Statine: RyR1-Kanal erklÀrt, wie Kalziumlecks Muskelschmerzen auslösen
Veröffentlicht am: 20.10.2026 um 20:18 Uhr | Redaktion boerse-global.deStatine gehören zu den weltweit am hÀufigsten verordneten Cholesterinsenkern. Laut einer wissenschaftlichen Untersuchung nutzen mehr als 200 Millionen Menschen weltweit diese Medikamente.
WĂ€hrend schwerwiegende MuskelschĂ€den als selten gelten, klagen viele Patientinnen und Patienten ĂŒber Muskelschmerzen und MuskelschwĂ€che. Ein internationales Forschungsteam hat nun die molekularen Mechanismen aufgedeckt, die fĂŒr diese Nebenwirkungen verantwortlich sind.
Molekularer Defekt am Ryanodin-Rezeptor RyR1
Wissenschaftler der kanadischen University of British Columbia und der University of WisconsinâMadison konnten den Prozess entschlĂŒsseln, ĂŒber den Statine muskulĂ€re Beschwerden hervorrufen.
Ihre in der Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlichte Forschungsarbeit zeigt, dass die Arzneistoffe den Ryanodin-Rezeptor-Kanal RyR1 offen halten. Dadurch kommt es zu einem unkontrollierten Austritt von Kalzium aus den Muskelzellen, was in der Folge das Muskelgewebe schÀdigt.
Der Hauptautor der Studie, Steven Molinarolo, beschrieb dazu, dass das Team diesen Vorgang beinahe Atom fĂŒr Atom sichtbar machen konnte. Die Untersuchungen ergaben, dass drei MolekĂŒle an derselben Stelle des RyR1-Kanals binden. Ein erstes MolekĂŒl dockt an, solange der Kanal geschlossen ist, und begĂŒnstigt dessen Ăffnung. Zwei weitere MolekĂŒle halten den Kalziumkanal anschlieĂend in geöffnetem Zustand.
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Der primÀre Fokus der Wissenschaftler lag auf dem Wirkstoff Atorvastatin. Den Analysen zufolge könnte dieser Mechanismus jedoch grundsÀtzlich auch andere Vertreter aus der Gruppe der Statine betreffen.
BestÀtigung durch parallele Untersuchungen
ErgĂ€nzende Befunde liefert eine weitere Studie, die im Journal of Clinical Investigation publiziert wurde. Darin berichten Forscher, dass auch der Wirkstoff Simvastatin den Ryanodin-Rezeptor aktiviert und den Kalziumkanal öffnet. Dies fĂŒhrt zu einem unkontrollierten Kalziumeinstrom, der MuskelschwĂ€che sowie GewebeschĂ€den nach sich zieht.
Obwohl dieser Mechanismus vermutlich nicht sÀmtliche FÀlle von Statin-UnvertrÀglichkeiten abdeckt, könnte er dennoch Millionen von Behandelten betreffen.
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Zugleich verweisen die Versuche in dieser Publikation auf mögliche therapeutische AnsÀtze. Anhand von Mausmodellen konnten die Forscher zeigen, dass experimentelle Medikamente in der Lage sind, das aufgetretene Kalziumleck wieder zu beheben. Entsprechende Wirkstoffe werden derzeit bereits in klinischen Studien am Menschen zur Behandlung seltener Muskelerkrankungen erprobt.
Suche nach nebenwirkungsarmen Alternativen
Das ĂŒbergeordnete Ziel der Forschungsteams an der University of British Columbia und der University of WisconsinâMadison besteht darin, die Grundlagen fĂŒr vertrĂ€glichere Therapien zu schaffen. Die detaillierte AufklĂ€rung der Bindungsstellen am RyR1-Kanal soll es kĂŒnftig ermöglichen, sicherere Statine zu entwickeln, welche die cholesterinsenkende Schutzwirkung beibehalten, ohne dabei Schmerzen und SchwĂ€che in der Skelettmuskulatur auszulösen.
