Südkorea, Humanoide

Südkorea erlaubt 20 Humanoide in Fabriken: Robros testet neben Beschäftigten

Veröffentlicht am: 15.10.2026 um 09:43 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Robros darf 20 Humanoide an vier Standorten erproben; regulärer kommerzieller Betrieb ist damit noch nicht genehmigt.
Eine weitläufige, moderne Fabrikhalle mit poliertem Betonboden und industriellen Maschinen im Hintergrund. Illustration mit AI erstellt.

Das südkoreanische Ministerium für Handel, Industrie und Ressourcen hat eine Ausnahmeregelung bewilligt, die den gemeinsamen Einsatz von Mensch und humanoiden Robotern in Fabrikhallen ermöglicht.

Im Rahmen der sechsten Sitzung des Ausschusses für industrielle Konvergenz-Regulierungsausnahmen genehmigte das Ministerium unter Minister Kim Jung-kwan dem Unternehmen Robros den Betrieb von 20 zweibeinigen Robotern im selben Arbeitsbereich wie menschliche Mitarbeiter.

Bisherige Sicherheitsstandards schrieben für Industrieroboter eine feste Verankerung, 1,8 Meter hohe Schutzzäune sowie sensorbasierte Schutzvorrichtungen vor.

Testlauf an vier Industriestandorten

Der testbetrieb des Robotermodells IGRIS-C erfolgt in einer regulatorischen Sandbox und stellt noch keine Genehmigung für den regulären kommerziellen Einsatz dar. Das Arbeitsministerium knüpfte die Freigabe an standortspezifische Risikobewertungen und Schutzmaßnahmen.

Die 20 für das Gesamtprojekt vorgesehenen Einheiten verteilen sich auf vier Einsatzorte: Bei Nepes übernehmen sie im Halbleiter-Backend die Reinigung runder CRS-Bauteile, bei Sungwoo Hitech das Positionieren von Karosserieteilen, bei HD Hyundai Samho das Stapeln von Gerüst- und Strukturhalterungen im Schiffbau und bei Delivery Lab den Transport gekühlter Logistikverpackungen.

Eine offizielle Aufteilung der Stückzahlen auf die einzelnen Standorte wurde nicht bekannt gegeben; bei gleichmäßiger Verteilung entfallen fünf Roboter auf jedes Werk. Starttermin und Testdauer blieben ungenannt.

Das Modell IGRIS-C ist 154 Zentimeter groß, wiegt 56 Kilogramm, verfügt über 43 Freiheitsgrade und wird von einem 48-Volt-Akku mit einer Ladezeit von 2,5 Stunden angetrieben. Das Sicherheitskonzept des Unternehmens setzt auf Selbstbalancierung, Geschwindigkeitsdrosselung bei Annäherung von Personen und einen automatischen Stopp.

Bei einer vollständigen Abschaltung sinkt der Roboter kontrolliert nieder. Ergänzt wird das System durch Kraftbegrenzungen, Kollisionserkennung und Not-Aus-Funktionen. Bislang hat Robros 18 Einheiten des Typs IGRIS-C verkauft und strebt bis zum Jahresende den Bau von mehr als 50 Exemplaren an. Seit Anfang 2026 läuft zudem ein Logistik-Pilotprojekt mit Lotte mit minimaler menschlicher Intervention.

Staatliche Robotik-Strategie gegen Arbeitskräftemangel

Mit der Ausnahme will das Industrieministerium die Transformation der Fertigung durch künstliche Intelligenz vorantreiben. Die im Pilotbetrieb gesammelten Daten sollen als Grundlage für dauerhafte Sicherheitsstandards dienen.

Ergänzend plant die Behörde Cybersicherheitsrichtlinien für Fertigungsstandorte kleiner und mittlerer Unternehmen bis Anfang 2028 sowie einen Normentwurf gegen irreführende KI-Kennzeichnungen bei Haushaltsgeräten bis Ende 2026.

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Die Initiative ist Teil umfassender Industrieziele: Bis 2030 plant die Regierung kumulierte Investitionen von 2,3 Billionen Won (umgerechnet 1,6 Milliarden US-Dollar) in das heimische Humanoiden-Ökosystem, einen Anteil von 80 Prozent an heimischen Kernkomponenten sowie die Beschaffung von 1.080 inländischen Humanoiden.

Bis 2030 strebt Südkorea zudem den Einsatz von 200.000 KI-Robotern an, davon 15.000 im öffentlichen und 185.000 im privaten Sektor. Für das Jahr 2027 sind mehr als 1.700 staatliche Beschaffungen vorgesehen; das Budget für Sensoren, Aktuatoren und Batterien soll 2027 auf 62 Milliarden Won steigen, nach zuvor 11,6 Milliarden Won. Der weltweite Produktionsanteil an Humanoiden soll von aktuell einem Prozent auf 20 Prozent im Jahr 2030 wachsen.

Hintergrund der Automatisierungspläne ist der demografische Wandel. Laut einer Umfrage des Arbeitsministeriums vom Juni 2026 fehlten den Arbeitgebern im verarbeitenden Gewerbe mit Stand April rund 96.000 Arbeitskräfte. Ein OECD-Bericht aus dem Jahr 2025 zeigte zudem, dass 37 Prozent der befragten südkoreanischen KMU in den vorangegangenen zwei Jahren mit Personalmangel konfrontiert waren.

Südkorea verzeichnete 2024 mit 1.220 Industrierobotern pro 10.000 Beschäftigten in der Fertigung die weltweit höchste Roboterdichte. Im Jahr 2025 installierte das Land 30.200 neue Industrieanlagen, verglichen mit 354.200 in China, 38.400 in den USA und 36.200 in Japan.

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Wachsender Wettbewerb und Sicherheitsbedenken

In derselben Sitzung bewilligte das Industrieministerium weitere Pilotprojekte. Maum AI testet autonome vierbeinige Patrouillenroboter auf Gehwegen und in Parks in Cheonan mit Videoübertragung und Gefahrenerkennung. Zudem erproben Sands Lab und das Bundang CHA Hospital eine autonome Sicherheitsplattform in einer Klinikumgebung.

Der globale Wettbewerb bei Fabrik-Humanoiden nimmt parallel zu. Während Samsung den schrittweisen Einsatz humanoider Roboter plant, bereitet Hyundai gemeinsam mit Boston Dynamics den Einsatz von 25.000 Einheiten des Modells Atlas in der US-Produktion ab 2028 vor. Die Gewerkschaft von Hyundai betonte jedoch, dass ohne Vereinbarung kein Roboter die Fertigung betreten werde.

In internationalen Werken laufen bereits Einsätze: Bei BMW in Spartanburg fertigte das Modell Figure 02 über rund zehn Monate hinweg mehr als 90.000 Teile und passierte über 30.000 Fahrzeuge des Modells X3. Shanghai verfolgt das Ziel, bis 2028 rund 8.000 Humanoide in Fabriken zu integrieren. Der chinesische Hersteller UBTech setzte im ersten Halbjahr 2026 bereits 921 Exemplare seines Modells H1 ab.

Angesichts potenzieller Risiken wie Softwarefehlern, Sensorausfällen oder Cyberangriffen rücken Versicherungsmodelle in den Fokus: Der Versicherungsmarkt Lloyd's wählte das Analyseunternehmen Optimizing Technologies in sein Innovationsprogramm, um roboterspezifische Risikobewertungen und Tarifmodelle auf Basis von Echtzeitdaten zu entwickeln.

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