Statine: 30% weniger Herzinfarkte bei über 70-Jährigen
Veröffentlicht am: 30.08.2026 um 12:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die medizinische Forschung liefert Ende August 2026 neue Einblicke in den Nutzen einer medikamentösen Primärprävention für die Generation der über 70-Jährigen.
Im Zentrum der Diskussion steht die australisch geführte STAREE-Studie (Statins in Reducing Events in the Elderly), deren Ergebnisse im Rahmen des ESC-Kongresses 2026 präsentiert und im New England Journal of Medicine (NEJM) veröffentlicht wurden.
Die Untersuchung befasst sich mit der Frage, inwieweit die tägliche Einnahme von Atorvastatin bei gesunden Senioren ohne bekannte Vorerkrankungen das Risiko für schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse senken kann.
Signifikante Risikoreduktion durch Atorvastatin
Die STAREE-Studie umfasste insgesamt 9.971 Probanden ab einem Alter von 70 Jahren. Zu Beginn der Untersuchung wiesen die Teilnehmer weder eine Herz-Kreislauf-Erkrankung (CVD) noch Diabetes oder Demenz auf. Das Durchschnittsalter der Kohorte lag bei 75 Jahren, wobei der Frauenanteil 51,9 % betrug. Über einen medianen Beobachtungszeitraum von 5,9 Jahren erhielten die Teilnehmer täglich 40 mg Atorvastatin oder ein Placebo.
Die Analyse der Daten zeigt, dass die Gabe von Atorvastatin das relative Risiko für schwere kardiovaskuläre Ereignisse um 30 % senkte. Während in der Placebo-Gruppe 8,3 % der Teilnehmer ein solches Ereignis erlitten, waren es in der Interventionsgruppe 6,0 % (HR 0,70; 95 %-KI 0,61–0,82; p<0,001).
Besonders deutlich fiel die Reduktion bei Myokardinfarkten (HR 0,57) und notwendigen Revaskularisationen (HR 0,57) aus. Bei Schlaganfällen (HR 0,87) und der kardiovaskulären Mortalität (HR 1,00) ergab sich hingegen kein statistisch signifikanter Vorteil. Die statistische Kenngröße der „Number Needed to Treat“ (NNT) wurde mit 37 angegeben.
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Lebensqualität und Sicherheit im Fokus
Ein wesentlicher Aspekt der Untersuchung war das behinderungsfreie Überleben der Senioren. Hier stellten die Forscher fest, dass es keinen signifikanten Unterschied zwischen den Gruppen gab. Die Raten lagen bei 12,8 % in der Statin-Gruppe gegenüber 13,6 % in der Vergleichsgruppe (HR 0,94; 95 %-KI 0,84–1,05; p=0,25).
Hinsichtlich der Sicherheit der Medikation berichteten die Autoren über ein geringes Risiko für schwere Nebenwirkungen; diese traten in beiden Gruppen bei jeweils 2,7 % der Teilnehmenden auf. Experten werten dies als Beleg dafür, dass die Therapie auch in der Altersgruppe der über 70-Jährigen sicher angewendet werden kann.
Zusammenhang zwischen Statinen und Demenzprävention
Parallel zur STAREE-Studie wurden auf dem ESC-Kongress 2026 weitere Untersuchungen vorgestellt, die einen potenziellen Schutz vor kognitivem Abbau thematisieren. Eine Begleitstudie mit einer Laufzeit von 15 Jahren deutet darauf hin, dass Statine das Demenzrisiko um bis zu 15 % senken können, wobei eine frühzeitige Anwendung als wirksamer eingestuft wird.
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Diese Beobachtung wird durch eine dänische landesweite Studie gestützt, die Daten von 132.585 Patienten aus den Jahren 2006 bis 2019 auswertete. Die in „The Lancet Regional Health – Europe“ veröffentlichte Untersuchung untersuchte statin-naive Patienten mit Typ-2-Diabetes. Es zeigte sich, dass eine frühe Statin-Einnahme innerhalb eines Jahres nach der Diabetes-Diagnose mit einem um 15 % niedrigeren relativen Demenzrisiko über einen Zeitraum von zehn Jahren verbunden war. Erfolgte der Therapiebeginn erst nach einem bis fünf Jahren, lag die Risikoreduktion noch bei 10 %.
Perspektiven der präklinischen Forschung
Über die klinische Anwendung bekannter Statine hinaus lieferten Forschungsberichte Ende August 2026 Einblicke in molekulare Ansätze zur Behandlung neurodegenerativer Erkrankungen. An der University of Pennsylvania wurde die Wirkung des Moleküls 4-Phenylbutyrat (PBA) untersucht.
In präklinischen Versuchen an Mäusen konnte PBA Alzheimer-ähnliche Gedächtnisverluste auch in fortgeschrittenen Stadien umkehren, indem es als chemisches Chaperon fungiert und die Ansammlung fehlgefalteter Proteine verhindert.
Zudem berichtete das Fachmagazin „BMC Neuroscience“ über einen technologischen Ansatz mittels wasserstoffgefüllter Palladiumhydrid-Nanosheets. Diese wurden bei Alzheimer-Mäusen intravenös injiziert und durch einen Laser aktiviert.
Das Verfahren zielte darauf ab, Amyloid-?-Plaques zu entfernen und das Gedächtnis wiederherzustellen. Beide molekularen Forschungsansätze befinden sich in einem frühen Stadium und bedürfen weiterer Untersuchungen, um eine potenzielle Übertragbarkeit auf den Menschen zu prüfen.
