Sturzprävention: 1,7 Milliarden Euro jährlich durch bessere Prävention sparen
28.05.2026 - 05:12:07 | boerse-global.dePrävention statt Reparatur: Die Diakonie verlangt von der Regierung ein Umdenken in der Altenpflege. Millionen ließen sich sparen, wenn Stürze und Medikamentenirrtümer systematisch verhindert würden.
Die Organisation schlägt Alarm: Sturzprävention, regelmäßige Medikamentenchecks und ein besser organisiertes Entlassungsmanagement aus Krankenhäusern müssten endlich Priorität bekommen. „Wir dürfen nicht länger nur reagieren, wenn es zu spät ist“, sagte Diakonie-Direktorin Maria Katharina Moser am heutigen Donnerstag. Das Prinzip müsse lauten: Vorbeugen ist besser als heilen.
Besonders im Alter ist der Erhalt der geistigen Klarheit entscheidend, um den Alltag sicher zu bewältigen und Risiken wie Orientierungslosigkeit zu minimieren. Wie Sie Ihre Konzentration und Gedächtnisleistung mit einfachen Übungen nachhaltig stärken, erfahren Sie in diesem kostenlosen Ratgeber. 11 Alltagsübungen für geistige Fitness jetzt gratis sichern
Die Milliarden-Lücke der Vernachlässigung
Die Rechnung ist erschreckend einfach. Berechnungen des Hilfswerks zufolge verursacht mangelnde Sturzprävention jährlich Kosten von 1,7 Milliarden Euro. Allein die Vermeidung von Delirien im Krankenhaus – also akuten Verwirrtheitszuständen älterer Patienten – könnte die Pflege um geschätzte 90 Millionen Euro entlasten.
Doch das Problem geht weit über Stürze hinaus. Internationale Studien belegen das Ausmaß von Medikationsfehlern. In Frankreich etwa sterben jährlich rund 2.760 Menschen an den Folgen falscher Arzneimittelanwendung. 210.000 Krankenhauseinweisungen gehen darauf zurück – das sind 8,5 Prozent aller stationären Aufnahmen. Besonders tückisch: Alltagsmedikamente wie Paracetamol und Ibuprofen sind häufig die Übeltäter. Paracetamol gilt als eine der Hauptursachen für Lebertransplantationen, Ibuprofen kann in Überdosierung zu Nierenversagen und Magengeschwüren führen.
Wenn die Pillenflut zur Gefahr wird
Besonders betroffen sind ältere Menschen. Polypharmazie – die gleichzeitige Einnahme von fünf oder mehr Medikamenten – ist bei Senioren trauriger Standard. Professor Denkinger von der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie erklärte kürzlich in einem Podcast, dass geriatrische Patienten im Schnitt neun bis ohne zehn Dauermedikamente einnehmen. Die Folge: steigendes Sturzrisiko, Verwirrtheit und gefährliche Wechselwirkungen.
Die Lösung heißt Deprescribing – das strukturierte Absetzen überflüssiger Arzneien. Spezielle Algorithmen wie die FORTA-, Priscus- oder STOPP/START-Listen helfen Ärzten dabei, unnötige Verordnungen zu identifizieren. Ziel ist ein Dialog zwischen Arzt und Patient, bei dem regelmäßig geprüft wird: Brauche ich das wirklich noch?
Um gefährliche Wechselwirkungen und Stürze durch falsche Medikation zu vermeiden, sollten Senioren ihre Wirkstoffe genau prüfen. Der kostenlose PDF-Ratgeber zur Priscus-Liste zeigt Ihnen über 180 riskante Medikamente und nennt sichere Alternativen für ein gesundes Altern. Kostenlosen Ratgeber zur Priscus-Liste hier herunterladen
Auch in der Krebstherapie wird das Problem sichtbar. Eine dänische Studie bei über 70-Jährigen ergab: 46 Prozent der Patienten nahmen bereits vor ihrer Krebsdiagnose mindestens fünf Medikamente ein. Experten warnen: Ohne Reduktion dieser Last sind Therapieerfolge gefährdet.
Lichtblicke und neue Risiken
Es gibt auch gute Nachrichten. In Deutschland sank die Zahl der Antibiotika-Verordnungen 2025 um 11,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr – auf 27 Millionen Rezepte. Damit liegt die Bundesrepublik erstmals seit der Pandemie wieder unter dem Niveau von 2019 und zählt zu den EU-Ländern mit dem niedrigsten ambulanten Antibiotikaverbrauch.
Doch während die einen Medikamente seltener verschrieben werden, greifen andere zu Nahrungsergänzungsmitteln – und übertreiben es gewaltig. Toxikologen warnten heute vor exzessiver Supplement-Einnahme. Ein prominenter Fall mit 35 täglichen Präparaten sorgt für Aufsehen. „Es gibt kein medizinisches Szenario, in dem eine solche Menge sinnvoll ist“, erklärte Dr. Georg Aichinger von der ETH Zürich. Die Gefahr von Überdosierung und Leberschäden sei real – selbst bei pflanzlichen Mitteln.
Digitalisierung und neue Therapieoptionen
Seit dem 1. Januar 2024 ist das E-Rezept für gesetzlich Versicherte in Deutschland Pflicht. Rezepte lassen sich per App, Gesundheitskarte oder QR-Code einlösen – ein Besuch in der Praxis nur für ein Rezept entfällt.
Und auch bei den Medikamenten selbst tut sich etwas. Die europäische Arzneimittelagentur EMA empfiehlt eine Zulassungserweiterung für das Abnehm-Medikament Wegovy als Tablette. In einer 64-wöchigen Studie zeigte die 25-mg-Dosis einen Gewichtsverlust von 13,61 Prozent – gegenüber 2,18 Prozent in der Placebogruppe. Parallel deuten Forschungsergebnisse darauf hin, dass auch reduzierte Dosen anderer Adipositas-Medikamente wie Tirzepatid wirksam sein könnten – bei geringeren Kosten und Nebenwirkungen.
So schätzen die Börsenprofis Aktien ein!
Für. Immer. Kostenlos.
