Stress im Büro: Krankentage wegen Belastung um 80% gestiegen
Veröffentlicht am: 05.08.2026 um 01:22 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Akustische Störungen und ständige Erreichbarkeit machen deutschen Büroangestellten zunehmend zu schaffen. Eine aktuelle YouGov- und Logitech-Umfrage zeigt: 95 Prozent der Befragten halten eine ruhige Atmosphäre für entscheidend, 70 Prozent klagen über Konzentrationsprobleme durch Lärm.
Lärmquellen und wachsendes Ruhebedürfnis
Telefonate (53 Prozent), Kollegengespräche (47 Prozent) und Videomeetings (41 Prozent) sind die Hauptstörfaktoren. Das Bedürfnis nach Ruhe wächst: 68 Prozent der Teilnehmer geben an, dass ihr Verlangen nach einer störungsfreien Umgebung zugenommen hat.
Stressbedingte Krankentage auf Rekordhoch
Die Folgen zeigen sich in den Gesundheitsdaten der KKH: 2025 gab es pro 100 Versicherte knapp 119 Krankentage wegen akuter Belastungsreaktionen – ein neuer Höchststand. 2024 waren es noch 112 Tage, 2017 lediglich 66. Das entspricht einem Anstieg von 80 Prozent.
Psychische Belastungen sind damit der dritthäufigste Grund für Krankschreibungen. KKH-Ärztin Aileen Könitz nennt den „unsichtbaren Stress der Unklarheit“ als Ursache – besonders in flexiblen Arbeitsmodellen fehlten oft klare Regeln.
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Entgrenzung in Europa
Rund 20 Prozent der EU-Beschäftigten werden laut einer Eurofound-Studie mehrmals monatlich in ihrer Freizeit kontaktiert. Besonders problematisch ist das Abschalten im Vereinigten Königreich: 92 Prozent der Briten haben Schwierigkeiten mit der Regeneration nach Feierabend, EU-weit sind es 78 Prozent. Schätzungen zufolge leisten britische Arbeitnehmer jährlich 3,5 Milliarden unbezahlte Überstunden – ein Gegenwert von rund 28,5 Milliarden Pfund.
KI und biologische Rhythmen
Die Hoffnung, dass Künstliche Intelligenz entlastet, bestätigt sich nicht unbedingt. Eine Analyse von Wei Jiang (Emory University) auf Basis des American Time Use Survey deutet darauf hin, dass Arbeitszeiten durch KI eher zunehmen.
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Auch die innere Uhr spielt eine Rolle: Arbeiten gegen den biologischen Rhythmus mindert die Leistung. Kernarbeitszeiten von 9 bis 17 Uhr sind zwar üblich, aber nicht gesetzlich vorgeschrieben. Eine bessere Abstimmung auf den individuellen Chronotyp könnte Stress reduzieren. Experten empfehlen zudem klare Kommunikationsregeln und feste Arbeitszeiten als Prävention gegen chronische Überlastung.
