Sturzprävention: Kraft- und Balancetraining senkt die Sturzrate um 34 Prozent
Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 15:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Mit dem Beginn der Herbstmonate rücken spezifische Sicherheitsrisiken für ältere Menschen verstärkt in den Fokus der medizinischen Fachgesellschaften.
Die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) weist in aktuellen Stellungnahmen darauf hin, dass die Kombination aus Nässe, früh einsetzender Dunkelheit und herabfallendem Laub die Gefahr von Stürzen im öffentlichen Raum erheblich steigert.
Insbesondere nasses Laub auf Gehwegen wird in seiner Wirkung mit Schmierseife verglichen und kann demnach bei Senioren zu schweren Verletzungen führen.
Saisonale Gefahrenquellen und klinische Statistiken
Die Relevanz einer effektiven Sturzprävention wird durch Daten aus dem TraumaRegister DGU unterstrichen. Diesen zufolge stellen Stürze aus geringer Höhe bei Personen über 80 Jahren die häufigste Ursache für schwere Verletzungen dar.
Jährlich werden etwa 25.000 schwer verletzte Unfallopfer erfasst, die lebend eine an der Statistik teilnehmende Klinik erreichen. Als besonders folgenschwer gelten in diesem Zusammenhang Oberschenkelhalsbrüche sowie schwere Kopfverletzungen.
Ein aktuelles Beispiel für die Schwere solcher Vorfälle ereignete sich am 22. September 2026 in Berlin-Mitte, als eine 84-jährige Frau in einem anfahrenden Linienbus stürzte und lebensgefährliche Kopfverletzungen erlitt. Am selben Tag verunglückte eine 83-jährige Wanderin im Stubaital, als sie auf einem Rundwanderweg rund 25 Meter tief stürzte und in die Universitätsklinik Innsbruck eingeliefert werden musste.
Evidenzbasierte Vorsorge: Was Studien zur Sturzprophylaxe zeigen
Wissenschaftliche Analysen belegen die Wirksamkeit gezielter Präventionsmaßnahmen. Ein Cochrane-Review aus dem Jahr 2023 zeigt auf, dass die systematische Beseitigung von Gefahrenquellen im Wohnumfeld bei älteren Menschen mit erhöhtem Sturzrisiko die Zahl der Unfälle um 38 % senken kann.
Ergänzend dazu deuten Forschungsergebnisse darauf hin, dass ein kombiniertes Kraft- und Balancetraining bei zu Hause lebenden Senioren die Sturzrate um 34 % reduzieren kann. Die Anzahl der Personen, die mindestens einen Sturz erleiden, verringere sich durch solche Trainingsprogramme um 22 %. Die DGOU empfiehlt daher explizit Übungen zur Förderung von Kraft, Gleichgewicht und Koordination, um die körperliche Resilienz zu stärken.
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Praktische Maßnahmen im Wohnumfeld und im Alltag
Neben körperlichem Training spielen technische und bauliche Anpassungen eine zentrale Rolle. Der Fachbereich Duschkabinenbau (HSK) betont die Bedeutung einer vorausschauenden, barrierefreien Badplanung.
Eine Teilsanierung, etwa durch den Einbau bodengleicher Duschen mit rutschhemmenden Oberflächen und Haltegriffen, lasse sich oft innerhalb von zwei Tagen realisieren. Für solche Maßnahmen stehen Fördermittel über die KfW oder die Pflegekassen zur Verfügung.
Zudem wird der Einsatz von Hilfsmitteln zur schnellen Notfallversorgung empfohlen. Die Johanniter Nordbrandenburg bieten im Rahmen von Sicherheitswochen bis zum 2. November 2026 die Möglichkeit, Hausnotrufsysteme kostenlos zu testen. Diese Geräte verfügen teilweise über GPS-Funktionen und wasserfeste Notrufknöpfe, um auch in kritischen Situationen, wie etwa beim Duschen, Hilfe anfordern zu können.
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Gezielte Trainingsprogramme zur Förderung der Mobilität
Um die Sicherheit im öffentlichen Raum zu erhöhen, setzen Institutionen auf praktische Schulungen. Am 22. September 2026 führten die BG Klinik Tübingen und das Verkehrsunternehmen TüBus ein gemeinsames Training durch, bei dem Patienten den sicheren Umgang mit Rollstühlen beim Ein- und Ausstieg im Linienbus übten. Solche Kooperationen sollen künftig verstetigt werden.
Auch der Umgang mit Rollatoren wird in speziellen Informationsveranstaltungen thematisiert, wie zuletzt Mitte September in Frankenthal-Flomersheim. Weitere Angebote zur Sturzprophylaxe sind geplant: So initiiert die Stadt Offenbach an der Queich für den 5. Oktober 2026 einen Spaziergang für Senioren, bei dem gezielte Balanceübungen in den Ablauf integriert werden.
Fachleute raten zudem dazu, regelmäßige ärztliche Kontrollen der Sehkraft und der Medikation durchzuführen. Medikamente, die Schwindel auslösen können, sollten jedoch nie ohne Rücksprache mit einem Arzt eigenständig abgesetzt oder verändert werden. Gut sitzendes Schuhwerk mit rutschhemmenden Sohlen sowie eine ausreichende Beleuchtung der Gehwege vervollständigen das Spektrum der präventiven Maßnahmen.
