Teamarbeit, Forscher

Teamarbeit: Forscher messen Hirnwellen-Synchronie bei Kollegen

Veröffentlicht: 29.06.2026 um 20:04 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Studien aus Helsinki zeigen neuronale Synchronisation bei erfolgreicher Kooperation. Empathie als trainierbare Basis für Führungsresonanz.

Hirnforschung belegt: So entsteht effektive Teamarbeit im Gehirn
Zwei Personen mit subtil leuchtenden, verbundenen neuronalen Pfaden um ihre Köpfe, die synchronisierte Gehirnaktivität symbolisieren. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Forscher aus Helsinki dokumentieren erstmals, wie sich die Hirnströme von Teammitgliedern angleichen – mit überraschenden Folgen für die Arbeitswelt.

Wenn Gehirne im Gleichschritt denken

Eine Studie der Universität Helsinki liefert handfeste Belege für die biologischen Grundlagen guter Teamarbeit. Die Forscher untersuchten 46 Probanden mit EEG-Messungen während gemeinsamer Aufgaben. Das Ergebnis: Bei effektiver Kooperation synchronisieren sich die Hirnaktivitäten – besonders in höheren Frequenzbändern.

Die Intensität dieser neuronalen Synchronie hängt direkt mit der Empathiefähigkeit der Beteiligten zusammen. Uli Funke vom Beratungsnetzwerk A|F|A|N erklärt: Empathie ist die Basis für „Führungsresonanz“. Das Gute daran: Sie lässt sich trainieren. Für Unternehmen eröffnen sich damit konkrete Ansätze in der Personalentwicklung.

Der Körper tickt mit

Doch nicht nur das Gehirn schwingt sich ein. Eine weitere Studie im Journal PNAS Nexus dokumentiert die Synchronisation physiologischer Parameter. Bei 72 Studierenden auf Reisen passten sich sogar die Herzfrequenzen an. Besonders stark war der Effekt bei bekannten Personen unter 20 Metern Abstand oder während gemeinsamer Aktivitäten wie Essen oder Spielen.

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Ein spannender Nebenbefund: Hintergrundlärm stört die Synchronisation. Für Bürogestaltung heißt das: Räumliche Anordnung und Akustik beeinflussen die biologische Feinabstimmung zwischen Kollegen direkt.

Kann man Synchronie künstlich erzeugen?

Die Forschung geht einen Schritt weiter. Wissenschaftler wie Suzanne Dikker (New York University) und Yafeng Pan (Zhejiang University) untersuchen, ob sich soziale Kohäsion gezielt fördern lässt. In Trends in Cognitive Science diskutieren sie die Möglichkeit, Synchronie künstlich zu erzeugen.

Bereits 2019 dokumentierten Forscher solche Phänomene bei Künstlern während gemeinsamer Auftritte. Das Ziel heute: Diese Mechanismen für den sozialen Zusammenhalt nutzbar machen.

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Die Realität in Unternehmen sieht anders aus

Trotz dieser biologischen Potenziale zeigt der Gallup-Engagement-Index einen gegenteiligen Trend: Die emotionale Bindung von Führungskräften in Deutschland sinkt seit 2020.

Expertin Violeta Nikolic sieht die Gründe in der ständigen Transformation, fehlender Rückendeckung und wachsendem Sinnverlust – bekannt als „Quiet Quitting“. Die Diskrepanz zwischen biologischer Notwendigkeit von Resonanz und realer Arbeitsbelastung wächst. Wer Führungsqualität und Teamkohäsion sichern will, muss Räume für echte Interaktion schaffen.

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