Süßstoff, Xylit

Süßstoff Xylit: ESC-Kongress warnt vor Herz- und Schlaganfallrisiko

Veröffentlicht am: 30.08.2026 um 19:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Neue Daten beleuchten Risiken von Xylit, Fortschritte bei weniger Zucker und den Nutzen von Ballaststoffen für eine ausgewogene Ernährung.

Ernährungsmythen im Check: Zucker, Süßstoffe und Ballaststoffe
Eine Auswahl frischer, unverarbeiteter Lebensmittel wie Gemüse und Getreide auf einem Holztisch bei natürlichem Licht. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Informationsveranstaltungen Ende August 2026 verdeutlichen den aktuellen Stand der Wissenschaft zu zentralen Ernährungsfragen. Im Fokus stehen dabei die Wirkung von Zucker und Ballaststoffen sowie eine differenzierte Einordnung weitverbreiteter Ernährungsmythen.

Die Debatte um hochverarbeitete Lebensmittel

Ein zentraler Aspekt der aktuellen Diskussion ist die sogenannte NOVA-Klassifikation, die der Forscher Monteiro von der Universität São Paulo im Jahr 2009 einführte. Dieses System teilt Lebensmittel nach ihrem Verarbeitungsgrad ein und stellt insbesondere hochverarbeitete Produkte (Ultra-processed Foods, UPFs) unter einen Generalverdacht.

Wissenschaftlich ist diese pauschale Einordnung jedoch umstritten. Kritik kam unter anderem in einer Untersuchung aus dem Jahr 2022 von 159 französischen Experten auf, welche die Einteilung als zu vage bezeichneten.

Die Datenlage zu den Auswirkungen von UPFs auf die Kalorienaufnahme ist widersprüchlich. Während die Kevin-Hall-Studie zeigte, dass Teilnehmer bei einer Ernährung mit hohem UPF-Anteil bis zu 1000 Kilokalorien pro Tag mehr zu sich nahmen, kam eine im April 2026 veröffentlichte Studie zu einem gegenteiligen Ergebnis.

Hier wurde bei einer Ernährung mit hohem Anteil hochverarbeiteter Kost eine um 369 Kilokalorien geringere tägliche Aufnahme beobachtet. Fachleute wie Wefers weisen zudem darauf hin, dass innerhalb dieser Gruppe vor allem Softdrinks und verarbeitetes Fleisch als eindeutig gesundheitsschädlich identifiziert werden können. In Brasilien wird bereits seit 2014 eine auf NOVA basierende Ernährungspolitik verfolgt, bislang jedoch ohne messbaren Erfolg.

Süßstoffe zwischen Nutzen und Gesundheitsrisiken

Bei der Bewertung von Süßstoffen zeigen sich differenzierte Ergebnisse. Experten betonen, dass Süßstoffe gegenüber Zucker oft die bessere Wahl seien, da sie keine relevanten Kalorien enthalten und keinen Blutzuckeranstieg verursachen.

Die Krebsforschungsagentur IARC stufte Aspartam im Jahr 2023 als „möglicherweise krebserregend“ ein, was der gleichen Gefahrenkategorie wie Aloe-Vera entspricht; ein kausaler Zusammenhang konnte bei zugelassenen Süßstoffen nicht belegt werden. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) rät zudem bei Sucralose davon ab, den Stoff über 120 Grad Celsius zu erhitzen.

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Neue Langzeitanalysen, die Ende August 2026 auf dem ESC-Kongress in München vorgestellt wurden, werfen jedoch Fragen zur Sicherheit des Süßungsmittels Xylit auf. Daten von insgesamt 17.710 Teilnehmern aus Kanada und Europa deuten darauf hin, dass hohe Xylit-Werte im Blut mit einem erhöhten Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und Herztod korrelieren.

In der kanadischen Kohorte stieg das Risiko über einen Zeitraum von sechs Jahren um 57 Prozent, während in der europäischen EPIC-Norfolk-Studie über 30 Jahre ein Anstieg von 18 Prozent verzeichnet wurde.

Der Forscher Witkowski von der Charité wies darauf hin, dass Xylit die Bildung von Blutgerinnseln fördern könne, betonte jedoch den Charakter der Untersuchung als Beobachtungsstudie ohne nachgewiesene Kausalität.

Zuckerreduktion und die Rolle von Ballaststoffen

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt weiterhin, maximal 50 Gramm freien Zucker pro Tag zu konsumieren. Monitoring-Ergebnisse des Max-Rubner-Instituts zeigen Fortschritte in der Industrie: Der Zuckergehalt in Frühstückscerealien für Kinder sank seit 2016 um 44 Prozent von 27,6 Gramm auf 15,5 Gramm pro 100 Gramm.

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Dennoch liegt dieser Wert weiterhin über dem von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlenen Limit von 12,5 Gramm. Eine Untersuchung der Stiftung Warentest von 110 Cerealien bestätigte dies; 86 Produkte wurden als zu süß eingestuft.

Politisch wird die Besteuerung von Zucker unterschiedlich gehandhabt. Während Deutschland plant, Süßstoffe von einer möglichen Zuckersteuer auszunehmen, werden diese in Frankreich und Polen bereits mitbesteuert.

Foodwatch-Chef Chris Methmann fordert neben einer solchen Steuer auch verpflichtende Werbeverbote für Kinder und verweist auf Großbritannien, wo eine entsprechende Abgabe dazu führte, dass Getränke wie Fanta nur noch halb so viel Zucker enthalten.

Neben der Zuckerreduktion gewinnt die Aufnahme von Ballaststoffen an Bedeutung. Trends wie das sogenannte „Fibermaxxing“ rücken Lebensmittel wie Chiasamen in den Fokus, die zwischen 34 und 40 Gramm Ballaststoffe pro 100 Gramm enthalten. Die allgemeine Empfehlung liegt bei mindestens 30 Gramm täglich.

Auch bei Grundnahrungsmitteln wie Weißbrot spielt die Verarbeitung eine Rolle: Der Experte Lutz Geißler betont, dass eine lange Teigführung von sechs bis zwölf Stunden sowie die Verwendung von Sauerteig die Bekömmlichkeit und Nährstoffverfügbarkeit deutlich verbessern könne.

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