Stagnationswasser: Nach dem Urlaub sollten zehn Liter durch die Rohre fließen
Veröffentlicht am: 04.10.2026 um 00:13 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Trinkwasser gilt in Deutschland als streng kontrolliertes Lebensmittel, doch die Qualität an der Entnahmestelle hängt wesentlich vom Zustand der Hausinstallationen und der Verweildauer in den Rohren ab. Steht Wasser über einen längeren Zeitraum unbewegt in den Leitungen, spricht man von Stagnationswasser.
Wie die Verbraucherzentrale darlegt, sollte Wasser, das mehr als vier Stunden in der Leitung gestanden hat, nicht mehr für die Zubereitung von Speisen und Getränken genutzt werden. In solchen Ruhephasen können sich Bestandteile der Installationsmaterialien im Wasser anreichern oder Mikroorganismen vermehren.
Praktische Spülregeln für den Alltag und nach Reisen
Um sicherzustellen, dass wieder frisches Wasser bezogen wird, empfiehlt Astrid Hackenesch-Rump von den Berliner Wasserbetrieben eine unkomplizierte Vorgehensweise im Alltag. Der Wasserhahn sollte so lange geöffnet bleiben, bis das austretende Wasser spürbar kühl ist und nicht mehr kälter wird. Abhängig vom jeweiligen Stockwerk und der Leitungslänge im Haus dauert dieser Vorgang in der Regel zwischen 15 und 60 Sekunden.
Bei längeren Abwesenheiten reicht ein solches kurzes Ablaufenlassen hingegen nicht aus. Nach einer Urlaubsreise sollten laut Astrid Hackenesch-Rump von den Berliner Wasserbetrieben etwa zehn Liter Wasser durch die Rohre fließen, um das gestaute Wasser vollständig aus den Hausleitungen zu spülen.
Vorgaben des Umweltbundesamts zu Legionellen und Wassertemperaturen
Besondere Aufmerksamkeit erfordert das Thema Legionellen, insbesondere nach Phasen des Leerstands. Das Umweltbundesamt weist darauf hin, dass eine Gefährdung durch diese Erreger vor allem nach langen Abwesenheiten und beim Duschen durch das Einatmen von feinsten Wassertröpfchen, sogenannten Aerosolen, besteht.
Steht das Wasser nach dem Urlaub noch in den Rohren, reicht kurzes Ablaufenlassen nicht: Erst wenn rund zehn Liter durch die Leitungen geflossen sind, ist das gestaute Wasser vollständig draußen. Unser kostenloser Spülplan zeigt Ihnen Schritt für Schritt, wie Sie nach Abwesenheit vorgehen und welche Wassertemperaturen Sie dabei kontrollieren sollten. Kostenlosen Spülplan jetzt anfordern
Kaltes Trinkwasser stellt demnach kein relevantes Risiko dar, da sich Legionellen bei Temperaturen von unter 20 Grad Celsius kaum ausbreiten. Das Grundwasser in Deutschland weist meist Temperaturen von 10 bis 15 Grad Celsius auf, was einer Vermehrung entgegenwirkt.
Im Bereich der Warmwasserversorgung müssen hingegen klare Vorgaben eingehalten werden, um ein Keimwachstum zu unterbinden. Das Umweltbundesamt betont, dass Warmwasser am Austritt des Trinkwassererwärmers mindestens 60 Grad Celsius erreichen muss. Zudem ist zu gewährleisten, dass die Wassertemperatur überall im Leitungssystem mindestens 55 Grad Celsius beträgt.
Ökologische und wirtschaftliche Vorteile von Leitungswasser
Trotz der notwendigen Vorsichtsmaßnahmen bei längeren Standzeiten bleibt Leitungswasser eine ressourcenschonende und preiswerte Versorgungsform. Angaben der Verbraucherzentrale unterstreichen diesen Aspekt im Vergleich zu abgefüllten Produkten: Die Klimabelastung von Mineralwasser ist in Deutschland fast 600-mal höher als die von Leitungswasser.
Beim Duschen nach längerem Leerstand entstehen feinste Wassertröpfchen, über die Legionellen eingeatmet werden können — das Umweltbundesamt sieht hier die eigentliche Gefährdung, nicht im kalten Trinkwasser. Unser kostenloser Leitfaden erklärt, welche Wassertemperaturen Sie im Warmwassersystem einhalten müssen, damit Keime gar nicht erst wachsen. Leitfaden Legionellen-Prävention jetzt sichern
Gleichzeitig ist Leitungswasser rund 100-mal günstiger. Durch die Beachtung einfacher Abläufe nach Nutzungspausen lässt sich das Trinkwasser aus dem Hahn sicher und nachhaltig im Alltag verwenden.
