Südkorea, Humanoide

Südkorea erlaubt Humanoide ohne Schutzgitter: 20 Roboter starten Fabriktests

Veröffentlicht am: 14.10.2026 um 08:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

20 Roboter dürfen bei vier Unternehmen erprobt werden; die gewonnenen Erkenntnisse sollen künftige Sicherheitsregeln mitgestalten.

Südkorea erlaubt Robros-Humanoiden Fabriktests ohne Schutzgitter
Eine moderne, weitläufige Industriehalle mit polierten Betonböden und industriellen Produktionsanlagen im Hintergrund. Illustration mit AI erstellt.

In Südkorea dürfen humanoide Roboter künftig ohne trennende Schutzgitter direkt an der Seite von Fabrikarbeitern agieren. Das Ministerium für Handel, Industrie und Energie hat den Praxistest von 20 zweibeinigen, KI-gestützten Humanoiden des einheimischen Start-ups Robros im Rahmen einer regulatorischen Ausnahmegenehmigung bewilligt.

Wie Berichte vom 13. Oktober 2026 zeigen, fiel der Beschluss während des sechsten Treffens des Industrial Convergence Regulatory Sandbox Committee in den Räumen der Industrie- und Handelskammer in Seoul.

Vier Branchen testen die Zusammenarbeit mit Humanoiden

Die Freigabe erstreckt sich auf vier südkoreanische Unternehmen aus unterschiedlichen Wirtschaftssektoren, die das Robotermodell IGRIS-C einsetzen. Beim Halbleiterspezialisten Nepes übernimmt das System im Back-End-Packaging die Reinigung und das Entfernen von Kontaminanten an runden Bauteilen.

Der Automobilzulieferer Sungwoo Hitech setzt die Einheiten für das Positionieren von Karosserieteilen ein, während die Werft HD Hyundai Samho sie zum Stapeln und Verladen von Gerüstbefestigungen an Schiffsrümpfen nutzt. Beim Logistikdienstleister Delivery Lab bewegen und stapeln die Maschinen Kühlverpackungseinheiten.

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Das Robotermodell IGRIS-C ist 154 Zentimeter groß, wiegt 56 Kilogramm und verfügt über 43 Freiheitsgrade – darunter jeweils sieben Freiheiten an den Armen, sechs an Händen und Beinen, drei in der Taille und zwei am Hals.

Als Energiespeicher dient ein 48-Volt-Akku mit einer Kapazität von 17.000 Milliamperestunden bei einer Ladezeit von 2,5 Stunden. Für die Sicherheit im direkten Umfeld sorgen Kraftbegrenzungen, Kollisionserkennung, ein Kollaborationsmodus, Not-Aus-Funktionen sowie eine Fernsteuerung über Master-Arme.

Regulär schreibt Artikel 223 der südkoreanischen Arbeitsschutzbestimmungen für Industrieroboter eine Schutzeinzäunung von mindestens 1,8 Metern Höhe vor, da bisherige Normen von ortsfesten Anlagen ausgehen.

Die Ausnahmegenehmigung ist an Auflagen des Arbeitsministeriums zur Risikobewertung und Gefahrenminderung gebunden. Die im Testbetrieb gewonnenen Daten sollen als Grundlage dienen, um künftige Sicherheitsstandard und Gesetzesvorgaben anzupassen.

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Wachstumspläne und industrielle Härtung bei Robros

Robros-CEO Noh Seung-joon erklärte, dass die Revolution humanoider Systeme zuerst in der Fertigung und Logistik stattfinden werde. Das Unternehmen, das ursprünglich mit einem Roboter-Café-Konzept begann und sich angesichts der Industrienachfrage umorientierte, hat bislang 18 Einheiten des Modells verkauft. Bis zum Jahresende 2026 soll die kumulierte Produktion auf über 50 Einheiten steigen.

Neben den vier neuen Testpartnern läuft seit Anfang 2026 ein Pilotversuch mit Lotte Global Logistics, bei dem Zielaufgaben mit minimalen menschlichen Eingriffen ausgeführt werden. Für den Einsatz in Schiffswerften und Halbleiterwerken rüstet der Hersteller die Hitzebeständigkeit sowie den Schutz gegen Staub, Wasser und Chemikalien gezielt hoch.

Südkoreas Industriestrategie für physische KI

Die Initiative stützt sich auf Vorgaben von Staatspräsident Lee Jae-myung, der den Aufbau eines frühen Marktes für physische KI gefordert hatte. Handelsminister Kim Jung-kwan wies darauf hin, dass sich KI-Technologien derzeit so rasch entwickelten, dass regulatorische Rahmenwerke kaum Schritt hielten.

Bis 2030 plant die südkoreanische Regierung kumulierte Investitionen von 2,3 Billionen Won (umgerechnet 1,6 Milliarden US-Dollar) in das Humanoid-Ökosystem, um den Anteil einheimischer Kernkomponenten auf 80 Prozent zu heben und kumulativ 1.080 Roboter zu beschaffen.

Mit einer Quote von 1.220 Industrierobotern je 10.000 Fertigungsbeschäftigten wies Südkorea 2024 laut der International Federation of Robotics (IFR) die weltweit höchste Roboterdichte auf. Bei neuen Installationen lag das Land im vergangenen Jahr mit 30.200 Einheiten jedoch hinter China (354.200), den USA (38.400) und Japan (36.200).

Im Wettbewerbsfähigkeitsindex des Korea Institute for Industrial Economics and Trade erzielte Südkorea bei Fertigungsrobotern 72,9 Punkte, während die USA 80,6 und China 79,4 Punkte erreichten.

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