Taillenumfang, MĂ€nnern

Taillenumfang: Ab 90 cm bei MĂ€nnern und 85 cm bei Frauen steigt das Risiko

Veröffentlicht am: 23.10.2026 um 19:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine internationale Kommission empfiehlt ergĂ€nzende Messwerte und unterscheidet Adipositas kĂŒnftig nach vorhandenen gesundheitlichen FolgeschĂ€den.
Ein medizinisches Maßband liegt auf einer sauberen Untersuchungsliege in einer Arztpraxis. Illustration mit AI erstellt.

Die herkömmliche Erfassung von Übergewicht ĂŒber den Body-Mass-Index (BMI) stĂ¶ĂŸt in der medizinischen Praxis zunehmend an fachliche Grenzen. Eine internationale Expertenkommission empfiehlt, die reine BMI-Messung systematisch um den Taillenumfang, das Taille-HĂŒfte-VerhĂ€ltnis sowie das Taille-GrĂ¶ĂŸe-VerhĂ€ltnis zu ergĂ€nzen.

Auf diese Weise soll bauchbetonte Adipositas verlĂ€sslicher identifiziert werden. Zudem schlĂ€gt das Gremium vor, kĂŒnftig zwischen einer klinischen Adipositas mit manifesten OrganschĂ€den oder Stoffwechselstörungen und einer prĂ€klinischen Adipositas ohne solche FolgeschĂ€den zu unterscheiden.

Versteckte Risiken bei normalem Körpergewicht

Dass das reine Körpergewicht metabolisches Gefahrenpotenzial verschleiern kann, belegen mehrere wissenschaftliche Erhebungen. Eine an der UniversitĂ€t Palermo durchgefĂŒhrte Studie mit 495 Studenten ergab, dass ĂŒber 40% der Personen mit metabolischen Störungen laut ihrem BMI als normgewichtig eingestuft wurden.

Auf dem Kongress der Italienischen Gesellschaft fĂŒr Adipositas (SIO) wurde daher eine Abkehr von rein gewichtsbasierten Diagnosen hin zu einer umfassenden Analyse der Körperzusammensetzung gefordert. Laut Passi-Daten fĂŒr den Zeitraum 2024–2025 liegt der Anteil ĂŒbergewichtiger Erwachsener in Italien bei 43%.

In China weist die Ärzteschaft auf das PhĂ€nomen der sogenannten versteckten Adipositas hin, bei der trotz unauffĂ€lligen Gewichts ein Überschuss an viszeralem Fett vorliegt.

Zur FrĂŒherkennung wird empfohlen, ab einem Taillenumfang von mindestens 90 cm bei MĂ€nnern beziehungsweise mindestens 85 cm bei Frauen aufmerksam zu werden, da diese Werte ein erhöhtes Risiko fĂŒr Diabetes, DyslipidĂ€mie und Herz-Kreislauf-Erkrankungen signalisieren.

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Fachmediziner in Spanien heben hervor, dass bereits ein Taillenumfang von ĂŒber 82 cm das Infarktrisiko steigern und die metabolische Verschlechterung beschleunigen kann.

Viszerales Fettgewebe agiert dabei als endokrines Organ: Es setzt entzĂŒndliche Adipokine frei, senkt die InsulinsensitivitĂ€t und aktiviert das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System, was zu einer Natriumretention und Blutdruckanstieg fĂŒhrt.

Einfluss von Alter und hormonellen Faktoren

Mit zunehmendem Lebensalter gewinnen diese Mechanismen an Dynamik. Fachleute aus der Endokrinologie verweisen darauf, dass das Risiko fĂŒr Stoffwechselstörungen nach dem 40. Lebensjahr steigt, da viszerales Fett eng mit reduzierter InsulinsensitivitĂ€t und verĂ€nderten Lipidwerten verknĂŒpft ist. Entsprechend wird eine regelmĂ€ĂŸige ÜberprĂŒfung von Glukose, Lipiden, Blutdruck und Taillenumfang angeraten.

Besondere Aufmerksamkeit widmet die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) den Wechseljahren. Sinkende Östrogenspiegel begĂŒnstigen in dieser Lebensphase die Ansammlung von Bauchfett, das Entstehen von Insulinresistenz sowie steigende Blutfettwerte.

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Die DDG rĂ€t zu Kontrolluntersuchungen von NĂŒchternglukose beziehungsweise HbA1c, Blutdruck, Blutfetten, Gewicht, Taillenumfang und Leberwerten. Wie Prof. Julia Szendrödi von der DDG hervorhebt, weisen internationale Studien darauf hin, dass Frauen mit einer frĂŒhen Menopause vor dem 45. Lebensjahr ein um rund 30% höheres Risiko fĂŒr Typ-2-Diabetes tragen.

Zur PrÀvention empfiehlt die Fachgesellschaft Muskeltraining zwei- bis dreimal pro Woche; das Thema steht auch auf der Tagesordnung der DDG-Herbsttagung vom 13. bis 14. November 2026 in Dresden.

Neue Klassifikationsmodelle und Biomarker

FĂŒr eine differenzierte Beurteilung fordern Wissenschaftler eine erweiterte Diagnostik. Patricia YĂĄrnoz EsquĂ­roz von der UniversitĂ€t Navarra betont, dass eine prĂ€zise Adipositas-Bewertung Fettmenge, Fettverteilung und Fettfunktion gleichermaßen erfassen mĂŒsse. Bislang existiere kein einzelner Biomarker, der alle drei Parameter abbildet.

WĂ€hrend der Adiponectin-Leptin-Quotient als Indikator fĂŒr eine Fettgewebsdysfunktion diskutiert wird, stehen weitere potenzielle Marker wie FABP4, FGF21, GDF15, Irisin und Myostatin im Raum, wenngleich ein offizieller Konsens zu Methoden und Grenzwerten noch aussteht. Auf dem 67. SEEN-Kongress wurde die Adipositas-PrĂ€valenz in Spanien auf rund 14,9% und der Anteil von Übergewicht auf 36,3% beziffert.

Auf internationaler Ebene zeichnet sich ein systemischer Wandel ab. Die American Heart Association (AHA) und das American College of Cardiology richten ihre Leitlinien zunehmend auf die BekĂ€mpfung von Ursachen wie Gewicht und EntzĂŒndungsprozessen aus, anstatt rein symptomatisch vorzugehen.

Analog zur Krebsvorsorge ist die EinfĂŒhrung eines mehrstufigen Modells zur Risikobewertung vorgesehen. Bereits 2023 definierte die AHA das sogenannte CKM-Syndrom, das kardiovaskulĂ€re Leiden, chronische Nierenerkrankungen und Stoffwechselstörungen wie Adipositas und Diabetes als zusammenhĂ€ngenden Symptomkomplex begreift.

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