SturzprĂ€vention im Alter: Training schĂŒtzt besser als Haltegriffe allein
Veröffentlicht am: 29.10.2026 um 15:39 Uhr | Redaktion boerse-global.deEin gezieltes und umfassendes Rehabilitationstraining bietet im Alter einen besseren Schutz vor StĂŒrzen als das ausschlieĂliche Vertrauen auf passive Sicherheitsvorkehrungen.
Wie die chinesische Staatliche Krankheitskontrollbehörde laut einem Bericht des Portals beijing.gov.cn hervorhebt, reicht die bloĂe Installation von Haltegriffen oder das Tragen von rutschfestem Schuhwerk nicht aus, um die Sturzgefahr nachhaltig zu verringern. Körperliche AktivitĂ€t und gezieltes Training seien demnach entscheidend, um MobilitĂ€t und StabilitĂ€t langfristig zu erhalten.
Internationale Leitlinien und strukturierte Programme
Das Risiko von StĂŒrzen ist weltweit ein zentrales Thema der Altersgesundheit. Nach Angaben der US-Gesundheitsbehörde CDC stellen StĂŒrze die fĂŒhrende Ursache fĂŒr Verletzungen und verletzungsbedingte TodesfĂ€lle bei Menschen ab 65 Jahren dar. Um das individuelle Risiko einzuschĂ€tzen, setzt die Behörde unter anderem auf standardisierte Verfahren wie den 30-Sekunden-Aufsteh-Test.
Auch andere GesundheitstrĂ€ger setzen verstĂ€rkt auf aktive Vorbeugung. Die Ăsterreichische Gesundheitskasse bietet im Rahmen des Programms âTrittsicher & aktivâ kostenlose VortrĂ€ge und Kurse fĂŒr Personen ab 65 Jahren an.
Die Kasse sieht regelmĂ€Ăiges Kraft- und Gleichgewichtstraining als die wirksamste MaĂnahme an und verweist zudem auf die Notwendigkeit, bestehende Medikationen regelmĂ€Ăig Ă€rztlich kontrollieren zu lassen.
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In Amsterdam richtet sich das 13-wöchige Projekt âLaat je niet vallenâ mit zwei Einheiten pro Woche an selbststĂ€ndig wohnende Seniorinnen und Senioren, um Muskelkraft, Balance und sicheres Wohnen zu schulen. FĂŒr das Projekt steht allerdings ab 2027 nur noch das halbe Budget zur VerfĂŒgung.
Internationale Leitlinien empfehlen fĂŒr einen messbaren Effekt ein Kraft-, Gleichgewichts- und Funktionstraining an mindestens drei Tagen in der Woche ĂŒber eine Dauer von mindestens zwölf Wochen. Eine einzelne isolierte Ăbung könne die Vermeidung von StĂŒrzen hingegen nicht garantieren.
Praktische AnsÀtze zur StÀrkung von Kraft und Balance
Fachleute betonen, dass alltĂ€gliches Spazierengehen allein fĂŒr den Erhalt von Muskel- und Knochensubstanz meist nicht genĂŒgt, da der mechanische Reiz zu gleichmĂ€Ăig ausfĂ€llt. Um Knochen und Muskulatur gezielt anzusprechen, seien stĂ€rkere Trainingsreize erforderlich.
Der Gesundheitsdienstleister Sanitas empfiehlt nach vorheriger fachlicher AbklĂ€rung Ăbungen wie das Aufstehen von einem Stuhl, Fersen- und Zehenheben, Gluteus-BrĂŒcken sowie den Einsatz von elastischen BĂ€ndern, jeweils ergĂ€nzt durch kurze AufwĂ€rm- und AbkĂŒhlphasen.
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Physiotherapeuten weisen darauf hin, dass Gleichgewichtsverlust keineswegs eine unvermeidbare Folge des Alterns darstellt. Unsicherheiten beim Gehen im Dunkeln, kĂŒrzere Schritte oder das AbstĂŒtzen an Möbeln gelten als Warnsignale.
Zur Orientierung können einfache Tests wie der funktionelle Reichweitentest oder das Halten des Tandemstands dienen. ErgĂ€nzend raten Therapeuten zu Gewichtsverlagerungen im Sitzen oder Stehen sowie zu kontrollierten Ausfallschritten, die sich fĂŒr Erwachsene ab 55 Jahren eignen und zunĂ€chst ohne Zusatzgewichte ausgefĂŒhrt werden sollten.
Wissenschaftliche Einordnung geriatrischer MaĂnahmen
Michael Denkinger, PrĂ€sident der Deutschen Gesellschaft fĂŒr Geriatrie, verweist auf wissenschaftlich gesicherte Grundlagen fĂŒr ein gesundes Altern. Neben einer ausgewogenen ErnĂ€hrung, dem Verzicht auf das Rauchen und einem moderaten Alkoholkonsum spiele regelmĂ€Ăige Bewegung mit Ausdauer- und Krafteinheiten fĂŒr die Beine eine tragende Rolle.
GroĂe Untersuchungen an funktionell eingeschrĂ€nkten Menschen im Alter von 70 bis 89 Jahren belegen, dass strukturierte Bewegungsprogramme die SelbststĂ€ndigkeit im Alltag bewahren können.
Denkinger stellt zugleich klar, dass fĂŒr viele im Handel angebotene VerjĂŒngungsprĂ€parate, hochdosierte Vitamine oder experimentelle Peptide keine belastbaren Nachweise fĂŒr eine lebensverlĂ€ngernde Wirkung beim Menschen existieren. Die StĂ€rkung des eigenen Bewegungsapparats bleibe daher die verlĂ€sslichste Strategie.
