Tenside, Enzyme

Tenside und Enzyme: Chemie-Industrie revolutioniert Waschmittel

Veröffentlicht: 03.07.2026 um 16:20 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Neue Tenside und Enzyme verbessern Umweltbilanz und Effizienz in Reinigung, Textilproduktion und Abwasserbehandlung.

Chemieindustrie setzt auf umweltfreundliche Tenside und Enzyme
Nahaufnahme einer klaren, sprudelnden Flüssigkeit in einem Laborbecher, umgeben von grünem Laub, das natürliche Inhaltsstoffe symbolisiert. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Im Fokus stehen spezialisierte Tenside und enzymatische Lösungen, die sowohl die Umweltbilanz verbessern als auch industrielle Prozesse effizienter machen. Ressourcenschonung und Hautverträglichkeit rücken dabei in den Mittelpunkt der Forschung.

Tenside: Vom Kokosnussöl zum Ölfeld

Die Wahl der Tenside entscheidet maßgeblich über das ökologische Profil von Reinigungsmitteln. Lauraminoxid (LDAO) etwa gilt als Vorzeigebeispiel: Das aus Kokosnuss- oder Palmkernöl gewonnene amphotere Tensid ist vollständig biologisch abbaubar. Es reinigt, emulgiert und ist dabei besonders mild zu Haut und Haar – ideal für Körperpflege und Haushaltsreiniger.

Parallel dazu gewinnt Natrium-Alpha-Olefinsulfonat (AOS) an Bedeutung. Das anionische Tensid wird vermehrt in der Industriereinigung und sogar in der tertiären Ölförderung eingesetzt. Seine Stärke: stabile Schaumbildung und Reinigungskraft selbst in hartem Wasser. Angeboten wird es als 35-prozentige Flüssigkeit oder 92-prozentiges Pulver – und es zersetzt sich rasch in harmlose Stoffwechselprodukte.

Für Anwendungen mit höchsten Hautverträglichkeitsansprüchen kommt Disodium Cocoamphodiacetate zum Einsatz. Die Substanz erhält die Lipidbarriere der Haut, minimiert Reizungen und liefert eine luxuriöse Schaumstruktur. Bei der industriellen Entfettung von Leder oder als Antistatikum für Polyester setzt die Branche dagegen weiter auf Natriumlinear-Dodecylbenzolsulfonat (LAS) – trotz seiner starken Reinigungswirkung ebenfalls als biologisch abbaubar eingestuft.

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Enzyme revolutionieren die Textilbearbeitung

Die Textilindustrie setzt zunehmend auf Biokatalysatoren. Das Wasch-Enzym CY-E60 dient als Alternative für die Nachbehandlung von Färbungen. Es kommt ohne Nonylphenol (NP) und Alkylphenolethoxylate (APEO) aus und senkt den Wasser- und Energieverbrauch in der Produktion.

Besonders weit sind die Fortschritte bei Denim-Stoffen. Ein sogenanntes Ein-Bad-Enzym kombiniert Entschlichtung und Polieren des Stoffes in einem einzigen Schritt. Das reduziert den Chemikalienbedarf und optimiert die Ressourceneffizienz. Für die Hydrolyse von Stärke-Schlichtemitteln wurde zudem die Amylase CY-15 entwickelt – sie verbessert die Farbstoffaufnahme und verringert das Abwasservolumen.

Ein weiterer Schwerpunkt: thermostabile, alkalische Proteasen aus Bacillus paramycoides. Diese Enzyme bleiben bei hohen Temperaturen und in alkalischen pH-Bereichen aktiv. Genau das macht sie zu wirksamen Bestandteilen für „grüne“ Waschmittel, die Proteinverschmutzungen effizient abbauen.

Abwasserreinigung wird biologisch

Auch bei der Abwasserbehandlung gewinnen Bio-Enzyme an Bedeutung. Bakterienkonsortien und Enzyme wie Lipasen und Proteasen senken den chemischen und biochemischen Sauerstoffbedarf (CSB/BSB) in Industrieabwässern signifikant. Gleichzeitig unterstützen sie die Entfernung von Nitrat und Ammonium.

Die biotechnologischen Methoden senken laut Branchenexperten die Betriebskosten. Geringere Erstdosierungen und verlängerte Intervalle bei der Nachbeschickung verkürzen die Behandlungszeiten. Gleichzeitig sinkt das Volumen des anfallenden Klärschlamms.

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Das Problem mit der richtigen Dosis

So gut die neuen Inhaltsstoffe auch sind – das Nutzerverhalten bleibt der kritische Faktor. Eine Überdosierung moderner, hochwirksamer Waschmittel hat negative Folgen: Rückstände auf Textilien, unangenehme Gerüche und Ablagerungen in den Maschinen. Eine bedarfsgerechte Dosierung, orientiert an Wasserhärte und Verschmutzungsgrad, schont nicht nur Kleidung und Maschine. Sie reduziert vor allem die unnötige Freisetzung von Chemikalien in den Wasserkreislauf.

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