Tankzuschuss: Warum Arbeitgeber bei 50 Euro steuerfrei bleiben müssen
Veröffentlicht am: 09.10.2026 um 21:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Steigende Mobilitätskosten stellen Beschäftigte wie Unternehmen gleichermaßen vor Herausforderungen. Arbeitgeber, die ihr Personal bei den Fahrtkosten unterstützen möchten, stoßen dabei jedoch schnell auf rechtliche Grenzen. Dies verdeutlicht der Fall von Frank Martens, Chef des Ringhotels Warnemünder Hof in Warnemünde, der für seine Belegschaft flexiblere Regelungen fordert.
Martens zahlt seinen rund 70 Beschäftigten den gesetzlich zulässigen steuerfreien Spritkosten-Zuschuss von maximal 50 Euro pro Monat, den diese wahlweise auch als Zuschuss für den öffentlichen Personennahverkehr nutzen können.
Angesichts der aktuellen Preise an den Zapfsäulen sei dieser Betrag jedoch kaum spürbar, weshalb der Hotelier bereit wäre, 100 Euro oder mehr zu gewähren. Eine solche Aufstockung verhindert jedoch das geltende Steuerrecht: Wird die Grenze von 50 Euro auch nur um wenige Cent überschritten, verliert die Leistung komplett ihre Steuerfreiheit.
In diesem Fall wird der gesamte Betrag für Arbeitgeber und Arbeitnehmer voll steuer- und beitragspflichtig. Da das Gesetz aktuell weder eine flexible noch eine zeitweise Anhebung des Sachbezugs erlaubt, fordert Martens mehr Flexibilität.
Starre Regelungen treffen auf hohe Belastungen für Pendler
Gleichzeitig kritisiert Martens, dass staatliche Maßnahmen wie der Tankrabatt nach dem Gießkannenprinzip wirken und nicht zielgenau seien. Wie stark Berufspendler belastet sind, zeigt das Beispiel eines 61-jährigen Hausmeisters, der für seinen Dienst beim Berliner Bezirksamt Wilmersdorf-Charlottenburg täglich 80 Kilometer von einem Dorf bei Rheinsberg in die Hauptstadt fährt.
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Da sein Dienst bereits um 6.30 Uhr beginnt, steht zu dieser Uhrzeit kein öffentlicher Nahverkehr zur Verfügung. Bei einer jährlichen Fahrleistung von 35.000 Kilometern belaufen sich die monatlichen Tankkosten auf gut 600 Euro. Berichten zufolge lag der Spritpreis am Nachmittag zeitweise bei 2,49 Euro je Liter und war damit teils höher als vor Einführung des Tankrabatts.
Die Pendlerpauschale, die seit diesem Jahr einheitlich ab dem ersten Kilometer der einfachen Entfernung 0,38 Euro beträgt, erweist sich für Vielfahrer als zu gering. Zudem bleibt ein höherer Fahrzeugverschleiß, etwa durch häufigere Ölwechsel, in der Pauschale unberücksichtigt.
Staatliche Entlastungsprogramme im ökonomischen Zwiespalt
Der seit dem 1. Oktober geltende Tankrabatt senkt die Energiesteuer auf Benzin und Diesel bis zum 31. Dezember um 14,04 Cent je Liter, was für Endverbraucher einer Brutto-Ersparnis von rund 17 Cent entspricht. Die Maßnahme kostet den Staat rund 2,5 Milliarden Euro, während der Rohölpreis wegen der Lage in der Straße von Hormus auf hohem Niveau verharrt.
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Knapp eine Woche nach Einführung lagen die Preise bei Super E5 bei rund 2,10 Euro und bei Diesel bei rund 2,22 Euro, nachdem am 18. September Spitzenwerte von 2,47 Euro für Diesel und 2,37 Euro für Super E5 verzeichnet worden waren. Laut Angaben des ADAC sind die Preise am Vormittag zwischen 10 und 11.45 Uhr sowie zwischen 17.30 und 22 Uhr am niedrigsten, während um 12 Uhr Erhöhungen folgen.
Wirtschaftsforscher hinterfragen die Effizienz der Maßnahme. Eine Berechnung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) ergab mehr als eine Woche nach Beginn, dass bei Diesel lediglich 13 Cent und bei Benzin nur 11 Cent an Autofahrer weitergegeben wurden.
Tomaso Duso, Abteilungsleiter am DIW und Vorsitzender der Monopolkommission, betonte, dass bereits beim ersten Tankrabatt im Frühjahr von 1,6 Milliarden Euro bis zu 300 Millionen Euro bei den Mineralölgesellschaften verblieben seien. Er plädiert daher für direkte Zahlungen an einkommensschwächere Haushalte und kleinere Unternehmen.
Auch die Wirtschaftswissenschaftlerin Monika Schnitzer kritisierte eine Geldausgabe an falscher Stelle. Zudem meldete das Ifo-Institut, dass Mineralölkonzerne den Rabatt nicht vollständig an Verbraucher weitergeben; bereits die vorangegangene Entlastung sei nur zu gut 80 Prozent bei den Endkunden angekommen.

