Tagesmüdigkeit, Häufige

Tagesmüdigkeit im Alter: Häufige Nickerchen hängen mit 48 Prozent mehr Demenzrisiko zusammen

Veröffentlicht am: 24.10.2026 um 22:03 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Mediziner betonen die Bedeutung früher Diagnostik, da unspezifische Beschwerden und veränderte Schlafmuster mit ernsten Erkrankungen verbunden sein können.
Ein heller, moderner Untersuchungsraum in einer Klinik mit medizinischen Geräten in einer ruhigen, sterilen Umgebung. Illustration mit AI erstellt.

Häufige Tagesmüdigkeit, nachlassende Belastbarkeit oder ein völliges Ausbleiben eindeutiger Symptome werden im höheren Lebensalter oft vorschnell als unvermeidbare Alterserscheinungen abgetan.

Mediziner warnen jedoch davor, solche Veränderungen zu verharmlosen: Hinter unspezifischen Beschwerden verbergen sich vielfach schwerwiegende, schleichend verlaufende Erkrankungen von Herz, Nieren oder Gehirn, die ohne gezielte Diagnostik über Jahre hinweg unentdeckt bleiben.

Unerkannte Herz- und Nierenerkrankungen

Ein deutliches Defizit bei der Früherkennung zeigt sich bei der hypertrophen Kardiomyopathie (HCM). Nach medizinischen Schätzungen ist allgemein etwa 1 von 500 Menschen davon betroffen, in Deutschland liegt die Diagnosequote hingegen lediglich bei rund 1 von 1.400 Personen.

Wie Prof. Monica Patten vom UKE Hamburg darlegt, äußert sich die HCM oft über unspezifische Symptome wie Schwindel, Herzklopfen, Belastungsschwäche oder Brustschmerz.

Zur Abklärung seien EKG, Herzultraschall sowie die Familiengeschichte maßgeblich, da die Erkrankung häufig genetisch bedingt ist. PD Dr. Vera Oettinger vom Uniklinikum Freiburg plädiert vor diesem Hintergrund für eine systematische Früherkennung.

Anzeige

Wer sich mit der eigenen Vorsorge befasst, sollte seine Laborwerte kennen und richtig einordnen können. Dieser kostenlose 25-Seiten-Report hilft Ihnen dabei, wichtige Blutwerte selbst zu verstehen und aktiv Ihre Gesundheit zu schützen. Kostenlosen Laborwerte-Selbstcheck jetzt anfordern

Zudem mahnt Kathrin Hinterleitner vom Verein HOCM Deutschland eine bislang fehlende Versorgungskoordination an, während Dr. Holger Krönig von Bristol Myers Squibb mehr Klarheit bei der Verordnung neuerer Therapien anmahnt. Einen gesundheitspolitischen Ansatzpunkt bietet der europäische Safe Hearts Plan.

Ähnlich unbemerkt verlaufen chronische Nierenerkrankungen. Nach Angaben von Thimoteus Speer von der Universitätsklinik Frankfurt vom 23. Oktober 2026 leiden zehn Prozent der Bevölkerung an einer solchen Funktionsstörung, doch nur bei drei Prozent der Gesamtbevölkerung ist sie auch diagnostiziert.

Chronische Nierenerkrankungen gelten zugleich als stärkster Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Ereignisse. Nach Prognosen rückt das Leiden von Platz 16 bei den verlorenen Lebensjahren bis zum Jahr 2040 auf Platz fünf vor.

Während täglich zwischen 3000 und 4000 Liter Blut durch die Nieren fließen, beträgt die durchschnittliche Wartezeit auf eine Spenderniere zehn bis zwölf Jahre. Die Frankfurter Uniklinik führt rund 3000 Wartende auf ihrer Liste; eine Spenderniere hält im Schnitt etwa 20 Jahre.

Zur Risikominimierung raten Mediziner zu rund zwei Litern Flüssigkeitsaufnahme täglich, Salzreduktion sowie Vorsicht bei der Einnahme von Ibuprofen und Diclofenac. Ein genauerer Albumin-Test im Urin wird von den Kassen bei begründetem Verdacht, etwa bei Bluthochdruck oder Diabetes, übernommen.

Schlafmuster und kognitiver Abbau

Auch Schlafgewohnheiten können wertvolle Frühindikatoren liefern. Nina Müller von der Ambulanz für Schlafstörungen der MedUni Wien hebt hervor, dass bei Narkolepsie Schlafattacken den Tag bestimmen und die nicht unterdrückbare Schläfrigkeit am Steuer lebensgefährlich werden kann.

Eine Auswertung der US-Langzeitstudie National Health and Aging Trends Study an 995 Personen ab 65 Jahren zwischen 2013 und 2023 verdeutlicht zudem Zusammenhänge zwischen Tagschläfrigkeit und kognitiven Einbußen: Rund 42 Prozent der Teilnehmenden (417 Personen) entwickelten eine mögliche oder wahrscheinliche Demenz.

Anzeige

Da schleichende Veränderungen der geistigen Fitness oft schwer greifbar sind, kann eine gezielte Überprüfung erste Klarheit schaffen. Dieser anonyme 7-Fragen-Selbsttest hilft Ihnen dabei, Warnsignale der Vergesslichkeit in nur zwei Minuten besser einzuschätzen. Zum kostenlosen 2-Minuten-Selbsttest

Häufige Nickerchen an den meisten Tagen oder täglich waren mit einem um 48 Prozent höheren Demenzrisiko verknüpft, unbeabsichtigtes Einschlafen mit einem um 39 Prozent gesteigerten Risiko.

Während in der Gruppe mit häufigem Mittagsschlaf rund 51 Prozent an Demenz erkrankten, lag der Anteil bei gelegentlichem Schlafen bei rund 42 Prozent und bei seltenem oder keinem Schlafen bei rund 38 Prozent. Bei Fällen ab fünf Jahren nach Beobachtungsbeginn war das Risiko bei häufigem Mittagsschlaf um 75 Prozent erhöht.

Fachleute betonen bei kognitiven Veränderungen zugleich die Notwendigkeit einer klaren Differenzialdiagnose: Einzelne Merkmale belegen keine Demenz; entscheidend sind Verlauf, Ausmaß und Muster.

Ein plötzlicher Verwirrtheitszustand innerhalb von Stunden deutet eher auf ein Delir durch Infektionen, Schmerzen, Flüssigkeitsmangel oder Medikamentenwirkungen hin. Als weitere Ursachen für kognitive Auffälligkeiten kommen psychische Belastungen, Schlafstörungen sowie Stoffwechselerkrankungen infrage.

Disclaimer...
de | wissenschaft | 70406404 |