Super-Ager: Doppelt so viele Neuronen schützen vor Demenz
Veröffentlicht am: 01.08.2026 um 05:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Erforschung des Phänomens der sogenannten „Super-Ager“ – Personen über 80 Jahre mit der kognitiven Leistungsfähigkeit deutlich Jüngerer – liefert neue Erkenntnisse zur Hirngesundheit im hohen Alter. Eine im Juli 2026 in der Fachzeitschrift „Alzheimer's Research & Therapy“ veröffentlichte Untersuchung der Universität Chicago und des TGen zeigt, dass genetische Risikofaktoren allein nicht ausreichen, um den außergewöhnlichen Erhalt der geistigen Fitness zu erklären. Demnach unterscheide sich das genetische Profil dieser Gruppe kaum von dem ihrer Altersgenossen.
Genetische Risikoprofile und soziale Einbindung
In der Studie wurden 142 Super-Ager mit einer Kontrollgruppe von 89 Personen verglichen. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass das bekannte Risiko-Gen APOE ?4 bei 16 Prozent der Super-Ager vorhanden war, während es in der Kontrollgruppe bei 19 Prozent der Teilnehmenden festgestellt wurde. Die schützende Variante APOE ?2 war in beiden Gruppen mit jeweils 13 Prozent identisch verteilt. Auch die polygenen Risiko-Scores wiesen keine signifikanten Unterschiede auf.
Daraus schließen die beteiligten Wissenschaftler, dass Super-Aging nicht lediglich das Ausbleiben genetischer Risiken für Alzheimer darstellt. Vielmehr scheinen biologische, soziale und verhaltensbezogene Faktoren eine entscheidende Rolle zu spielen. Die untersuchten Super-Ager verfügten über aktive soziale Netzwerke und gaben eine hohe Zufriedenheit in ihren zwischenmenschlichen Beziehungen an. Trotz eines durchschnittlichen genetischen Risikos gelang es ihnen, ihre kognitive Gesundheit stabil zu halten.
Neurologische Besonderheiten und verstärkte Neuronenbildung
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Ergänzende neurobiologische Erkenntnisse, die im Verlauf des Jahres unter anderem in der Fachzeitschrift „Nature“ sowie durch Forscher wie Dr. Tamar Gefen, Dr. Orly Lazarov, Dr. Richard Isaacson und Prof. Emily Rogalski präsentiert wurden, stützen das Bild einer besonderen Hirnstruktur. Super-Ager weisen demnach einen dickeren cingulären Kortex sowie größere Neuronen in der entorhinalen Region auf. Ein wesentliches Merkmal sei zudem die geringere Ablagerung von Tau-Proteinen.
Ein signifikanter Unterschied wurde bei der Bildung neuer Nervenzellen beobachtet: Super-Ager produzieren Schätzungen zufolge doppelt so viele neue Neuronen wie gesunde Gleichaltrige und rund 2,5-mal mehr als Patienten mit einer Alzheimer-Erkrankung. Mittels multiomischer Einzelzell-Sequenzierung wurden Astrozyten und CA1-Neuronen als wesentliche Faktoren für diese Entwicklung identifiziert. Zukünftige Forschungsvorhaben der Universität Chicago sollen verstärkt Biomarker und bildgebende Verfahren integrieren, um diese Prozesse weiter zu entschlüsseln.
Physische Mobilität und präventive Maßnahmen
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Neben den kognitiven und neurologischen Aspekten spielt die physische Verfassung eine messbare Rolle für die Hirngesundheit. Eine im Juli 2026 in „Neurology“ veröffentlichte Studie der Stony Brook University und des Albert Einstein College of Medicine untersuchte rund 4.000 Erwachsene aus den USA, Europa und Asien. Dabei zeigte sich, dass Personen über 80 Jahre, die eine Gehgeschwindigkeit von etwa 1,3 m/s (2,9 mph) erreichten, ein um etwa 50 Prozent geringeres Risiko für kognitive Beeinträchtigungen über einen Zeitraum von 3,5 bis 5,5 Jahren aufwiesen.
Diese sogenannten „Super Movers“ verfügten über ein größeres Hippocampus-Volumen und einen langsameren Abbau der Gedächtnisleistung. Die Forscher betonten jedoch, dass es sich hierbei um eine Korrelation und nicht zwingend um eine Kausalität handle. Als wesentliche Lifestyle-Faktoren für gesundes Altern wurden eine ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung, Stressreduktion, ausreichender Schlaf und soziale Einbindung genannt. Die Lancet-Kommission wies zudem darauf hin, dass rund 45 Prozent der Demenzfälle vermeidbar seien – eine Einschätzung, deren Empfehlungen die Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Juli 2026 offiziell übernahm.
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