Statine und Glaukom: Studie findet 15 Prozent geringeres Erkrankungsrisiko
Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 13:39 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie Einnahme von cholesterinsenkenden Statinen könnte mit einem verringerten Risiko für das Auftreten eines Offenwinkelglaukoms sowie mit selteneren Therapieeskalationen einhergehen. Zu diesem Ergebnis kommt eine retrospektive Kohortenstudie einer US-Arbeitsgruppe aus La Jolla, die im Fachjournal British Journal of Ophthalmology (2026; DOI: 10.1136/bjo-2026-330339) publiziert wurde.
Das Glaukom gilt weltweit als die führende Ursache für irreversible Erblindung. Bislang galten populationsbasierte Untersuchungen sowie Metaanalysen zum Zusammenhang zwischen Statingabe und Glaukomentstehung sowie -progression laut den Forschenden als uneinheitlich.
Geringere Erkrankungsraten über fünf und zehn Jahre
Die wissenschaftliche Untersuchung, die an der University of California, San Diego, durchgeführt wurde, griff auf elektronische Krankenakten des TriNetX-Forschungsnetzwerks zurück. Dieses Netzwerk umfasst 115 Gesundheitseinrichtungen und die Daten von 165 Millionen Menschen.
Für die detaillierte Analyse wurden Daten von über 421.000 Personen herangezogen, die je zur Hälfte mit und ohne Statine behandelt wurden. Dabei handelte es sich um mehr als 200.000 Erwachsene ab einem Alter von 40 Jahren mit Statintherapie im Vergleich zu einer gleich großen Kontrollgruppe. Zusätzlich bezog die Arbeitsgruppe fast 60.000 Menschen ein, bei denen bereits ein Glaukom diagnostiziert worden war.
Im Beobachtungszeitraum von fünf Jahren entwickelten 2,3 Prozent der Personen unter Statineinnahme ein Glaukom, während der Anteil in der Kontrollgruppe bei 2,6 Prozent lag. Dies entsprach einem etwa 15 Prozent geringeren Risiko, neu an der Augenkrankheit zu erkranken. Über eine Beobachtungsdauer von zehn Jahren zeigte sich weiterhin ein Vorteil zugunsten der Statingruppe, wenngleich der Unterschied geringer ausfiel.
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Seltenerer Bedarf an invasiven Behandlungen
Neben dem Neuauftreten der Erkrankung untersuchten die Wissenschaftler auch den Krankheitsverlauf bei Patientinnen und Patienten mit bereits bestehendem Glaukom. Unter einer laufenden Statintherapie wurden den Betroffenen demnach seltener augeninnendrucksenkende Augentropfen verordnet.
Zudem musste die Behandlung bei den Statinanwendern seltener intensiviert werden. Dies betraf insbesondere weiterführende Interventionen: Die Patientengruppe war seltener auf augenärztliche Lasereingriffe oder chirurgische Operationen angewiesen als Personen ohne Statinmedikation.
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Aussagekraft und methodische Grenzen
Die Autoren betonen, dass es sich bei der Untersuchung um eine reine Beobachtungsstudie handelt. Die ausgewerteten Daten belegen daher eine Korrelation, liefern jedoch keinen kausalen Nachweis für eine Schutzwirkung der Cholesterinsenker. Zudem gelten die ermittelten Zusammenhänge ausschließlich für das Offenwinkelglaukom und lassen sich nicht auf andere Glaukomformen übertragen.
Um verlässliche Rückschlüsse darauf ziehen zu können, ob Statine tatsächlich einen schützenden Effekt auf die Augenstrukturen ausüben oder ob kontrollierte therapeutische Interventionen einen Nutzen bringen, sind nach Einschätzung der Forscher weitere kontrollierte Studien erforderlich.
