Tesla, Autonomes Fahren

Tesla Robotaxi Cybercab: US-Behörde prüft Einsatz ohne Lenkrad und Pedale

Veröffentlicht am: 17.09.2026 um 05:22 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Die US-Verkehrsaufsicht NHTSA stellt Teslas neues Robotaxi Cybercab ohne Lenkrad und Pedale auf den Prüfstand und droht bei Verstößen mit hohen Strafen. Der Streit könnte wegweisend für die Regulierung des autonomen Fahrens in den USA werden.

Erste Fahrzeuge von Teslas selbstfahrendem Cybercab ohne Lenkrad und Pedale befördern Menschen im texanischen Austin. (Archivbild) - Bild: Eric Gay/AP/dpa
Erste Fahrzeuge von Teslas selbstfahrendem Cybercab ohne Lenkrad und Pedale befördern Menschen im texanischen Austin. (Archivbild) - Bild: Eric Gay/AP/dpa

Die US-Verkehrsaufsicht NHTSA geht gegen das neue Tesla-Robotaxi Cybercab vor, das ohne Lenkrad und Pedale im amerikanischen Straßenverkehr unterwegs ist.

Behörde fordert Auskunft zu Bremse und Sicherheit

Die National Highway Traffic Safety Administration (NHTSA) hat Tesla einen Fragenkatalog geschickt, in dem sie unter anderem auf die US-Regel verweist, dass Fahrzeuge im Straßenverkehr eine per Fuß bedienbare Bremse besitzen müssen. Die Behörde verlangt Auskunft, wie ein Cybercab ohne Pedale diese Sicherheitsvorschrift erfüllt. Für die Antwort setzte sie Tesla eine Frist bis Ende September. Bei anhaltenden Verstößen drohen dem Unternehmen Geldstrafen von bis zu 139 Millionen Dollar, umgerechnet rund 121 Millionen Euro.

Cybercab startete in Austin ohne Sondergenehmigung

Vor dem Betriebsstart einiger Cybercabs im texanischen Austin Anfang September hatte Tesla in einem üblichen Verfahren selbst erklärt, die Fahrzeuge entsprächen den gängigen Verkehrssicherheitsvorschriften. Die NHTSA stellte diese Einschätzung umgehend infrage, da nach den US-Regeln alle Wagen auf öffentlichen Straßen ein Lenkrad und Pedale haben müssen. Der Robotaxi-Anbieter Waymo setzt zwar ebenfalls auf autonome Fahrten ohne Menschen am Steuer, behält aber klassische Steuerelemente in tausenden seiner Fahrzeuge bei, damit Polizei oder Feuerwehr bei Bedarf eingreifen können.

Ausnahmeregelung ungenutzt – Display ohne Funktion

Für Fahrzeuge ohne Lenkrad und Pedale existiert in den USA eine spezielle Ausnahmeregelung: Nach Prüfung durch die NHTSA können Unternehmen die Genehmigung erhalten, bis zu 2500 solcher Fahrzeuge im Straßenverkehr zu betreiben. Die Amazon-Tochter Zoox nutzt diese Möglichkeit bereits und transportiert in Las Vegas und San Francisco Fahrgäste mit neuartigen Beförderungskapseln. Tesla beantragte eine entsprechende Ausnahmegenehmigung für das Cybercab hingegen nicht.

Steuerdisplay statt Lenkrad – Kritik am Konzept

Einige Fahrgäste berichteten, sie hätten beim Einsteigen ins Cybercab auf dem Fahrzeugdisplay Steuerelemente gesehen, die jedoch nicht auf ihre Eingaben reagiert hätten. Tesla könnte diese Display-Funktion als Ersatz für klassische Bedienelemente verstehen. Zugleich knüpft der Streit an Musks umfassende Pläne an, wonach autonomes Fahren und humanoide Roboter die Zukunft des Unternehmens prägen sollen. Anders als Konkurrenten wie Waymo setzt Tesla ausschließlich auf Kameras und verzichtet auf teure Laser-Radare zur Umfeldmessung, was Branchenexperten und Wettbewerber als Sicherheitsrisiko kritisieren. Trotz wiederholter Ankündigungen hat Tesla bislang nur wenige selbstfahrende Fahrzeuge ohne menschliche Aufsicht auf die Straße gebracht.

Regulatorischer Konflikt um radikal neues Fahrzeugkonzept

Der Konflikt zwischen Tesla und der US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA markiert einen neuen Eskalationspunkt in der Regulierung des autonomen Fahrens. Während bisherige Robotaxi-Anbieter wie Waymo oder Zoox ihre Fahrzeuge zwar hochautomatisiert betreiben, bleiben klassische Steuerelemente wie Lenkrad und Pedale aus Gründen der Sicherheit und Nutzbarkeit erhalten. Teslas Cybercab bricht bewusst mit diesem Paradigma – und prallt damit direkt auf Regelwerke, die bislang von einem menschlichen Fahrer als letzter Instanz ausgehen.

Spannungsfeld zwischen Innovation und Sicherheit

Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Verkehrsrecht und Sicherheitsstandards mit Fahrzeugen umgehen, die keinen klassischen Fahrerplatz mehr besitzen. Die Vorgabe einer per Fuß bedienbaren Bremse zielt ursprünglich darauf, einem Menschen jederzeit Kontrolle zu ermöglichen. Teslas Ansatz, Steuerfunktionen auf ein Display zu verlagern, stellt die seit Jahrzehnten etablierten Sicherheitsprinzipien infrage. Für Behörden wie die NHTSA geht es daher nicht nur um Formalien, sondern um die Prüfung, ob bestehende Regeln für vollkommen neue Fahrzeugkonzepte ausreichen oder angepasst werden müssen – ohne dabei die Sicherheit von Fahrgästen und anderen Verkehrsteilnehmern zu gefährden.

Folgen für Tesla und den Markt für autonomes Fahren

Für Tesla steht viel auf dem Spiel: Neben möglichen hohen Strafzahlungen könnten Auflagen oder Einschränkungen den weiteren Einsatz des Cybercab-Modells in den USA bremsen. Zugleich baut Unternehmenschef Elon Musk die Zukunft Teslas stark auf autonomes Fahren und Robotaxis auf. Der aktuelle Vorgang dürfte daher auch andere Hersteller und Investoren aufmerksam machen, weil er exemplarisch zeigt, wie eng Innovationsspielraum und regulatorische Grenze derzeit beieinander liegen. Für Nutzer und Kommunen, die auf autonome Mobilitätsangebote setzen, entscheidet sich an solchen Fällen, ob und wie schnell vollständig fahrerlose Fahrzeuge ohne klassische Bedienelemente tatsächlich zum Alltag gehören werden.

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