Stuhltest, Kurzes

Stuhltest im Alter: Kurzes Training bringt 4,2 Wiederholungen mehr in zwölf Wochen

Veröffentlicht am: 11.10.2026 um 17:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Langzeitdaten und klinische Studien verbinden regelmĂ€ĂŸige AktivitĂ€t mit geringerem Hypertonierisiko, langsamerer biologischer Alterung und besserer MobilitĂ€t.

Gesund altern: Studien zeigen, wie Bewegung MobilitĂ€t und GefĂ€ĂŸe stĂ€rkt
Ein von BÀumen gesÀumter Waldweg in einem Park bei sonnigem Wetter, der zum Spazierengehen und zur Bewegung einlÀdt. Illustration mit AI erstellt.

Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen beleuchten grundlegende Faktoren fĂŒr ein gesundes Altern und den dauerhaften Erhalt der körperlichen MobilitĂ€t. Langzeitbeobachtungen und klinische Studien verdeutlichen dabei zunehmend, wie gezielte Bewegungsmuster, Muskelkraft und Lebensstilfaktoren das biologische Altern und das Auftreten chronischer Erkrankungen beeinflussen.

Langzeitdaten zu körperlicher AktivitÀt und kardiovaskulÀren Risiken

Langzeitstudien liefern detaillierte Einblicke in den Alterungsprozess. Am Albertinen Haus in Hamburg-Schnelsen stellte die Studienleiterin Dr. Ulrike Dapp Ergebnisse einer 25-jĂ€hrigen Langzeitstudie zum Altwerden vor, in deren Rahmen unter anderem die Teilnehmerin Charlotte von TrĂŒmbach-Koppenburg ĂŒber ein Vierteljahrhundert hinweg begleitet wurde.

Welche Rolle kontinuierliche Bewegung fĂŒr die GefĂ€ĂŸgesundheit spielt, belegt eine im American Journal of Preventive Medicine veröffentlichte Untersuchung der University of California, San Francisco (UCSF). Das Team um Erstautor Jason Nagata und die Epidemiologin Kirsten Bibbins-Domingo begleitete ĂŒber 5.100 Erwachsene aus vier US-StĂ€dten ĂŒber einen Zeitraum von 30 Jahren.

Zwischen dem 18. und 40. Lebensjahr ging die körperliche AktivitĂ€t in allen Gruppen zurĂŒck, wĂ€hrend die Raten von Hypertonie kontinuierlich anstiegen. Laut Daten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) weist mehr als jeder vierte Mann und etwa jede fĂŒnfte Frau Bluthochdruck auf.

In der UCSF-Untersuchung senkte ein Umfang von fĂŒnf Stunden moderatem Training pro Woche im frĂŒhen Erwachsenenalter – das Doppelte der gĂ€ngigen Empfehlungen – das Hypertonie-Risiko spĂŒrbar, insbesondere wenn dieses Niveau bis zum 60. Lebensjahr beibehalten wurde. Dabei zeigten sich deutliche demografische Unterschiede: Mit 60 Jahren litten 80 bis 90 Prozent der Schwarzen MĂ€nner und Frauen an Hypertonie, verglichen mit knapp unter 70 Prozent bei weißen MĂ€nnern und etwa der HĂ€lfte bei weißen Frauen. Schwarze Frauen wiesen bereits im Alter von 45 Jahren höhere Hypertonie-Raten auf als weiße MĂ€nner.

Epigenetische Marker und zellulÀre Anpassung

Neben kardiovaskulĂ€ren Kennzahlen rĂŒckt die biologische Alterung auf zellulĂ€rer Ebene in den Fokus. Eine randomisierte Studie mit BrustkrebsĂŒberlebenden untersuchte die Effekte eines einjĂ€hrigen Remote-Trainingsprogramms im Vergleich zu einer Kontrollgruppe mit einem reinen Wellnessprogramm.

Anhand von Blutproben zeigte sich, dass die Trainingsgruppe bei den epigenetischen Uhren GrimAge2 und DNAmFitAge biologisch langsamer alterte. Personen mit schnellerer biologischer Alterung schnitten zudem bei kognitiven Aufmerksamkeitsaufgaben schlechter ab. Eine genomweite SekundÀranalyse identifizierte verÀnderte Methylierungsstellen in Genen der Signalgebung des Wachstumsfaktors BDNF.

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Auf dem Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft fĂŒr Gerontologie und Geriatrie (DGGG) in Frankfurt am Main mit rund 1.200 Teilnehmenden ordnete Brian Kennedy, Direktor des Centre for Healthy Longevity an der National University of Singapore, derartige Marker ein. Er betonte, dass Biomarker wie Proteine, Stoffwechselwerte und epigenetische Profile zwar wichtige Indikatoren darstellten, ein errechnetes biologisches Alter von 55 statt 62 Jahren jedoch nicht gleichbedeutend mit sieben Jahren verlangsamtem Altern sei.

DGGG-KongressprĂ€sident Hans-Werner Wahl unterstrich, der wissenschaftliche Fokus mĂŒsse vorrangig auf Gesundheit, SelbststĂ€ndigkeit und LebensqualitĂ€t statt auf reiner Lebensdauer liegen.

Kraftmessung und funktionelle MobilitÀt im Alter

Wie eng motorische FĂ€higkeiten mit der Lebenserwartung verknĂŒpft sind, demonstriert die Objective Physical Activity and Cardiovascular Health study. Eine höhere HandgriffstĂ€rke ging mit einem signifikant geringeren Sterberisiko einher; das oberste Leistungsviertel wies eine Hazard Ratio (HR) von 0,67 gegenĂŒber dem schwĂ€chsten Quartil auf.

Ähnliches galt fĂŒr die Zeit beim Aufstehen von einem Stuhl, bei der das schnellste Quartil eine HR von 0,63 erreichte. Dieser Zusammenhang blieb auch nach BerĂŒcksichtigung von Gehgeschwindigkeit, Sitzdauer und EntzĂŒndungsmarkern bestehen.

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Zur praktischen Umsetzung belegt eine Meta-Analyse aus 102 Studien mit 4.754 Ă€lteren Erwachsenen mit einem Durchschnittsalter von 70 Jahren, dass gezieltes Körpergewichtstraining zu KraftzuwĂ€chsen fĂŒhrt, die denen von Training mit freien Gewichten oder GerĂ€ten nicht nachstehen.

Eine Untersuchung der Penn State University in der Fachzeitschrift PLOS One zeigte zudem, dass bei 97 zuvor inaktiven Senioren mit Gehschwierigkeiten bereits ein vierminĂŒtiges tĂ€gliches Kurzprogramm ĂŒber zwölf Wochen die MobilitĂ€t verbesserte: Die Teilnehmenden schafften beim 30-Sekunden-Stuhltest durchschnittlich 4,2 Wiederholungen mehr als die Kontrollgruppe.

Vor dem Hintergrund eines wachsenden Marktes fĂŒr Langlebigkeitsprodukte, bei dem laut McKinsey bis zu 60 Prozent der befragten Konsumenten gesundem Altern eine hohe PrioritĂ€t einrĂ€umen, mahnen Fachleute zur wissenschaftlichen Differenzierung.

Die Alternsforscherin Susanne Wurm von der UniversitĂ€t Greifswald hebt hervor, dass regelmĂ€ĂŸige körperliche AktivitĂ€t und der Verzicht auf Tabak wissenschaftlich am besten belegt seien, wĂ€hrend Substanzen wie Metformin oder Rapamycin hinsichtlich ihrer langfristigen Wirkung auf das menschliche Altern noch unzureichend erforscht sind.

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