Telefonbetrug in Nordhessen: Senioren verlieren Geld durch Echtzeitüberweisungen
Veröffentlicht am: 05.10.2026 um 22:41 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Kriminelle haben sich in Nordhessen am Telefon als Bankmitarbeiter ausgegeben und damit mehrere Zehntausend Euro erbeutet. Wie die Polizei am 2. Oktober 2026 mitteilte, gerieten gezielt ältere Menschen in Lohfelden, Kassel und Schrecksbach ins Visier der Täter. Die Betrüger nutzten verschiedene technische Täuschungsmethoden, um an Zugangsdaten zu gelangen und unberechtigte Geldtransfers auszulösen.
In Lohfelden erschlichen sich die Anrufer mehrere Transaktionsnummern (TAN) der Betroffenen und veranlassten damit Überweisungen. In Kassel setzten die Täter auf Telefon-Spoofing, bei dem auf dem Telefondisplay eine gefälschte Rufnummer angezeigt wird, um die Opfer zur Freigabe von Überweisungen per TAN oder über den regulären Onlinebanking-Zugang zu bewegen.
In Schrecksbach flankierten die Kriminellen ihr Vorgehen zusätzlich mit einer gefälschten E-Mail im Namen der Bank. Bei allen betroffenen Senioren in Nordhessen handelte es sich um Echtzeitüberweisungen, die nach Angaben der Ermittler bislang in keinem Fall zurückgebucht werden konnten.
Doppelter Betrug in Heringen
Ebenfalls am 2. Oktober 2026 traf es einen Senior in Heringen (Werra). Falsche Bankmitarbeiter behaupteten am Telefon, eine Abbuchung eines Onlinedienstleisters mache eine Sicherheitsprüfung der Bankkarte erforderlich, wie osthessen-news.de in einem Bericht vom 5. Oktober 2026 meldete. Ein Unbekannter holte die Karte direkt an der Wohnanschrift ab und hob anschließend einen vierstelligen Eurobetrag an einem Automaten ab.
Kurz darauf meldeten sich mutmaßlich dieselben Täter erneut telefonisch und kündigten einen Besuch der Kriminalpolizei zur Spurensicherung an. Ein vermeintlicher Beamter verschaffte sich so Zutritt zur Wohnung und stahl Bargeld in mittlerer dreistelliger Höhe.
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Die Polizei beschreibt den falschen Ermittler als schlank, mit kurzen lockigen Haaren, schwarzer Jacke und weißen Sneakern. Das Polizeipräsidium Osthessen bittet um Hinweise zu verdächtigen Wahrnehmungen für den betroffenen Freitag zwischen 11 und 18 Uhr unter der Telefonnummer 0661/105-0 oder über die Onlinewache.
Hohe Schadenssummen auch in Süddeutschland
Die Fälle reihen sich in eine Serie gleichgelagerter Angriffe ein. Bereits am 25. September 2026 brachte ein vermeintlicher Bankmitarbeiter im bayerischen Landkreis Günzburg ein Opfer dazu, mehrere Freigaben in einer Banking-App zu bestätigen. Dadurch flossen rund 129.000 Euro von mehreren Konten ab, bevor diese vorläufig gesperrt werden konnten.
Nach Angaben des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West vom 25. September 2026 wurden im dortigen Dienstbereich im Gesamtjahr 2025 insgesamt 219 Betrugsversuche dieser Art registriert.
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Davon führten 71 Taten zum Erfolg und verursachten über 1 Million Euro Gesamtschaden. Für das laufende Jahr 2026 verzeichnete das Präsidium bis dahin rund 144 Versuche, 52 erfolgreiche Taten und eine Schadenssumme von 683.000 Euro.
Auch die Justiz beschäftigt die Masche: Am Landgericht Stuttgart begann laut einem Bericht vom 5. Oktober 2026 der Prozess gegen zwei Männer, die im Landkreis Ludwigsburg unter dem Vorwand defekter Bankkarten insgesamt 50.000 Euro erbeutet haben sollen.
Warnhinweise der Ermittlungsbehörden
Die Polizei warnt eindringlich vor Anrufen über angebliche Fehlbuchungen, unberechtigte Abbuchungen oder notwendige Systemprüfungen. Geldinstitute fordern niemals am Telefon dazu auf, TANs, Passwörter oder Zugangsdaten mitzuteilen oder Transaktionen in Apps freizugeben.
Im Zweifelsfall sollten Betroffene das Gespräch sofort beenden, die Hausbank über eine selbst recherchierte Rufnummer kontaktieren und bei eingetretenen Schäden umgehend Anzeige erstatten.
