Stiko-Empfehlungen: Covid-Auffrischung künftig erst ab 75 Jahren
Veröffentlicht am: 02.10.2026 um 19:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Für die Erkältungssaison 2026 hat die Ständige Impfkommission (Stiko) ihre Empfehlungen zum Schutz vor relevanten Atemwegserregern wie Covid-19, Influenza und dem Respiratorischen Synzytial-Virus (RSV) präzisiert. Im Mittelpunkt der Anpassungen stehen gefährdete Personengruppen sowie geänderte Altersgrenzen bei der Immunisierung gegen das Coronavirus.
Höhere Altersgrenze für Covid-19-Auffrischungen
Mit einer Beschlussfassung vom 27. Juli 2026 hob die Stiko das Alter für die jährliche Standardimpfung gegen Covid-19 von bisher 60 auf künftig 75 Jahre an. Das Gremium begründete diesen Schritt damit, dass ein Großteil der erwachsenen Bevölkerung mittlerweile über eine hybride Immunität aus Impfungen und Infektionen verfüge.
Gesunde Personen unter 75 Jahren seien damit ausreichend vor schweren Krankheitsverläufen geschützt, zudem seien Hospitalisierungen und Todesfälle insgesamt zurückgegangen.
Aus den Corona-Meldedaten der vergangenen drei Saisons geht hervor, dass 45 Prozent der gemeldeten Krankenhausfälle auf Menschen ab 80 Jahren entfielen und 22 Prozent auf die Altersgruppe der 70- bis 79-Jährigen. Ein Nachweis einer Basisimmunität wird in den Empfehlungen nicht mehr verlangt.
Unverändert empfiehlt das Expertengremium die Auffrischungsimpfung jedoch für bestimmte Risikogruppen. Dazu zählen Personen ab einem Alter von sechs Monaten mit relevanten Vorerkrankungen – etwa chronischen Leiden der Atemwege, des Herz-Kreislauf-Systems, der Leber oder Nieren sowie Diabetes, Adipositas, Immundefizienzen oder Krebserkrankungen.
Auch Bewohner von Pflegeeinrichtungen, Personen in Einrichtungen der Eingliederungshilfe mit erhöhtem Risiko, Beschäftigte im Medizin- und Pflegebereich sowie enge Kontaktpersonen gefährdeter Patienten ab sechs Monaten sollten sich impfen lassen.
Schwangeren mit Vorerkrankungen oder Komplikationen wird die Auffrischung vorzugsweise ab dem zweiten Trimester empfohlen. Die Covid-19-Impfung soll bevorzugt im Spätsommer bis Frühherbst verabreicht werden, wobei ein Abstand von mindestens sechs Monaten zur letzten Infektion oder Impfung eingehalten werden sollte.
Zeitfenster für Influenza und neue Vorgaben für RSV
Für den Schutz gegen Influenza passte die Stiko ihre Empfehlungen am 10. September an. Die Grippeschutzimpfung wird Personen ab 60 Jahren, Schwangeren ab dem zweiten Trimester (bei Vorerkrankungen ab dem ersten Trimester) sowie Menschen mit chronischen Erkrankungen wie Diabetes, Herz-Kreislauf- oder Atemwegsleiden nahegelegt.
Die Covid-Auffrischung wird künftig erst ab 75 Jahren als Standardimpfung empfohlen — für Risikogruppen mit Vorerkrankungen gilt sie weiterhin. Wer jetzt den Überblick verliert, findet hier die wichtigsten Empfehlungen für Covid, Grippe und RSV in drei klaren Schritten aufbereitet. Kostenlosen Impf-Ratgeber anfordern
Ebenfalls aufgerufen sind medizinisches Personal, Betreuende von Risikopersonen, Bewohner von Heimen sowie Berufsgruppen mit intensivem Publikumsverkehr oder Kontakt zu Wildvögeln, Geflügel, Schweinen und Robben.
Nach Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) wurden im Jahr 2025 fast 400.000 Influenza-Fälle registriert. Der ideale Impfzeitraum liegt zwischen Oktober und Mitte Dezember; der Aufbau des Schutzes beansprucht etwa 10 bis 14 Tage. Die Krankenkassen übernehmen für die Zielgruppen die Kosten.
Ebenfalls am 10. September aktualisierte die Stiko die Vorgaben zum RSV-Schutz. Eine einmalige Impfung vor Beginn der Saison wird Personen ab 75 Jahren sowie Personen ab 60 Jahren mit bestimmten schweren Grunderkrankungen empfohlen. Hierzu zählen Vorerkrankungen der Atmungsorgane, des Herz-Kreislauf-Systems, der Nieren, des Nervensystems oder hämato-onkologische Erkrankungen.
Das RKI verzeichnete für 2025 insgesamt 67.892 RSV-Fälle, was einem Zuwachs von 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr entsprach. Zur RSV-Prophylaxe bei gesunden Säuglingen steht laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung neben Nirsevimab auch der Antikörper Clesrovimab zur Verfügung.
Impfangebote in Arztpraxen und Apotheken
Zur Umsetzung rufen Ärztevertreter und Verbände zur frühzeitigen Vorsorge auf. Die Kassenärztliche Vereinigung Hamburg wies darauf hin, dass die Praxen vor der Grippewelle über ausreichende Impfstoffvorräte verfügen.
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Die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) hob hervor, dass viele Apotheken Impfungen gegen Influenza und Covid-19 durchführen; in der vorangegangenen Saison ließen sich dort fast 220.000 Menschen impfen.
Dennoch bleibt die Impfquote insgesamt ausbaufähig: Eine Auswertung der Techniker Krankenkasse (TK) für den Winter 2025/2026 ergab, dass rund 40 Prozent der TK-Versicherten ab 60 Jahren eine Grippeimpfung erhielten – das EU-Ziel von 75 Prozent bleibe damit weiterhin deutlich entfernt.
