Starship-Roboter in Tallinn: Software soll nach Buskollision die Sicherheit erhöhen
Veröffentlicht am: 29.10.2026 um 19:10 Uhr | Redaktion boerse-global.deNach der Kollision eines autonomen Lieferroboters mit einem Linienbus in Tallinn hat der Hersteller Starship Technologies überwiegend softwarebasierte Sicherheitsverbesserungen angekündigt.
Während die interne Untersuchung des Vorfalls noch andauert, äußerte sich das Unternehmen auch zu den genauen Vorgängen unmittelbar nach dem Zusammenstoß. Nach Angaben von Starships Betriebsleiter Pepe Aaviksoo fuhr der Roboter nach der Kollision selbstständig an den Straßenrand und blieb dort etwa zehn Minuten stehen.
Aaviksoo bezeichnete das Ereignis als äußerst bedauerlich und betonte, dass Sicherheit für das Unternehmen oberste Priorität habe. Das System arbeite autonom, wobei ein Büroteam bei Bedarf aus der Ferne eingreifen könne. Eine lückenlose Überwachung in Echtzeit sei jedoch nicht durchführbar, da weltweit mehrere Tausend Roboter der Flotte aktiv im Einsatz seien.
Notbremsung forderte Verletzte im Linienbus
Der Unfall hatte sich am 26. Oktober 2026 während der abendlichen Hauptverkehrszeit bei Dunkelheit ereignet. An der Kreuzung der Straßen Luise und Tehnika im Stadtteil Kristiine war das Lieferfahrzeug bei Rotlicht auf einen Zebrastreifen gefahren. Um einen direkten Zusammenstoß zu verhindern, leitete der Fahrer des Stadtbusses eine Vollbremsung ein.
Nach Angaben des städtischen Verkehrsbetriebs Tallinna Linnatransport AS (TLT) stürzten durch das abrupte Bremsmanöver acht bis neun Fahrgäste im Fahrzeug und zogen sich Verletzungen zu. TLT-Vorstand Andrei Novikov erklärte zu dem Vorfall, der Roboter sei anschließend weggelaufen. Der Bus wies nach dem Vorfall nur minimale Schäden auf und konnte seine Fahrt zunächst fortsetzen.
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Der betroffene Busfahrer wurde von TLT für seine Reaktion ausdrücklich gelobt, beendete seinen Dienst später jedoch aufgrund der emotionalen Belastung vorzeitig und wurde durch einen Ersatzfahrer abgelöst. Das Verkehrsunternehmen erstattete Anzeige, zudem ging nachträglich die Beschwerde eines verletzten Fahrgasts ein.
Interne Analyse und vorsorgliche Routenänderungen
Starship Technologies nahm nach dem Vorfall eigenen Angaben zufolge Kontakt mit der estnischen Polizei auf, die zuvor keinen Notruf zu dem Vorfall erhalten hatte, und leitete eine interne technische Prüfung ein.
Für die Dauer dieser Untersuchung wurde die Route der Fahrzeuge vorsorglich angepasst: Die Roboter dürfen die betreffende Kreuzung derzeit nicht überqueren. Bis zu dem Vorfall war der Knotenpunkt nach Firmenangaben bereits über 4.000-mal erfolgreich und ohne Zwischenfälle von den Systemen passiert worden.
Die sechsrädrigen Lieferroboter, die in Estland vollautonom auf Gehwegen fahren, verfügen über mehrere Kameras, bieten eine Reichweite von bis zu fünf Kilometern und können Nutzlasten von bis zu 15 Kilogramm transportieren.
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Zwar tragen die Geräte das Branding des Lieferdienstes Bolt Food, Starship stellte jedoch klar, dass es sich dabei lediglich um Werbebeklebungen und vereinzelte Bestellungen handele; die Steuerung und Verantwortung liege allein bei Starship. Global verzeichnet die Flotte in sieben Ländern inzwischen über elf Millionen autonome Lieferungen und rund 24 Millionen gefahrene Kilometer.
Rechtliche Einordnung und regulatorischer Rahmen
Bezüglich der Schadensregulierung erläuterte Lauri Potsepp vom Estnischen Verkehrsversicherungsfonds die Rechtslage: Demnach haftet der Versicherer des Linienbusses für verletzte Fahrgäste und beschädigte Gegenstände verschuldensunabhängig. Sollte sich im Rahmen der Ermittlungen das Verschulden des Roboters bestätigen, kann der Versicherer Regressansprüche gegenüber dem Eigentümer des Roboters geltend machen.
Maria Pashkevich von der estnischen Verkehrsbehörde Transpordiamet verwies darauf, dass für autonome Lieferroboter im Land klare Verkehrs- und Sicherheitsvorschriften gelten. Bis zu dem aktuellen Vorfall waren in Estland keine Unfälle mit Personenschaden unter Beteiligung der Geräte verzeichnet worden.
