Teradyne, Sereact

Teradyne und Sereact: Cortex macht Universal-Robots-Arme fit für Retouren

Veröffentlicht am: 22.10.2026 um 15:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Kooperation integriert Sereacts Cortex in Universal-Robots-Cobots; Retouren werden bereits in Zalando-Logistikzentren automatisiert sortiert.
Ein modernes Logistiklager mit geordneten Regalsystemen in einer hellen, minimalistischen Industriehalle. Illustration mit AI erstellt.

In Berlin haben Teradyne Robotics und das KI-Unternehmen Sereact eine offizielle Partnerschaft bekannt gegeben. Im Zentrum der Kooperation steht die Integration von Sereacts Plattform für physische künstliche Intelligenz namens Cortex in die Roboterarme von Universal Robots.

Das System soll unstrukturierte Aufgaben wie das sogenannte Piece-Picking und die automatisierte Retourenabwicklung in den Bereichen Einzelhandel, Logistik und Fertigung übernehmen.

Intelligente Roboterarme für komplexe Lagerprozesse

Durch die Zusammenarbeit bündeln beide Unternehmen ihre Kernkompetenzen. Laut Anders Billesø Beck, Vice President für KI-Robotikprodukte bei Universal Robots, verknüpfe die Partnerschaft Sereacts Software mit der etablierten Cobot-Plattform.

Jacob Pascual Pape, Chief Commercial Officer bei Teradyne Robotics, verwies auf mehr als 100.000 industrielle Installationen der Universal-Robots-Systeme als Beleg für deren Zuverlässigkeit. Teradyne Robotics hat nach eigenen Angaben bereits hunderte Roboter in Zwei-Arm-Konfigurationen an Standorten europäischer Kunden im Praxisbetrieb im Einsatz.

Universal Robots hatte erst im September die Gen-7-Plattform eingeführt. Für Teradyne Robotics, eine Sparte der an der NASDAQ gelisteten Teradyne, Inc., zielt die Kooperation darauf ab, die Wertschöpfung vom reinen Hardware-Verkauf hin zu einer intelligenten Softwareebene zu verschieben.

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Sereact wiederum erhält durch das Abkommen Zugang zum internationalen Vertriebs- und Integratorennetzwerk von Universal Robots. Ein genauer Zeitplan für die weitere Umsetzung der Partnerschaft wurde zunächst nicht genannt.

Praxisanwendung in der Mode-Logistik

Ein zentrales Einsatzfeld der kombinierten Technologie ist die Textillogistik. In den Fulfillment-Zentren von Zalando im westfälischen Greven sowie im polnischen ?wiebodzin übernehmen Cobots des Typs UR12e-1300 mit Cortex-Steuerung die Bearbeitung von Retouren.

Die Systeme greifen und sortieren unstrukturiert angelieferte Kleidungsstücke ohne feste Vorgaben zur Anordnung. Es handelt sich um einen regulären Betriebseinsatz im Rahmen der ersten Phase einer europaweiten Skalierung. Bereits am 7. Oktober 2026 hatte der Dienstleister CEVA Logistics den Live-Betrieb der Zwei-Arm-Systeme als Mietmodell im Sinne von Robotics-as-a-Service gemeldet.

Der Onlinehändler Zalando bedient 62 Millionen aktive Kunden in 29 Märkten, führt über 7.000 Marken und muss monatlich Hunderttausende Retouren abwickeln. Der automatisierte Sortierprozess unterstützt dabei auch die Einhaltung europäischer Vorgaben gegen die Vernichtung unverkaufter oder retournierter Textilien.

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Auf der Entwicklerkonferenz NVIDIA GTC in Berlin präsentierte Sereact eine Live-Demonstration des Setups auf zwei UR12e-1300-Cobots gemeinsam mit CEVA Logistics für Zalando.

Technologische Basis und wirtschaftliche Faktoren

Sereact sicherte sich in einer Series-B-Finanzierungsrunde im Jahr 2026 Mittel in Höhe von 116 Millionen US-Dollar und zählt Unternehmen wie IKEA, DHL, BMW, Mercedes-Benz und Daimler Truck zu seinem Kundenkreis. Im Sommer 2026 eröffnete das Start-up zudem eine US-Zentrale in Boston im Bundesstaat Massachusetts, um den nordamerikanischen Markt zu erschließen.

Technologisch trainiert das Unternehmen seine Cortex-Plattform in Simulationsumgebungen mit NVIDIA Isaac Sim und Cosmos, nutzt Isaac Lab für das nachgelagerte Training und führt Berechnungen am Roboter über NVIDIA Jetson Thor aus, während die Entwicklung auf DGX-Spark-Systemen erfolgt.

Trotz der Praxiserfolge stehen Automatisierungslösungen weiterhin vor wirtschaftlichen und betrieblichen Anforderungen. Für potenzielle Auftraggeber bleibt der reale Durchsatz an Picks pro Stunde bei gemischten Retouren sowie die Häufigkeit menschlicher Eingriffe maßgeblich für die Rentabilität.

Zudem stoßen entsprechende Systeme bislang vor allem in kontrollierten Distributionszentren auf verlässliche Rahmenbedingungen, während unvorhersehbare Umgebungen wie Verkaufsflächen im Einzelhandel oder öffentliche Straßen höhere technische Hürden darstellen.

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