Temu & Shein: Pauschalzoll macht Billig-Shopping teurer
Veröffentlicht: 05.07.2026 um 17:52 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Seit dem 1. Juli 2025 gilt in der EU eine neue Zollregelung für Pakete aus Drittstaaten. Die bisherige 150-Euro-Freigrenze ist gefallen – und damit werden Bestellungen bei Temu, Shein & Co. spürbar teurer.
Pauschalzoll statt Freigrenze
Statt der kompletten Zollbefreiung für Waren unter 150 Euro erhebt die EU nun eine Übergangsregelung. Bis 2028 fällt pro Warengruppe innerhalb einer Sendung ein Pauschalzoll von 3 Euro an.
Die Kostenstaffelung ist einfach: Enthält ein Paket drei T-Shirts, wird einmalig 3 Euro fällig. Sind es aber ein Kleidungsstück, ein Kosmetikprodukt und ein Spielzeug, steigt die Gebühr auf 9 Euro. Branchenbeobachter rechnen damit, dass die Plattformen diese Kosten direkt an die Kunden weitergeben. Die Einfuhrumsatzsteuer von 19 Prozent berechnen Anbieter wie Temu bereits im Voraus.
Logistik stellt sich neu auf
Täglich erreichen rund 12 Millionen Kleinpakete aus Drittstaaten die EU – davon etwa 400.000 Deutschland. Die Zusteller müssen sich anpassen. DHL hat klargestellt: Ein genereller Importstopp besteht nicht, aber Sendungen ohne elektronische Zolldaten werden zurückgeschickt. Die Abwicklung läuft über das sogenannte PDDP-Verfahren.
Eine Neuerung erwartet Kunden ab Ende Juli: Zusteller erhalten dann mobile Bezahlterminals. Zollgebühren und Nachentgelte können per Girocard, Kreditkarte, Apple Pay oder Google Pay an der Haustür bezahlt werden. Barzahlung bleibt möglich, Nachnahme-Sendungen laufen ausschließlich über Girocard.
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Milliardengeschäft unter Druck
Die wirtschaftliche Dimension ist enorm. Laut Handelsverband Deutschland (HDE) setzen Temu und Shein allein in Deutschland rund 4,7 Milliarden Euro um. Besonders beliebt sind die Plattformen bei 16- bis 30-Jährigen, deren typische Bestellwerte zwischen 20 und 50 Euro liegen.
Der Bayerische Handelsverband und Verbraucherschützer begrüßen die neuen Regeln als Schritt zu fairem Wettbewerb. Doch chinesische Händler reagieren bereits: Sie lagern Waren verstärkt in EU-Lager aus oder teilen Pakete künstlich auf, um formale Grenzwerte zu unterschreiten.
Handelskrieg mit China eskaliert
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Die Zollreform ist Teil einer größeren Strategie. Das EU-Handelsdefizit mit China lag 2025 bei rund 360 Milliarden Euro. Brüssel hat Peking eine Frist bis Oktober 2026 gesetzt, um Subventionen und unlautere Praktiken abzubauen – sonst drohen weitere Maßnahmen.
Die USA sind bereits weiter: Dort fiel die De-Minimis-Regelung für Sendungen bis 800 US-Dollar schon im August 2025. In Europa soll die Pauschalregelung 2028 durch ein zentrales EU-Zolldatenzentrum ersetzt werden. Experten warnen zudem vor einer Welle von Phishing-Betrug: Gefälschte Benachrichtigungen über angebliche Zollgebühren sind bereits im Umlauf.
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