Südkorea: 149 Physical-AI-Startups in neuer Bestandsaufnahme
Veröffentlicht am: 29.07.2026 um 12:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die südkoreanische Startup Alliance hat die „2026 Physical AI Startup Map“ veröffentlicht und damit eine detaillierte Bestandsaufnahme des inländischen Sektors für physische Künstliche Intelligenz vorgelegt. Die Erhebung identifiziert insgesamt 149 Startups, die in diesem Hochtechnologiesektor tätig sind. Der Bericht verdeutlicht die zunehmende Spezialisierung innerhalb der Branche und unterstreicht Südkoreas Ambitionen, seine weltweit führende Position bei der Roboterdichte in der industriellen Fertigung weiter auszubauen.
Struktur des Marktes und Investitionstrends
Die Verteilung der 149 erfassten Unternehmen zeigt einen deutlichen Schwerpunkt im Bereich der Robotik. Insgesamt 70 Startups, was einem Anteil von 47 Prozent entspricht, widmen sich primär der Roboterentwicklung. Weitere Segmente der Startup-Landkarte umfassen 28 Unternehmen im Bereich KI- und Software-Plattformen, 27 Startups mit Fokus auf autonomes Fahren sowie 24 Akteure im Sektor Drohnen und Urban Air Mobility (UAM).
Diese technologische Entwicklung wird von einer massiven Verschiebung der Kapitalströme begleitet. Der Anteil von KI-Investitionen im südkoreanischen Venture-Markt stieg von 9,4 Prozent im Jahr 2022 auf 23,6 Prozent im Jahr 2025 an. Im ersten Halbjahr 2026 erreichten die kumulierten Investitionen ein Volumen von 7,80 Billionen Won und übertrafen damit bereits nach sechs Monaten den Gesamtwert des Vorjahres, der bei 6,93 Billionen Won lag. Besonders deutlich zeigt sich das Wachstum bei KI- und Robotik-Deals: Mit 169 Transaktionen und einem Volumen von 2,68 Billionen Won verzeichnete dieser Bereich ein Plus von 485,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.
Zu den herausragenden Finanzierungsrunden des laufenden Jahres zählen die Investitionen in Holiday Robotics mit 150 Milliarden Won sowie in Uirobotics mit 95 Milliarden Won. Auch internationale Akteure verstärken ihr Engagement: Nvidia hat sich zu einer Investition von 1 Milliarde US-Dollar (entspricht 1,46 Billionen Won) für Naver verpflichtet, während Shandong High-Speed plant, bis zu 1 Billion Won in inländische Projekte für erneuerbare Energien und KI zu investieren.
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Staatliche Megaprojekte und technologische Durchbrüche
Die südkoreanische Regierung flankiert dieses Wachstum mit umfangreichen Fördermaßnahmen. Der stellvertretende Premierminister Bae Kyung-hoon kündigte am 29. Juli im Rahmen des „2026 Korea AI Innovation Talent Connect“ drei Megaprojekte an. Diese umfassen die Bereiche KI-Halbleiter, KI-Rechenzentren und Physical AI mit einem Gesamtwert von 4,5 Billiarden Won. Ziel sei es, die Talententwicklung und die Kooperation zwischen Industrie und Wissenschaft zu intensivieren.
Ein Beispiel für den Technologietransfer aus der Forschung ist das Unternehmen Angel Robotics. Dessen Aktie verzeichnete einen Anstieg um 29,87 Prozent auf 20.650 Won, nachdem die Massenproduktion des Aktuatormoduls „phact“ angekündigt wurde. Die Technologie wurde von Professor Kyoungchul Kong vom KAIST entwickelt und integriert unter anderem eine aktive Reibungskompensation (Active Friction Canceling). Die ersten 100 Einheiten sollen über das Korea Institute for Robot Industry Advancement kostenlos an inländische Forschungseinrichtungen abgegeben werden.
Parallel dazu treibt Posco DX eine zweigleisige KI-Strategie voran. Diese umfasst einerseits Physical AI für den Einsatz in Stahlwerken – etwa bei der Entschlackung oder dem Transport von 65-Tonnen-Stahlteilen – und andererseits agentische KI für die Büroautomatisierung. Ein für die Buchhaltung entwickelter KI-Agent konnte die Zeit für monatliche Risikoprüfungen von drei Stunden auf eine Minute reduzieren.
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Kommerzialisierung und globale Marktpräsenz
Auch im Bereich der Servicerobotik zeigen sich deutliche Wachstumszahlen. Pudu Robotics meldete für das Jahr 2025 eine Leistungssteigerung von über 100 Prozent und lieferte bisher weltweit mehr als 130.000 Einheiten in 85 Länder aus. Das Unternehmen beansprucht damit weltweit Platz eins bei Umsatz und Auslieferungen kommerzieller Serviceroboter.
Andere Akteure wie DeepRobotics konnten im Jahr 2025 einen Nettogewinn von 28,68 Millionen Yuan bei einer Bruttomarge von 52,83 Prozent erzielen. Gleichzeitig bleibt die Forschungsintensität hoch, was eine F&E-Kostenquote von 24,98 Prozent belegt. Kleinere spezialisierte Anbieter wie AI² Robotics berichten ebenfalls von profitablen Modellen; deren Getränkeroboter generieren monatlich Umsätze von bis zu 200.000 Yuan.
Um die Brücke zwischen Forschung und Marktreife weiter zu stärken, unterzeichneten das Korea Robotics and Technology Institute (KIRO) und das KAIST Global Technology Business Incubation Center Ende Juli eine Absichtserklärung. Ziel ist die Schaffung eines Rahmens, der Technologiedemonstrationen unmittelbar mit Kommerzialisierungsstrategien verbindet. Ergänzt wird diese Entwicklung durch neue Lernansätze wie die „Robot Academy“-Plattform des Startups Robai, das kürzlich eine Seed-Finanzierung für seine KI-Selbsterforschungstechnologie sicherte.
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