Suvorexant, Schlaflabor

Suvorexant im Schlaflabor: Amyloid-beta und Tau sinken um bis zu 20 Prozent

Veröffentlicht am: 03.10.2026 um 06:04 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Bei gesunden Erwachsenen gingen Amyloid-beta und Tau im Liquor zurück; eine vorbeugende Dauereinnahme ist daraus nicht abzuleiten.

Suvorexant senkt Alzheimer-assoziierte Proteine kurzfristig im Schlaflabor
Ein minimalistisches, in sanftes Licht getauchtes Schlafzimmer bei Nacht, das eine ruhige und erholsame Umgebung symbolisiert. Illustration mit AI erstellt.

Schlaf gilt in der Neurologie seit Langem als entscheidender Faktor für die Gehirngesundheit. Besondere Aufmerksamkeit richten Forschende dabei auf medikamentöse Ansätze, die über die Regulierung des Schlaf-Wach-Rhythmus schädliche Eiweißablagerungen im zentralen Nervensystem reduzieren könnten.

Eine im Fachjournal Annals of Neurology veröffentlichte Untersuchung der Washington University in St. Louis lieferte dazu grundlegende Einblicke: Die Gabe des Schlafmittels Suvorexant über zwei Nächte im Schlaflabor führte bei gesunden Erwachsenen ohne Schlafstörungen oder kognitive Beeinträchtigungen zu einer messbaren Verringerung der Proteine Amyloid-beta und Tau in der Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit.

Signifikante Reduktion von Amyloid-beta und Tau im Schlaflabor

An der Studie der Washington University nahmen 38 Probanden im Alter von 45 bis 65 Jahren teil. Nach einer Lumbalpunktion erhielten sie entweder eine von zwei Dosierungen des Orexin-Rezeptorantagonisten Suvorexant oder ein Placebo. Bei der kontinuierlichen Beobachtung der Liquorwerte über einen Zeitraum von 36 Stunden zeigte sich, dass die Konzentrationen von Amyloid-beta und Tau um etwa 10 bis 20 Prozent sanken.

Höhere Dosen des Wirkstoffs reduzierten zudem kurzzeitig das sogenannte hyperphosphorylierte Tau, allerdings hielt dieser spezifische Rückgang nicht over einen vollen Tag an. Auffällig war zudem, dass das Präparat in diesem Versuchsaufbau keine messbare Veränderung der grundlegenden Schlafarchitektur bewirkte.

Der beteiligte Neurologe Brendan Lucey ordnete die Ergebnisse jedoch mit Zurückhaltung ein. Er betonte, dass es verfrüht sei, aus diesen Daten eine Empfehlung für eine regelmäßige Einnahme von Schlafmitteln zur Vorbeugung von Alzheimer abzuleiten. Eine dauerhafte Langzeitanwendung derartiger Medikamente berge zudem das Risiko einer Abhängigkeit.

Das Orexin-System und die Rolle des Tiefschlafs

Der untersuchte Wirkstoff greift in das System des Botenstoffs Orexin ein, der die Wachheit steuert. Dass dieser Signalweg für neurodegenerative Prozesse relevant ist, belegen auch weitere wissenschaftliche Daten.

Eine in der Fachzeitschrift Neurology veröffentlichte Untersuchung mit 60 Teilnehmern zeigte, dass höhere Orexin-Werte im Liquor mit einer ungünstigeren Progression der Alzheimer-Krankheit über einen Zeitraum von drei Jahren korrelierten.

Bei Probanden, die stärkere Marker für Tiefschlaf aufwiesen – gemessen an Schlafspindel- und Slow-Oscillation-Aktivität –, fiel dieser Zusammenhang zwischen Orexin und der Krankheitsschwere hingegen schwächer aus. Zudem wiesen Frauen deutlich höhere Orexin-Konzentrationen auf als Männer, was vor dem Hintergrund beachtenswert ist, dass Frauen fast zwei Drittel aller Alzheimer-Fälle ausmachen.

Anzeige

Wer sich mit der langfristigen Gesundheit seines Gehirns und der Vorbeugung von Demenz befasst, findet in diesem kostenlosen Ratgeber wertvolle Alltagsstrategien. Entdecken Sie 11 praktische Übungen und Ernährungstipps für Ihre geistige Fitness. Gehirntraining-Ratgeber jetzt kostenlos herunterladen

Grundsätzlich gilt Schlafentzug in der Fachliteratur als ein Faktor, der die Akkumulation von Amyloid-beta und Tau verstärkt. Dies deckt sich mit Erkenntnissen der Duke University zum glymphatischen System. Dieses Netzwerk nutzt den Liquor, um zelluläre Abfallprodukte und beschädigte Proteine aus dem Gehirn zu entfernen.

Der Biomediziningenieur Junjie Yao verglich diese nächtliche Beseitigung mit einem Müllwagen, der durch die Nachbarschaft fahre, um Abfälle einzusammeln. Störungen dieses Reinigungsprozesses werden eng mit neurodegenerativen Erkrankungen verknüpft, da Alzheimer durch die Anhäufung genau jener Eiweiße geprägt ist, die das glymphatische System abbauen soll.

Entzündungsprozesse und therapeutische Perspektiven

Neben der gezielten Orexin-Hemmung rücken auch Entzündungsprozesse im Gehirn in den Fokus. Forschende der University of Kentucky stellten fest, dass Mikrogliazellen als Reaktion auf Plaques eine Entzündungskaskade auslösen, die wiederum den gesunden Schlaf beeinträchtigt.

Im Tiermodell führte eine vorübergehende Verringerung dieser Immunzellen mit dem Wirkstoff Pexidartinib zu einem Schlafzuwachs von über zwei Stunden pro Nacht bei Tieren mit Alzheimer-Merkmalen, ohne dass sich die Plaquemenge veränderte.

Anzeige

Ob Vergesslichkeit noch im normalen Bereich liegt oder ein Warnsignal darstellt, lässt sich oft schwer einschätzen. Dieser kostenlose Selbsttest bietet Ihnen eine diskrete Möglichkeit, Ihre geistige Leistungsfähigkeit in nur zwei Minuten zu prüfen. Zum kostenlosen Demenz-Selbsttest

Dieser Befund stützt die Annahme, dass Schlaflosigkeit nicht nur ein spätes Symptom, sondern Teil eines reversiblen Prozesses im Krankheitsverlauf sein könnte. Auch wenn Substanzen wie Suvorexant zeigen, dass sich Eiweißkonzentrationen im Liquor kurzfristig modulieren lassen, bleibt die therapeutische Nutzung zur Alzheimer-Prävention Gegenstand weiterer klinischer Abklärungen.

Disclaimer...

de | wissenschaft | 70219370 |