Telefonbetrug, ICO

Telefonbetrug: ICO verhängt 190.000-Pfund-Buße gegen Elderly Aids

Veröffentlicht am: 28.08.2026 um 19:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die britische Datenschutzbehörde ahndet 758.053 unerlaubte Anrufe mit 190.000 Pfund. Weltweit nehmen Betrugsfälle über Telekommunikation zu.

Elderly Aids Ltd wegen unerlaubter Werbeanrufe zu Geldstrafe verurteilt
Ein modernes Festnetztelefon auf einem minimalistischen Schreibtisch in einem Büro mit weichem, natürlichem Licht. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Das britische Information Commissioner’s Office (ICO) hat eine Geldbuße in Höhe von 190.000 Pfund gegen das Unternehmen Elderly Aids Ltd verhängt. Die Behörde sanktioniert damit insgesamt 758.053 unerlaubte Werbeanrufe, die das Unternehmen zwischen Mai 2024 und Februar 2025 getätigt hat. Die Anrufe richteten sich gegen Personen, die im Telephone Preference Service (TPS) registriert waren, um genau solche Kontaktaufnahmen zu unterbinden.

Aggressives Vorgehen gegen ältere Verbraucher

Wie die britische Datenschutzbehörde mitteilte, zielte Elderly Aids Ltd mit seiner Kampagne gezielt auf ältere Menschen ab. Paradoxerweise vertreibt das Unternehmen selbst Anrufblocker, die eigentlich vor unerwünschten Werbeanrufen schützen sollen. Die Aufsichtsbehörde erließ neben der Geldstrafe eine Vollstreckungsanordnung und sprach von einer vollständigen Missachtung geltenden Rechts.

Berichten zufolge agierten die Anrufer gegenüber den kontaktierten Personen aggressiv und nutzten irreführende Verkaufstaktiken. Da die Betroffenen durch ihre Registrierung beim TPS explizit signalisiert hatten, keine Telefonwerbung erhalten zu wollen, wertete die Behörde das Vorgehen als schweren Verstoß gegen die Datenschutzbestimmungen für die elektronische Kommunikation.

Massive Zunahme von Betrugsversuchen im Telekommunikationssektor

Die Strafe gegen Elderly Aids Ltd erfolgt in einer Zeit, in der Experten weltweit vor einer Eskalation von Betrugsfällen über Telekommunikationskanäle warnen. Laut einer Untersuchung des Better Business Bureau (BBB) gingen im vergangenen Jahr durch Finanzbetrug weltweit 68 Milliarden US-Dollar verloren.

Die Analyse zeigt eine deutliche Zunahme digitaler Angriffsmuster: Während im Jahr 2023 in den USA 5.985 betrügerische Textnachrichten erfasst wurden, stieg diese Zahl bis 2025 auf 21.839. Auch die Anzahl der registrierten Betrugsanrufe erhöhte sich in diesem Zeitraum von 12.562 auf 38.523.

In Großbritannien verzeichnete die Organisation UK Finance für das Jahr 2025 einen Gesamtschaden durch Zahlungsbetrug in Höhe von 1,28 Milliarden Pfund, was einer Steigerung von 4 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Ein erheblicher Teil davon, rund 576,4 Millionen Pfund, entfiel auf den sogenannten Authorised Push Payment (APP) Betrug.

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Die Daten zeigen zudem, dass 17 Prozent aller Betrugsfälle ihren Ursprung im Telekommunikationsbereich hatten, was jedoch 28 Prozent der gesamten finanziellen Verluste ausmachte. Insbesondere Investmentbetrug nahm deutlich zu und erreichte ein Volumen von 221,5 Millionen Pfund.

Internationale Behörden verschärfen Regulierung und Strafverfolgung

Nicht nur in Großbritannien, sondern auch international gehen Regulierungsbehörden verstärkt gegen illegale Anrufpraktiken vor. Die US-amerikanische Federal Trade Commission (FTC) hat beschlossen, die Gebühren für den Zugriff auf das nationale „Do Not Call“-Register zum 1. Oktober 2026 anzuheben, um die Verwaltung der Schutzliste zu finanzieren.

Gleichzeitig hat das Enforcement Bureau der Federal Communications Commission (FCC) eine Warnung an den Netzanbieter RGTN USA Inc. übermittelt. Dem Unternehmen wird vorgeworfen, illegalen Datenverkehr aus dem Ausland, darunter gefälschte Anrufe (Spoofing) und betrügerische Robocalls, in das US-Netz weitergeleitet zu haben.

In Asien melden Strafverfolgungsbehörden ebenfalls Erfolge im Kampf gegen die organisierte Kriminalität im digitalen Raum. Die Polizei in Peking gab bekannt, dass die Anzahl der Betrugsfälle im Telekommunikationssektor und die damit verbundenen Verluste im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 50 Prozent gesunken seien.

In Indien startete die Polizei in Lucknow im August 2026 die „Operation Digital Kavach“, um gegen Betrugsmaschen wie die „digitale Verhaftung“ vorzugehen. Dabei konnten allein in den ersten drei Augustwochen über 24 Millionen Indische Rupien auf Konten gesichert werden.

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Technologische Abwehrmechanismen und Warnhinweise

Telekommunikationsanbieter reagieren auf die Bedrohungslage mit neuen Sicherheitslösungen. Das Unternehmen CelcomDigi hat eine Voice-Firewall auf Netzwerkebene implementiert, die verdächtige Anrufe bereits während des Verbindungsaufbaus analysiert und markiert.

In einer Pilotphase identifizierte das System 355 Millionen schädliche Anrufe, woraufhin das Unternehmen im Juli 2026 mit dem landesweiten Rollout begann. Kunden erhalten nun Warnhinweise bei eingehenden Gesprächen, die als Betrugsverdacht eingestuft werden.

Verbraucherschützer raten insbesondere älteren Menschen zu erhöhter Vorsicht. Erfahrungen zeigen, dass Kriminelle oft öffentliche Ereignisse oder Fristen nutzen, um ihre Opfer zu kontaktieren. So warnen Experten vor der im Oktober beginnenden Anmeldephase für Versicherungen, da Betrüger in dieser Zeit vermehrt gestohlene Datensätze nutzen, um gezielt Anrufe zu tätigen.

Fälle wie der eines pensionierten Professors in Ahmedabad, der im August 2026 durch eine Betrugsmasche 54,6 Lakh Indische Rupien verlor, verdeutlichen die anhaltende Gefahr durch professionell agierende Tätergruppen.

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