Südkorea: Hanam bekommt Mega-KI-Industriekomplex
14.06.2026 - 04:52:33 | boerse-global.de
Das Megaprojekt in Hanam soll Milliardeninvestitionen anlocken und die globale Wettbewerbsposition stärken.
Der südkoreanische Nationalversammlungsabgeordnete Lee Kwang-jae hat heute die Errichtung eines großflächigen KI-Industriekomplexes in Hanam City angekündigt. Die Stadt liegt östlich von Seoul im Großraum der Hauptstadt. Ziel des Projekts ist es, einen massiven KI-Cluster zu schaffen, der sowohl inländische als auch ausländische Investitionen anzieht – und das inmitten eines immer intensiver werdenden globalen Wettlaufs um die Führungsrolle in der Künstlichen Intelligenz.
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Chip-Offensive im Süden des Landes
Die Ankündigung für Hanam fällt mit weitreichenden staatlichen Initiativen zur Dezentralisierung der Hightech-Infrastruktur zusammen. Im Juli 2026 soll die neu formierte „Jeonnam-Gwangju Special City" an den Start gehen. Sie dient als Drehscheibe für einen „Southern Region Semiconductor Innovation Belt", der die Städte Gwangju, Busan und Gumi miteinander verbindet.
Gwangju wird sich dabei auf die moderne Halbleiterverpackung spezialisieren. Während die Branchenriesen Samsung Electronics und SK Hynix noch über mögliche Investitionen in der Region beraten, handelt Amkor Technology bereits: Das US-Unternehmen baut sein bestehendes Werk in Gwangju für umgerechnet rund 700 Millionen Euro aus. Zur Unterstützung dieser industriellen Bemühungen investiert die Regierung bis 2030 umgerechnet rund 30 Millionen Euro in ein Demonstrationszentrum für moderne Verpackungstechnologien.
Die Infrastrukturprojekte weiten sich auf benachbarte Gebiete aus. Im Solaseado-Bezirk von Haenam entsteht unter der Führung von Samsung SDS ein nationales KI-Rechenzentrum. Ein Joint Venture zwischen SK und OpenAI plant zudem den Bau eines Datenzentrums in Jangseong.
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Wettlauf um die nächste Chip-Generation
Der Vorstoß für regionale KI-Zentren folgt auf bedeutende Entwicklungen im südkoreanischen Hardware-Sektor. Erst Anfang Juni stattete Nvidia-CEO Jensen Huang Seoul einen viertägigen Besuch ab – ein klares Signal für die Bedeutung des Landes in der KI-Lieferkette.
Die großen Komponentenhersteller liefern sich derzeit ein Rennen um die Entwicklung von Glassubstraten für KI-Chip-Verpackungen. Diese Technologie gilt als potenzieller Nachfolger der aktuellen Materialien. Samsung Electro-Mechanics hat dafür eine Partnerschaft mit dem japanischen Chemiekonzern Sumitomo Chemical geschlossen. LG Innotek peilt die Markteinführung bis 2028 an. Der SKC-Ableger Absolics versucht zwar bereits die Massenproduktion in einem Werk im US-Bundesstaat Georgia, doch Branchenanalysten rechnen mit nennenswerten Marktvolumina für Glassubstrate frühestens ab 2028.
Wirtschaftliche Bremsspuren trotz KI-Boom
Trotz der regen industriellen Aktivität bleiben einige Analysten skeptisch, was die unmittelbaren Vorteile für die südkoreanische Gesamtwirtschaft angeht. Ein Ökonom der Nomura Bank wies Mitte Juni darauf hin, dass der aktuelle KI-Chip-Boom den heimischen Konsum noch nicht spürbar angekurbelt habe. Die hohen Exportzahlen seien vor allem auf Preiserhöhungen zurückzuführen, nicht auf außergewöhnliche Mengensteigerungen.
Das Wirtschaftswachstum Südkoreas wird derzeit mit 2,4 Prozent prognostiziert. Die Zentralbank erwägt eine mögliche Zinserhöhung im Juli. Dieser wirtschaftliche Hintergrund folgt auf eine Phase steigender Immobilienpreise: Im Mai 2026 lag der Medianpreis für eine Wohnung in Seoul bei umgerechnet rund 850.000 Euro – ein Anstieg von etwa 160.000 Euro gegenüber dem Vorjahr. Präsident Lee Jae-myung kündigte Anfang Juni an, die Regierung erwäge eine Verschärfung der Grundsteuer nach dem Vorbild anderer Industrienationen. Konkrete Änderungen werden nach Juli erwartet.
