Statine, Grüner

Statine und Grüner Star: Studie findet 15 Prozent geringeres Glaukomrisiko

Veröffentlicht am: 05.11.2026 um 11:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine Beobachtungsstudie verbindet Statine mit weniger Glaukomfällen und selteneren Eingriffen, belegt jedoch keine ursächliche Schutzwirkung.
Nahaufnahme einer menschlichen Iris bei natürlichem Lichteinfall. Illustration mit AI erstellt.

Statine gehören weltweit zu den am häufigsten verordneten Medikamenten zur Senkung des Cholesterinspiegels und zur Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Eine wissenschaftliche Untersuchung der University of California San Diego liefert nun detaillierte Einblicke in einen möglichen Nebeneffekt der Lipidsenker: Daten aus einer retrospektiven Kohortenstudie, die im Fachmagazin British Journal of Ophthalmology erschien, deuten auf einen Zusammenhang zwischen der Einnahme von Statinen und einem verringerten Risiko für die Entstehung sowie das Fortschreiten des Offenwinkelglaukoms hin.

Geringeres Risiko für die Entstehung von Offenwinkelglaukomen

Das Glaukom, im Volksmund als Grüner Star bezeichnet, gilt weltweit als die häufigste Ursache für irreversible Erblindung. Für die Analyse griffen die Forschenden der UC San Diego auf eine umfangreiche Datenbank mit Datensätzen von 165 Millionen Menschen zurück.

Im Rahmen der Untersuchung verglichen sie über 210.000 Statin-Nutzer über einen Erhebungszeitraum von August 2006 bis August 2026 mit einer Kontrollgruppe von ebenfalls 210.000 Personen ohne entsprechende Medikation.

Die Auswertung ergab eine statistische Assoziation zwischen der Einnahme von Statinen und einem um 15 Prozent geringeren Risiko, an einem Offenwinkelglaukom zu erkranken. Innerhalb eines Zeitraums von fünf Jahren entwickelten 2,3 Prozent der Personen in der Statin-Gruppe ein Glaukom, verglichen mit 2,6 Prozent in der Kontrollgruppe.

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In absoluten Zahlen entsprach dies 4.771 Neuerkrankungen unter Statin-Einnahme gegenüber 5.491 Fällen in der Vergleichsgruppe. Bei Erwachsenen über 40 Jahren zeigte sich dieses reduzierte Erkrankungsrisiko über Beobachtungszeiträume von fünf und zehn Jahren.

Seltenerer Einsatz von Eingriffen und Augentropfen

Neben der Neuerkrankungsrate untersuchte das Forschungsteam auch die Krankheitsverläufe bei Personen, bei denen bereits vorab ein Grüner Star diagnostiziert worden war. In dieser Teilgruppe standen über 30.000 Statin-Anwender fast 250.000 Betroffenen ohne Statin-Therapie gegenüber; eine weitere Auswertung einer US-Beobachtungsstudie mit einer Gesamtdatengrundlage von über 421.000 Personen erfasste knapp 60.000 Patienten mit gesicherter Diagnose.

Dabei zeigte sich nach fünf Jahren ein deutlicher Unterschied hinsichtlich der Notwendigkeit therapeutischer Maßnahmen:
- Das Risiko für eine inzisionale Glaukomchirurgie fiel unter Statinen um 36 Prozent geringer aus.
- Die Wahrscheinlichkeit für eine minimal-invasive Glaukomchirurgie (MIGS) reduzierte sich um 55 Prozent.
- Das Risiko für eine selektive Lasertrabekuloplastik (SLT) lag um 60 Prozent niedriger.
- Drucksenkende Augentropfen wurden mit einer um 12 Prozent geringeren Wahrscheinlichkeit verordnet.

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Langzeiteffekte und Einordnung der Ergebnisse

Auch bei einer Nachbeobachtung über zehn Jahre hinweg blieb das Risiko für operative oder laserbasierte Eingriffe bei den Statin-Nutzern weiterhin vermindert. Der relative Unterschied beim primären Glaukomrisiko selbst fiel nach zehn Jahren allerdings geringer aus als nach fünf Jahren.

Trotz der großen Stichproben weisen die Autoren darauf hin, dass es sich um eine Beobachtungsstudie handelt. Ein direkter ursächlicher Nachweis für eine Schutzwirkung der Cholesterinsenker lässt sich aus den Daten folglich nicht ableiten. Dennoch bieten die Ergebnisse wertvolle Anhaltspunkte für die ophthalmologische Forschung, wie sich bestehende Stoffwechseltherapien langfristig auf degenerative Augenerkrankungen auswirken können.

Mehr zum Thema bei t-online: „Statine und grüner Star: Studie zeigt möglichen Schutzeffekt für die Augen“

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