Telefonbetrug, Ermittler

Telefonbetrug: Ermittler zerschlagen Plattform mit 600.000 Anwahlversuchen

Veröffentlicht am: 14.10.2026 um 09:42 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Ermittler nahmen zwei Männer fest und deaktivierten die Infrastruktur; im Verfahren geht es um mehr als 18.000 Betrugsfälle.

Berlin und Serbien legen Plattform für Telefonbetrug still
Dunkler Serverraum mit technischer Infrastruktur in kühlem blauen Licht. Illustration mit AI erstellt.

Die Polizei Berlin und serbische Sicherheitsbehörden haben die technische Infrastruktur des mutmaßlich größten Anbieters für betrügerische Telefonanrufe im deutschsprachigen Raum zerschlagen. Im Rahmen einer international abgestimmten Aktion nahmen Einsatzkräfte in Serbien zwei Männer fest. Die Plattform soll Kriminellen spezialisierte Werkzeuge bereitgestellt haben, um Täuschungsanrufe in großem Umfang durchzuführen.

Zugriff in Serbien und Durchsuchungen in Deutschland

In Serbien vollstreckten die Einsatzkräfte drei Durchsuchungsbeschlüsse gegen Beschuldigte im Alter von 25, 26 und 27 Jahren. Zwei Haftbefehle richteten sich gegen die beiden Männer im Alter von 26 und 27 Jahren, die festgenommen wurden. Eine 25-jährige Frau gilt als weitere Tatverdächtige. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Berlin wurde die Überstellung der in Serbien festgenommenen Männer nach Deutschland bereits beantragt.

Zeitgleich führten Ermittler in Deutschland Razzien durch. Durchsuchungen fanden im Berliner Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf sowie in Hessen statt, wo sich die Maßnahmen gegen einen 23-Jährigen und einen 41-Jährigen richteten. Zudem gab es in Nordrhein-Westfalen Durchsuchungen bei 14 weiteren Beschuldigten, die im Zuständigkeitsbereich der Staatsanwaltschaft Köln geführt werden.

Im Zuge des Zugriffs beschlagnahmten und deaktivierten die Behörden die technische Basis des Netzwerks. Dazu zählten Domains, Server sowie Telegram-Konten und weitere Teile der für den Betrieb genutzten Infrastruktur.

Tausende Betrugsfälle über manipulierte Rufnummern

Das Verfahren der Staatsanwaltschaft Berlin und des Landeskriminalamts richtet sich gegen fünf Hauptbeschuldigte im Alter von 23 bis 41 Jahren. Ihnen wird Beihilfe zum Computerbetrug in mehr als 18.000 Fällen zur Last gelegt.

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Den Ermittlungen zufolge stellte die Gruppe Dritten VoIP-Dienste zur Verfügung, mit denen kriminelle Handlungen begangen wurden. Über dieses sogenannte Call-ID-Spoofing wurden Telefonnummern gezielt manipuliert, sodass auf den Displays der Angerufenen der Eindruck entstand, es meldeten sich echte Bankmitarbeiter oder Polizeibeamte.

Die Ausmaße der Aktivitäten sind beträchtlich: Über die Plattform wurden mindestens 600.000 Anwahlversuche registriert. Die Staatsanwaltschaft Berlin und das Landeskriminalamt konnten bislang in 70 konkreten Einzelfällen Schäden von insgesamt etwa 764.000 Euro nachweisen. Die mutmaßlichen Einnahmen der Betreiber belaufen sich nach derzeitigem Ermittlungsstand auf mehr als 1,6 Millionen Euro, wie Medien am 13. Oktober 2026 berichteten.

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Die Ermittlungen zu den Hintermännern und den Nutzern der Plattform dauern an. Durch die Sicherstellung der Serverdaten und Kommunikationskanäle erhoffen sich die Strafverfolgungsbehörden weitere Erkenntnisse über das Netzwerk der Anrufer, die über das System agiert haben.

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de | wissenschaft | 70322011 |