Stargardt-Krankheit: Wirkstoff verlangsamt Netzhautverlust um 21,6%
Veröffentlicht am: 04.09.2026 um 00:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Stargardt-Krankheit gehört zu den hĂ€ufigsten erblichen Netzhauterkrankungen und fĂŒhrt bereits im Kindes- oder Jugendalter zu fortschreitendem Sehverlust. Eine Zulassung fĂŒr eine wirksame Behandlung existiert bislang nicht.
Neue Daten zu dem Wirkstoff Gildeuretinol des Unternehmens Alkeus Pharmaceuticals, veröffentlicht im Fachjournal JAMA Ophthalmology, liefern nun Hinweise darauf, dass sich das Fortschreiten der Erkrankung zumindest verlangsamen lÀsst.
Studiendesign der TEASE-1-Untersuchung
Grundlage der Publikation ist die Studie mit dem Namen TEASE-1, die Alkeus Pharmaceuticals durchgefĂŒhrt hat. Es handelt sich um eine randomisierte, doppelt maskierte und placebokontrollierte Untersuchung, an der 50 Patientinnen und Patienten mit Stargardt-Krankheit teilnahmen.
Dieses Studiendesign gilt methodisch als besonders belastbar, da weder Teilnehmende noch behandelndes Personal wussten, wer den Wirkstoff und wer ein Placebo erhielt â ein Ansatz, der Verzerrungen in der Bewertung der Ergebnisse minimieren soll.
Zentrale Wirksamkeitsdaten
Im Mittelpunkt der Auswertung steht die Entwicklung retinaler atrophischer LĂ€sionen, also jener Netzhautbereiche, die bei der Stargardt-Krankheit fortschreitend absterben und damit den Sehverlust verursachen. Ăber einen Zeitraum von 24 Monaten reduzierte Gildeuretinol laut den Studienergebnissen die Wachstumsrate dieser LĂ€sionen um 21,6 Prozent.
Konkret lag die Wachstumsrate in der Behandlungsgruppe bei 0,182 Millimetern pro Jahr, wÀhrend sie in der Placebogruppe 0,232 Millimeter pro Jahr betrug. Der Unterschied wird laut der Publikation als statistisch signifikant eingestuft (p<0,001).
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FĂŒr Patientinnen und Patienten mit einer bislang unbehandelbaren, fortschreitenden Erkrankung könnte eine Verlangsamung dieser GröĂenordnung praktisch bedeuten, dass der Verlust an funktionsfĂ€higem Netzhautgewebe ĂŒber Jahre hinweg langsamer voranschreitet â ein Aspekt, der insbesondere fĂŒr jĂŒngere Betroffene relevant ist, bei denen die Erkrankung oft schon frĂŒh im Leben beginnt.
VertrÀglichkeit im Fokus
Neben der Wirksamkeit war die Sicherheit des Wirkstoffs ein zentraler Untersuchungsgegenstand. Laut den veröffentlichten Daten erwies sich Gildeuretinol als gut vertrÀglich. Besonders hervorgehoben wird, dass unter der Behandlung keine Nachtblindheit auftrat.
Dieser Punkt ist deshalb bemerkenswert, weil Wirkstoffe, die in den Sehzyklus eingreifen â wie es bei Retinoid-basierten TherapieansĂ€tzen der Fall sein kann â grundsĂ€tzlich das Risiko bergen, die Dunkeladaptation der Augen zu beeintrĂ€chtigen.
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Dass dieses Nebenwirkungsrisiko in der TEASE-1-Studie nicht beobachtet wurde, wird von den Studienautoren als positives Signal fĂŒr das VertrĂ€glichkeitsprofil des Wirkstoffs gewertet.
Einordnung fĂŒr Betroffene
Die Veröffentlichung in JAMA Ophthalmology verschafft den Ergebnissen wissenschaftliche Sichtbarkeit ĂŒber die Fachöffentlichkeit hinaus, da es sich um eine der Erkrankung gewidmete Studie mit kontrolliertem Design handelt.
FĂŒr Patientinnen und Patienten mit Stargardt-Krankheit sowie deren Angehörige bedeuten die Daten zunĂ€chst vor allem eines: Es gibt erstmals kontrollierte klinische Evidenz fĂŒr einen möglichen Bremseffekt auf das Fortschreiten der NetzhautschĂ€digung.
Ob und wann daraus eine zugelassene Therapie option wird, hĂ€ngt von weiteren regulatorischen Schritten ab, zu denen das Event-Log keine Angaben enthĂ€lt. Fachleute dĂŒrften die vorliegenden Zahlen aus der TEASE-1-Studie in den kommenden Monaten als Referenzpunkt fĂŒr weitere Forschung zur Stargardt-Krankheit heranziehen.
