Südkorea, Milliarden

Südkorea: 540 Milliarden Euro für Halbleiter und Physical AI

Veröffentlicht: 14.07.2026 um 21:04 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Südkorea investiert Billionen Won in Halbleiter und KI-Rechenzentren, um im globalen Wettlauf um Physical AI aufzuschließen.

Südkorea startet Milliarden-Offensive für KI und Robotik
Eine humanoide Roboterhand interagiert mit einer holografischen Leiterplatte, die KI, Robotik und Halbleiterinnovation in Südkorea symbolisiert. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Seoul will mit massiven Staatsmilliarden und NVIDIA-Partnerschaften zur globalen Spitze in der „Physical AI" aufschließen. Die Halbleiter-Offensive ist gigantisch.

Die südkoreanische Regierung hat gemeinsam mit heimischen Tech-Konzernen ein ambitioniertes Programm gestartet, um sich im globalen Wettlauf um Künstliche Intelligenz und Robotik eine Spitzenposition zu sichern. Am heutigen Dienstag präsentierte das Wirtschaftsministerium die Wachstumsstrategie für das zweite Halbjahr 2026 – mit Investitionen in Billionenhöhe.

Rekordinvestitionen in Chips und Rechenzentren

Das Herzstück des Plans: Rund 800 Billionen Won (etwa 540 Milliarden Euro) fließen in den Bau von fünf neuen Halbleiterfabriken. Ziel ist es, die Produktionskapazität für Speicherchips innerhalb von fünf Jahren zu verdoppeln. Parallel dazu stellt die Regierung 550 Billionen Won (rund 370 Milliarden Euro) bereit, um bis 2029 eine KI-Rechenzentrumskapazität von 8,4 Gigawatt aufzubauen. Bis 2035 soll diese auf 18,4 GW steigen.

Handelsminister Kim Jungkwan beschrieb die Lage am Montag mit drastischen Worten: Der Wettbewerb bei Halbleitern und KI-Robotik sei ein „Rennen ums nationale Überleben". Südkorea will bis 2028 zehn branchenspezifische Roboter entwickeln und tausend Einheiten in der heimischen Fertigung einsetzen. Die neue Strategie baut auf einem bereits Ende Juni angekündigten Investitionsrahmen von umgerechnet rund 600 Milliarden Euro für Chips und KI auf.

NVIDIA baut Präsenz in Südkorea aus

Der US-Chipriese NVIDIA vertieft seine Zusammenarbeit mit der koreanischen Industrie rasant. Schon Anfang Juni reiste CEO Jensen Huang für vier Tage nach Seoul, um über Lieferketten für High-Bandwidth-Speicher (HBM) und Physical-AI-Strategien zu sprechen. Dabei stellte er auch neue Produkte wie die Plattform Vera Rubin vor.

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Am heutigen Dienstag gab das koreanische Startup RLWRLD eine Partnerschaft mit NVIDIA bekannt. Gemeinsam wollen sie KI-Standards für humanoide Roboter entwickeln – auf Basis des Foundation-Modells RLDX-1. Erste Ergebnisse werden für das dritte Quartal 2026 erwartet. Bereits am Montag waren Gespräche zwischen NVIDIA und LG Electronics über humanoide Robotik bekannt geworden. Der Markt für Physical AI soll bis 2032 auf umgerechnet rund 14 Milliarden Euro wachsen.

Auch die Autoindustrie ist betroffen: Bereits im März weiteten Hyundai Motor und Kia ihre strategische Partnerschaft mit NVIDIA aus. Sie integrieren die Plattform NVIDIA DRIVE Hyperion für autonomes Fahren der Stufen 2 bis 4.

„AI for All": Rechenpower für heimische Firmen

Das Wissenschaftsministerium startete Anfang Juli das Projekt „AI for All". Es stellt heimischen Unternehmen Hochleistungsrechner zur Verfügung – darunter bis zu 512 NVIDIA B200 GPUs für ausgewählte Bewerber. Zu den Bietern zählen Konzerne wie Kakao und LG Uplus. Sie sollen KI-Agenten für öffentliche Dienstleistungen entwickeln. Bewerbungen sind noch bis zum 11. August möglich.

Ebenfalls am Dienstag fiel der Startschuss für das „Hyper-AI-Network"-Projekt. Das mit 17,2 Milliarden Won (rund 11,6 Millionen Euro) dotierte Vorhaben wird von Konsortien unter Führung von SK Telecom und KT umgesetzt. Ziel ist der Einsatz KI-gesteuerter Funkzugangsnetze (AI-RAN) in Industrieanlagen – etwa in der SK-Incheon-Petrochemie-Raffinerie und den HD-Hyundai-Samho-Werften. Die Netze sollen autonome Transportsysteme, vierbeinige Patrouillenroboter und stromsparende Betriebsmodi für humanoidmaschinen ermöglichen.

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Koreas Robotik-Industrie holt auf

Während der Staat die Weichen stellt, rüsten auch die Unternehmen auf. LG Electronics schrieb kürzlich mehrere Stellen im Bereich Roboter-Aktuatoren aus. Das Ziel: Die Komponenten sollen ab 2027 auch an externe Hersteller geliefert werden.

Die Entwicklungen sind Teil eines größeren Aufholprozesses. Analysten zufolge liegt Südkoreas Marktanteil bei humanoiden Robotern noch deutlich hinter der internationalen Konkurrenz zurück. Doch die jüngsten Zahlen sprechen eine andere Sprache: Im ersten Halbjahr 2026 flossen über 90 Prozent des gesamten Risikokapitals in KI- und Robotik-Startups. Ein klares Signal, dass die Nation den Rückstand nicht länger hinnehmen will.

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