfällen in den Fokus. In Wiesbaden plant die Bio2Power GmbH bis 2029 eine Bioabfall-Vergärungsanlage mit 60.000 Tonnen Kapazität pro Jahr. Das 40-Millionen-Euro-Projekt soll Biogas ins städtische Netz einspeisen.
Bremen verfolgt das Ziel der Klimaneutralität bis 2038. Großprojekte wie die Dekarbonisierung der Stahlindustrie und Flusswasser-Wärmepumpen – seit Mai 2025 in Betrieb – sollen den Weg ebnen.
