Stromsteuer, Merz

Stromsteuer: Merz kündigt EU-Mindestsatz an – 3 Milliarden Euro Entlastung

Veröffentlicht am: 14.10.2026 um 09:10 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Verivox kalkuliert für Privathaushalte rund drei Milliarden Euro jährliche Ersparnis; Finanzierung und Umsetzung der Steuersenkung bleiben offen.

Stromsteuer: Merz plant Senkung, Verivox beziffert mögliche Entlastung
Hochspannungsleitungen verlaufen durch eine weite, goldene Landschaft bei Sonnenuntergang. Illustration mit AI erstellt.

Bundeskanzler Friedrich Merz hat nach einer zweitägigen Präsidiumsklausur in Berlin angekündigt, die Stromsteuer für Unternehmen und Privatleute auf das europäische Mindestmaß absenken zu wollen.

Während die politische Debatte über die Machbarkeit anhält, beziffern aktuelle Berechnungen des Vergleichsportals Verivox aus einem Bericht vom 13. Oktober 2026 die konkreten Auswirkungen: Eine Senkung der Abgabe auf das EU-Mindestmaß würde Privathaushalte in Deutschland um rund 3 Milliarden Euro pro Jahr entlasten und deren Stromrechnungen im Schnitt um etwa 7 Prozent verringern.

Berechnungen zeigen spürbare Entlastung für Verbraucher

Die Verivox-Analyse stützt sich auf einen durchschnittlichen Strompreis von 34,36 Cent pro Kilowattstunde inklusive Grundpreis sowie einen Gesamtjahresverbrauch aller privaten Haushalte von rund 130 Milliarden Kilowattstunden. Für das Jahr 2025 bezifferte die Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen diesen Verbrauch auf 132,5 Milliarden Kilowattstunden.

Die Stromsteuer liegt für Haushalte seit 2003 unverändert bei 20,50 Euro pro Megawattstunde beziehungsweise 2,05 Cent pro Kilowattstunde. Fällt diese Steuer auf das europäische Mindestmaß von 0,1 Cent pro Kilowattstunde, sinkt der Arbeitspreis unter Berücksichtigung der Mehrwertsteuer um rund 2,32 Cent. Der durchschnittliche Strompreis läge demnach künftig bei 32,04 Cent pro Kilowattstunde.

Wie stark sich der Schritt im Portemonnaie bemerkbar macht, hängt vom Verbrauch ab:
- Ein Single-Haushalt mit einem Verbrauch von 1.500 Kilowattstunden spart laut Verivox rund 35 Euro im Jahr.
- Ein Paar-Haushalt mit 2.800 Kilowattstunden verzeichnet ein Ersparnispotenzial von rund 65 Euro.
- Ein Dreipersonenhaushalt mit 4.000 Kilowattstunden spart etwa 93 Euro, womit die jährlichen Gesamtkosten von circa 1.375 Euro auf etwa 1.282 Euro sinken würden.

Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft bestätigen dieses Einsparpotenzial von 93 Euro pro Jahr für eine vierköpfige Familie bei einem Verbrauch von 4.000 Kilowattstunden.

Berechnungen des Portals StromAuskunft verdeutlichen zudem Vorteile für Haushalte mit Wärmepumpen oder Elektrofahrzeugen: Bei einer Familie mit 4.500 Kilowattstunden Strombedarf, Wärmepumpe und E-Auto summiere sich die Entlastung bei 12.000 Kilowattstunden Gesamtverbrauch auf bis zu 278 Euro jährlich.

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Die geplante Senkung der Stromsteuer auf den EU-Mindestsatz würde Privathaushalte um rund 3 Milliarden Euro pro Jahr entlasten — bei einem Drei-Personen-Haushalt mit 4.000 Kilowattstunden entspricht das etwa 93 Euro. Ob und wann die Entlastung kommt, ist allerdings noch offen: Die Finanzierung ist innerhalb der Koalition umstritten. Unser kostenloser Report zeigt Ihnen, mit welcher Ersparnis Sie nach Haushaltsgröße rechnen können und worauf Sie beim Anbieterwechsel achten sollten. Kostenlosen Stromkosten-Report anfordern

Energieexperten betonen jedoch, entscheidend sei letztlich, ob diese Entlastungen von den Versorgern tatsächlich vollständig an die Endkunden weitergegeben werden.

Finanzierung und Koalitionsstreit belasten die Umsetzung

Das Bundesfinanzministerium beziffert die Gesamtkosten einer Ausweitung der Steuersenkung auf alle Verbraucher und Betriebe auf rund 5,4 Milliarden Euro pro Jahr. Für das produzierende Gewerbe sowie die Land- und Forstwirtschaft gilt der Mindestsatz laut Branchenverband BDEW bereits seit Jahresbeginn; davon profitieren mehr als 600.000 Betriebe, wofür der Bund jährlich bereits etwa 3 Milliarden Euro aufwendet.

Der Koalitionsvertrag zwischen Union und SPD sieht eigentlich eine dauerhafte Senkung der Energiepreise um mindestens 5 Cent pro Kilowattstunde und die Reduzierung der Stromsteuer als Ersatz für das Klimageld vor.

Bundeskanzler Merz will die Maßnahme über Haushaltsspielräume finanzieren, sobald sich das Wirtschaftswachstum verfestige. Der Kanzler rechnete vor, dass ein Prozent Wachstum Mehreinnahmen von 10 Milliarden Euro bringe, davon 5 Milliarden Euro für den Bund.

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Energieexperten weisen darauf hin: Entscheidend ist, ob die Entlastung aus einer möglichen Stromsteuer-Senkung tatsächlich vollständig bei den Endkunden ankommt. Wer heute seinen Stromvertrag prüft, kann unabhängig von der politischen Einigung bares Geld sichern. Unser kostenloser Report liefert Ihnen eine Schritt-für-Schritt-Checkliste für den Anbieterwechsel und eine Übersicht, welche Entlastungen bereits gelten und welche noch geplant sind. Checkliste Stromanbieter-Wechsel jetzt sichern

Bundesfinanzminister Lars Klingbeil meldete jedoch deutliche Zweifel an. Mit Verweis auf die angespannte Haushaltslage und den noch nicht beschlossenen Haushalt 2027 erklärte der Minister, er könne nicht bestätigen, dass sich eine dauerhafte Senkung auf diesem Weg stemmen lasse.

Während Wirtschaftsverbände wie der DIHK die Entlastung als überfällig bezeichnen, kritisiert die Opposition ebenso wie kommunale Verbände die Koppelung der Entlastung an künftige Wachstumszahlen.

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