SWITCH-Studie: Diätgetränke erzielen nach 104 Wochen ähnliche Resultate wie Wasser
Veröffentlicht am: 02.10.2026 um 16:22 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Rolle süßstoffhaltiger Getränke bei der Gewichtsreduktion bleibt Gegenstand wissenschaftlicher und regulatorischer Diskussionen. Eine Untersuchung der University of Liverpool und der University of Leeds liefert nun vertiefende Einblicke in die langfristigen Auswirkungen auf das Körpergewicht.
Die im Fachblatt British Journal of Nutrition veröffentlichte SWITCH-Studie (DOI: 10.1017/S0007114526108150, NCT02591134) kommt zu dem Ergebnis, dass Diätgetränke bei einer langfristigen Gewichtskontrolle mit Wasser vergleichbare Resultate erzielen können.
Studiendesign und Ergebnisse nach 104 Wochen
Die Forschungsarbeit baut auf früheren SWITCH-Ergebnissen auf, die 2023 im International Journal of Obesity erschienen waren. Für die Untersuchung wurden 493 übergewichtige und adipöse Erwachsene im Alter von 18 bis 65 Jahren (Durchschnittsalter 45 Jahre) aus der britischen Region Merseyside rekrutiert.
Die Probanden wiesen einen Body-Mass-Index zwischen 27 und 35 auf, das durchschnittliche Startgewicht lag bei rund 200 Pfund, und der Frauenanteil betrug etwa 70 Prozent.
Die Teilnehmer wurden randomisiert zwei Gruppen zugewiesen: Während 246 Personen Wasser konsumierten, tranken 247 Probanden mindestens zweimal täglich je 330 Milliliter Diätgetränke. Die darin verwendeten Süßstoffe Aspartam, Acesulfam-K und Sucralose bewegten sich innerhalb der Grenzwerte der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA).
Nach einem Verlauf von 104 Wochen verzeichnete die Diätgetränkegruppe eine Gewichtsabnahme von 10,6 Pfund (minus 4,8 Kilogramm). In der Wassergruppe sank das Gewicht im selben Zeitraum um 8,2 Pfund (minus 3,7 Kilogramm). Die statistische Differenz zwischen beiden Gruppen erwies sich als nicht signifikant.
Stoffwechselparameter und Veränderungen im Essverhalten
Parallel zur Gewichtsreduktion verkleinerte sich der Taillenumfang in beiden Kohorten im Mittel um 2 Zoll. Ebenso verbesserten sich das Verhältnis von Taille zu Hüfte, die allgemeine Körperzusammensetzung und relevante Stoffwechselwerte. Eine gesonderte Messung der Fettmasse via DXA ergab in der entsprechenden Subgruppe einen Rückgang, ohne dass ein deutlicher Unterschied zwischen den beiden Gruppen feststellbar war.
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Auch das Konsumverhalten veränderte sich: Die tägliche Zuckeraufnahme ging bei sämtlichen Teilnehmern zurück, wobei der Rückgang in der Diätgetränkegruppe etwas ausgeprägter ausfiel. Hinweise auf einen gesteigerten Appetit oder eine erneute Gewichtszunahme traten nicht auf.
Bei Parametern wie Blutdruck, Cholesterinwerten und dem HbA1c-Wert zeigten sich minimale Vorteile zugunsten der Wassergruppe. Die Autoren stuften diese Effekte jedoch als medizinisch nicht relevant ein, da die betreffende Datenerhebung lediglich 14 bis 16 Personen pro Gruppe umfasste.
Methodische Einschränkungen und institutioneller Rahmen
Die Wissenschaftler weisen auf mehrere methodische Limitationen der SWITCH-Studie hin. Nach den 104 Wochen konnten lediglich 220 der ursprünglich 493 Teilnehmer vollständig ausgewertet werden – davon 117 in der Wassergruppe und 103 in der Diätgruppe.
Zudem stammten die Daten aus einem einzelnen Studienzentrum in England, und ethnische Parameter wurden nicht erfasst. Die Resultate lassen sich daher nur auf die konkret getesteten Getränke, das Studienprogramm und das Probandenfeld beziehen und sind nicht pauschal auf alle Süßstoffe übertragbar.
Finanziert wurde das Forschungsprojekt von der American Beverage Association; die beteiligten Wissenschaftler betonten in ihren Angaben ihre Unabhängigkeit.
Viele Abnehmwillige fragen sich, ob Süßstoffe den Appetit anheizen — die SWITCH-Studie fand dafür über zwei Jahre keine Hinweise. Wer Klarheit statt widersprüchlicher Empfehlungen will, findet hier die wichtigsten Fakten und eine einfache Checkliste für den EFSA-Rahmen. Faktencheck jetzt kostenlos sichern
Die Befunde stehen in einem komplexen gesundheitspolitischen Umfeld. Im Jahr 2023 veröffentlichte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine bedingte Empfehlung, Nicht-Zucker-Süßstoffe nicht zur systematischen Gewichtskontrolle einzusetzen.
Zugleich greifen US-Bundesstaaten regulatorisch ein: Indiana untersagt seit dem 1. Januar den Kauf von Limonaden über das SNAP-Unterstützungsprogramm; in Florida gilt ein entsprechendes Verbot, das unter anderem Diätvarianten wie Diet Coke, Coke Zero und Diet Pepsi betrifft, seit dem 20. April.
