Stillen: WHO-Daten zeigen 400.000 vermeidbare Todesfälle jährlich
Veröffentlicht am: 02.08.2026 um 11:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) meldet einen historischen Anstieg der Stillraten: Weltweit werden inzwischen über 47 Prozent der Säuglinge in den ersten sechs Monaten ausschließlich gestillt – 2012 waren es nur 37 Prozent. Auch beim Stillen bis zum zweiten Lebensjahr legten die Zahlen innerhalb von fünf Jahren von 38 auf 50 Prozent zu.
Gesundheitlicher und wirtschaftlicher Gewinn
Für Gesundheitsorganisationen ist die Entwicklung ein doppelter Erfolg. Schätzungen von WHO und UNICEF zufolge ließen sich durch optimierte Stillpraxis jährlich rund 400.000 Todesfälle bei Kindern und 140.000 bei Müttern verhindern. Muttermilch senkt das Risiko für Infektionskrankheiten bei Säuglingen, bei Müttern reduziert sie die Gefahr von Brustkrebs, Eierstockkrebs und Typ-2-Diabetes.
Ökonomisch gilt Stillförderung als Rendite-Wunder: Jeder investierte US-Dollar bringt Schätzungen zufolge etwa 59 Dollar zurück – durch geringere Gesundheitskosten und höhere Produktivität einer gesünderen Bevölkerung.
Was wirklich ĂĽber Stillmythen bekannt ist
Eine Metastudie der Sapienza-Universität Rom wertete 78 Einzelstudien aus und räumte mit verbreiteten Irrtümern auf. Die geringe Menge der Erstmilch (Kolostrum) in den ersten Tagen ist demnach physiologisch völlig ausreichend – die Sorge vor zu wenig Milch bleibt oft unbegründet. Auch Schnuller verkürzen die Stilldauer nicht zwingend. Kritisch sehen die Forscher dagegen den routinemäßigen Einsatz von Milchpumpen ohne medizinische Notwendigkeit: Er kann den natürlichen Stillprozess stören.
Die WHO meldet einen historischen Anstieg der Stillraten – doch in Deutschland geben nach vier Monaten nur noch 40 Prozent der Mütter ihr Baby ausschließlich Muttermilch. Dieser Leitfaden zeigt, wie Sie die sechs Monate entspannt meistern – mit Checkliste, Mythen-Fakten-Check und Tipps für den Alltag. Jetzt kostenlosen Still-Leitfaden sichern
Die Empfehlungen bleiben klar: Die WHO rät zu sechs Monaten ausschließlichem Stillen, danach Beikost bis zum zweiten Geburtstag. Die deutsche Leitlinie empfiehlt mindestens zwölf Monate.
Deutschland hinkt hinterher
Der globale Trend verdeckt aber große regionale Unterschiede. In Deutschland beginnen zwar 68 Prozent der Mütter nach der Geburt mit dem Stillen, doch nach vier Monaten sind es nur noch 40 Prozent. Die Schweiz zeigt, wie es besser geht: 2024 wurden fast 7 von 10 Säuglingen in den ersten vier Monaten ausschließlich gestillt – 2014 waren es 6 von 10. Besonders deutlich ist der Zuwachs bei älteren Babys: 53 Prozent der zehn Monate alten Kinder erhielten 2024 noch Muttermilch, vor zehn Jahren waren es nur 30 Prozent.
Vier Hebel fĂĽr bessere Quoten
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UNICEF und WHO fordern deshalb stärkere staatliche Maßnahmen in vier Bereichen: bezahlter Mutterschaftsurlaub und stillfreundliche Arbeitsplätze, bessere klinische Stillberatung, konsequente Umsetzung des Kodex zur Vermarktung von Muttermilchersatzprodukten sowie flächendeckende Beratungsprogramme durch geschultes Fachpersonal.
Die Weltstillwoche vom 1. bis 7. August lenkt den Blick jedes Jahr auf diese strukturellen Hürden – denn die meisten Mütter beenden das Stillen nicht aus freien Stücken, sondern weil die Rahmenbedingungen es ihnen schwer machen.
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