taVNS-AEQ Version 3.0: Fragebogen erfasst 539 berichtete Symptome
Veröffentlicht am: 29.10.2026 um 12:00 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie transkutane aurikulÀre Vagusnervstimulation (taVNS) gewinnt in der bioelektronischen Medizin zunehmend an Bedeutung als nicht-invasive Methode zur Beeinflussung physiologischer Prozesse.
Zwei randomisierte Crossover-Studien, ĂŒber die im Fachjournal Bioelectronic Medicine berichtet wurde, untersuchten die Stimulation an Tragus und Cymba concha im Hinblick auf Patientenkomfort und physiologische Wirkungen. Im Zentrum der Untersuchungen standen die VertrĂ€glichkeit verschiedener Stimulationsmuster sowie messbare autonome Reaktionen.
VertrÀglichkeit und autonome Reaktionen im Vergleich
In der ersten Studie von Bioelectronic Medicine berichteten 7 Teilnehmer unter der Bedingung 30/30 ĂŒber Ohrenschmerzen mit einem Median von 2,00, verglichen mit 8 Teilnehmern unter der Bedingung 10/10 mit einem Median von 3,00. Ein Kribbeln verzeichneten 26 Probanden in der ersten und 25 in der zweiten Bedingung, wĂ€hrend die lokale Irritation im Median bei 2,00 lag.
Neben acht leichten Nebenwirkungen kam es zu einem Studienabbruch aufgrund von Kopfschmerzen und Angst; eine statistisch signifikante PrÀferenz zwischen den beiden Bedingungen zeigte sich nicht.
Die zweite Studie ergab Schmerzen bei jeweils 5 Teilnehmern mit einem Median von 2,00. Ein Kribbeln trat bei 26 Probanden unter monophasischer und bei 24 unter biphasischer Stimulation auf. UnerwĂŒnschte Ereignisse blieben in dieser Untersuchung vollstĂ€ndig aus. Unter der biphasischen Stimulation lieĂ sich das PhĂ€nomen des sogenannten Wind-up mit einem mittleren Effekt stĂ€rker reduzieren.
Ăber beide Studien hinweg zeigte sich bei der HerzfrequenzvariabilitĂ€t in allen vier untersuchten Bedingungen ein einheitliches Bild: Die Herzfrequenz sank, wĂ€hrend die HerzfrequenzvariabilitĂ€t zunahm, ohne dass signifikante Unterschiede zwischen den Stimulationsarten auftraten.
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Standardisierte Erfassung von Nebenwirkungen
Um die Erfassung unerwĂŒnschter Begleiterscheinungen methodisch zu vereinheitlichen, entwickelten Wissenschaftler der UniversitĂ€t Oldenburg und des Evangelischen Krankenhauses Oldenburg den Fragebogen taVNS-AEQ.
Die Grundlage bildete eine systematische Literaturrecherche von 203 DatensĂ€tzen, aus denen 71 Studien mit insgesamt 539 berichteten Symptomen analysiert wurden. Absolute ZĂ€hlungen lagen dabei in 19 Studien vor, wĂ€hrend 20 Arbeiten auf Likert-Skalen zurĂŒckgriffen.
In einer begleitenden randomisierten Crossover-Studie mit 29 Teilnehmern erwiesen sich Kribbeln, MĂŒdigkeit und KonzentrationsĂ€nderungen als die am hĂ€ufigsten genannten Nebenwirkungen. Die daraus resultierende Version 3.0 des taVNS-AEQ umfasst vier Items fĂŒr Studienteilnehmer sowie sieben Items fĂŒr das medizinische Personal und liegt in Ăbersetzungen fĂŒr vier Sprachen vor.
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HĂ€mostase und Thrombozytenfunktion im Fokus
ErgĂ€nzende physiologische Daten lieferte eine randomisierte, doppelblinde und sham-kontrollierte First-in-Human-Studie unter der Kennung NCT05977946, die Forscher im Fachbereich Bioelectronic Medicine durchfĂŒhrten.
Untersucht wurden die Effekte von reiner taVNS im Vergleich zur kombinierten Stimulation von Vagusnerv und dem aurikulotemporalen Ast des Trigeminusnervs (tAN) bei 24 gesunden Erwachsenen im Alter von 18 bis 65 Jahren.
Die Zuteilung umfasste 11 Teilnehmer in der tAN-Gruppe und 13 in der taVNS-Gruppe, bevor die Rekrutierung infolge eines operativen Problems nach 24 Teilnehmern vorzeitig beendet wurde.
Das Protokoll sah zunĂ€chst eine 30-minĂŒtige Schein-Stimulation (Sham) vor, gefolgt von einer 30-minĂŒtigen aktiven Stimulation bei einer IntensitĂ€t ab 2,5 mA.
FĂŒr taVNS wurden Parameter von 250 ”s und 30 Hz gewĂ€hlt, wĂ€hrend tAN zusĂ€tzlich mit 100 Hz operierte. Blutabnahmen erfolgten nach 10 Minuten, einer Stunde und zwei Stunden.
Die Auswertung zeigte fĂŒr taVNS nach 10 Minuten einen Anstieg von P-Selektin nach Kollagenstimulation ex vivo von 2,97 auf 4,55 (p=0,03). In der Thromboelastometrie (TEG) verkĂŒrzte sich die R-Zeit von 5,74 auf 4,91 Minuten (p=0,004), was einer Beschleunigung von rund 15 Prozent entspricht. Die K-Zeit sank von 1,189 auf 1,10 (p=0,05), wĂ€hrend der ?-Winkel von 73,78 auf 75,53 Grad anstieg (p=0,02).
Unter tAN stieg GPIIb/IIIa nach ADP-Aktivierung nach einer Stunde von 19,7 auf 25,79 (p=0,035), ohne dass TEG-VerĂ€nderungen auftraten. Parameter wie MA, LY30, Fibrinogen, das allgemeine Blutbild, PT, PTT, INR, D-Dimer sowie TAT blieben unverĂ€ndert. Ein dokumentiertes unerwĂŒnschtes Ereignis in Form von Schwindel bei der Blutentnahme stand in keinem Zusammenhang mit der eigentlichen Intervention.
