SteuerschÀtzung, Milliarden

SteuerschÀtzung: 43,4 Milliarden Euro mehr bis 2030, aber kein Ausgabenspielraum

Veröffentlicht am: 22.10.2026 um 22:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die neue Prognose sieht höhere Staatseinnahmen vor, doch Finanzminister Klingbeil erkennt fĂŒr den Bundeshaushalt 2027 keinen zusĂ€tzlichen Spielraum.
Moderne Glas- und Stahlfassade eines RegierungsgebÀudes in der AbenddÀmmerung. Illustration mit AI erstellt.

Die Steuereinnahmen in Deutschland entwickeln sich in den kommenden Jahren positiver als im FrĂŒhjahr prognostiziert. Wie aus der 171. SteuerschĂ€tzung des zustĂ€ndigen Arbeitskreises hervorgeht, erwartet der Gesamtstaat fĂŒr den Zeitraum von 2026 bis 2030 insgesamt rund 43,4 Milliarden Euro mehr an Einnahmen als noch in der Mai-Prognose veranschlagt worden war.

Im Jahr 2027 werden die Steuereinnahmen von Bund, LĂ€ndern und Gemeinden zudem erstmals die Schwelle von einer Billion Euro ĂŒberschreiten und bei voraussichtlich 1.044,2 Milliarden Euro liegen.

Verteilung der Mehreinnahmen auf die staatlichen Ebenen

FĂŒr das Jahr 2026 rechnet der Arbeitskreis SteuerschĂ€tzung mit Gesamteinnahmen von 997,9 Milliarden Euro, womit die SchĂ€tzung um 0,8 Milliarden Euro unter der Mai-Prognose liegt. FĂŒr 2027 werden gesamtstaatlich hingegen 10,9 Milliarden Euro mehr erwartet als noch im Mai angenommen.

Von dem prognostizierten Zuwachs bis 2030 entfallen 3,3 Milliarden Euro auf den Bund, 7,8 Milliarden Euro auf die LĂ€nder und 9,8 Milliarden Euro auf die Gemeinden.

Der Bund allein erwartet im Jahr 2027 zusĂ€tzliche Einnahmen von rund 4,1 Milliarden Euro, womit die Steuereinnahmen des Bundes in jenem Jahr insgesamt 398,6 Milliarden Euro erreichen dĂŒrften. Geplante steuerliche Entlastungen sind in der SchĂ€tzung des Arbeitskreises noch nicht berĂŒcksichtigt, da diese vom Bundestag bislang nicht beschlossen wurden.

Fiskalische Bewertung und Haushaltslage

Am 22. Oktober 2026 hob die Bundesregierung ihre Wachstumsprognose fĂŒr 2026 von 0,5 Prozent auf 1,3 Prozent sowie fĂŒr 2027 von 0,9 Prozent auf 1,1 Prozent an. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil betonte, dass sich fĂŒr den Bundeshaushalt 2027 insgesamt keine neuen SpielrĂ€ume, aber auch keine neuen LĂŒcken ergĂ€ben.

Eine weitere Konsolidierung bleibe notwendig. Aufgrund der Schuldenbremse fĂŒhre die verbesserte Konjunktur zu einer geringeren Kreditaufnahme, die in diesem Jahr um 2,5 Milliarden Euro sinke.

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Auch der SPD-Haushaltspolitiker Thorsten Rudolph verwies auf Mehreinnahmen von rund 4,1 Milliarden Euro im Jahr 2027 gegenĂŒber der vorherigen SchĂ€tzung, sah darin jedoch ebenfalls keinen Spielraum fĂŒr zusĂ€tzliche Ausgaben. Die Haushaltsberatungen fĂŒr 2027 lĂ€gen im Zeitplan.

Der Haushaltsausschuss des Bundestages plant, den Haushaltsentwurf fĂŒr 2027 in der Bereinigungssitzung am 12. November festzuzurren. FĂŒr das Jahr 2028 verbleibt demnach weiterhin eine HaushaltslĂŒcke von 22 Milliarden Euro.

Die AfD-Fraktion wies darauf hin, dass von den rund 43 Milliarden Euro bis 2030 insgesamt 22,9 Milliarden Euro an die EuropĂ€ische Union flössen und beim Bund lediglich 3,3 Milliarden Euro verblieben, da dieser 15,1 Milliarden Euro mehr nach BrĂŒssel abfĂŒhren mĂŒsse. Die Fraktion forderte Steuersenkungen und eine Verringerung des EU-Budgets.

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Diskussionen ĂŒber Steuerentlastungen

Angesichts der SchĂ€tzungen verstĂ€rkt sich die Debatte ĂŒber Entlastungen. Der Bund der Steuerzahler forderte einen Abbau der kalten Progression bei der Einkommensteuer. Ein solcher Ausgleich wĂŒrde 2027 Kosten von 4 Milliarden Euro und 2028 von 9 Milliarden Euro verursachen.

Zudem verlangt die Union eine Senkung der Stromsteuer fĂŒr alle Verbraucher auf das EU-Mindestmaß von 0,1 Cent pro Kilowattstunde, was laut Landesvertretern eine Entlastung von ĂŒber 5 Milliarden Euro jĂ€hrlich brĂ€chte. DemgegenĂŒber stĂŒnden SteuerausfĂ€lle von ĂŒber 5 Milliarden Euro pro Jahr, laut Handelsblatt von 5,4 Milliarden Euro jĂ€hrlich.

Nach Berechnungen von Verivox beliefen sich die Ersparnisse bei einer solchen Senkung fĂŒr einen Drei-Personen-Haushalt auf 93 Euro bei sinkenden Stromkosten um 7 Prozent auf 1.282 Euro, fĂŒr einen Paar-Haushalt auf 65 Euro und fĂŒr Alleinstehende auf 35 Euro. Die Gesamtentlastung fĂŒr Privathaushalte lĂ€ge bei 3 Milliarden Euro.

Nach Angaben des DIHK brĂ€chte die Maßnahme einem kleinen GeschĂ€ft 78 Euro und einem Handwerksbetrieb 975 Euro netto im Jahr. FĂŒr ein Hotel ergĂ€ben sich 10.000 Euro, fĂŒr ein Einkaufszentrum 200.000 Euro und fĂŒr ein Rechenzentrum 1 Million Euro.

Der DIHK betonte zudem, die Mehreinnahmen basierten auf einem nominalen BIP-Wachstum von 2,8 Prozent im Jahr 2026 und 3,8 Prozent im Jahr 2027, wovon mehr als die HĂ€lfte staatlich getragen und ĂŒberwiegend schuldenbasiert sei.

Gleichzeitig fordert die MinisterprĂ€sidentenkonferenz der LĂ€nderchefs eine schnellstmögliche Stromsteuersenkung sowie einen Spritpreisdeckel. Die Verkehrsministerkonferenz verstĂ€ndigte sich unterdessen einstimmig auf eine Finanzierungsreform, bei der der Bund kĂŒnftig mehr Kosten tragen soll.

Mehr zum Thema bei Handelsblatt: „SteuerschĂ€tzung: 20 Milliarden mehr – aber kein Spielraum fĂŒr Steuersenkungen“

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