TherapieplÀtze, Jugendliche

TherapieplĂ€tze fĂŒr Jugendliche: 28 Wochen Wartezeit im Durchschnitt

Veröffentlicht am: 12.10.2026 um 11:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Psychische Erkrankungen verursachen lÀngere AusfÀlle, wÀhrend Kinder und Jugendliche durchschnittlich rund 28 Wochen auf ambulante Therapie warten.

Psychische Gesundheit: Fehlzeiten steigen, TherapieplÀtze bleiben knapp
Ein leerer, ruhig gestalteter Wartebereich mit Stuhlreihen in einem hellen, modernen Raum. Illustration mit AI erstellt.

Die Aktionswoche zur seelischen Gesundheit und der Welttag der psychischen Gesundheit rĂŒcken eine wachsende Diskrepanz in den Fokus: WĂ€hrend Diagnosen und krankheitsbedingte Fehlzeiten kontinuierlich zunehmen, sehen sich Betroffene mit langen Wartezeiten auf TherapieplĂ€tze und psychiatrische Hilfen konfrontiert.

Aktuelle Erhebungen belegen die steigenden Belastungen in Betrieben, Schulen und Gesundheitssystemen sowie die damit verbundenen volkswirtschaftlichen Kosten.

Steigende Fehlzeiten und volkswirtschaftliche Belastungen

Im Arbeitsleben spiegeln sich psychische Erkrankungen in einer anhaltenden Zunahme von Ausfallzeiten wider. Laut dem am 8. Oktober 2026 vorgelegten Fehlzeiten-Report des AOK-Bundesverbandes stiegen die psychisch bedingten Fehltage bei AOK-versicherten BeschÀftigten innerhalb von zehn Jahren um fast 42 Prozent.

Kamen 2016 auf 100 Mitglieder noch 284 Ausfalltage, waren es im Jahr 2025 bereits 403 Tage. Bei Burnout-Diagnosen erhöhte sich die Quote im selben Zeitraum von 11,0 auf 19,5 Tage je 100 Mitglieder, was einem Anstieg um 77 Prozent entspricht.

WÀhrend Krankschreibungen wegen Atemwegserkrankungen im Jahr 2025 durchschnittlich 5,7 Tage dauerten, wÀhrte ein psychisch bedingter Ausfall im Schnitt 28,5 Tage.

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Besonders betroffen waren BeschĂ€ftigte im Dialogmarketing mit 39,0 FĂ€llen je 100 Mitglieder, gefolgt von der Haus- und Familienpflege mit 25,6 sowie der Altenpflege mit 24,9 FĂ€llen. Helmut Schröder, GeschĂ€ftsfĂŒhrer des Wissenschaftlichen Instituts der AOK, fĂŒhrte einen Teil des Anstiegs auf die seit Juli 2022 verpflichtende elektronische ArbeitsunfĂ€higkeitsbescheinigung zurĂŒck.

Die ökonomischen Folgen sind gravierend: Die vorlĂ€ufigen Krankengeldausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung beliefen sich 2025 auf 21,6 Milliarden Euro. Eine Studie um Klaus Prettner von der WirtschaftsuniversitĂ€t Wien bezifferte den weltweiten Schaden durch Depressionen fĂŒr die Jahre 2025 bis 2050 auf geschĂ€tzt 10,7 Billionen Euro, was rund 0,46 Prozent der jĂ€hrlichen weltweiten Wirtschaftsleistung entspricht.

Lange Wartezeiten bei Kindern und Jugendlichen

Besonders angespannt stellt sich die Lage bei jĂŒngeres Altersgruppen dar. Nach Angaben der Bundespsychotherapeutenkammer warten Kinder und Jugendliche im Durchschnitt rund 28 Wochen auf einen ambulanten Psychotherapieplatz.

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Das Deutsche Schulbarometer der Robert Bosch Stiftung wies darauf hin, dass rund ein Viertel der SchĂŒlerinnen und SchĂŒler psychisch hoch belastet ist. Zudem stieg die Zahl neu diagnostizierter ADHS-FĂ€lle zwischen 2020 und 2024 deutlich an, sodass 2024 bundesweit hochgerechnet rund 202.000 MinderjĂ€hrige erstmals diese Diagnose erhielten.

Auch der Einsatz von Medikamenten hat sich verÀndert. Auswertungen der KKH zeigen, dass der Anteil der 6- bis 18-JÀhrigen mit Psychopharmaka-Verordnungen zwischen 2014 und 2024 um rund 18 Prozent zunahm, womit etwa drei von 100 Heranwachsenden betroffen waren.

Defizite in den Versorgungsstrukturen

Weltweit bestehen bei den Versorgungsmodellen erhebliche RĂŒckstĂ€nde. Wie der Mental Health Atlas der Weltgesundheitsorganisation vom 9. Oktober 2026 verdeutlicht, haben bislang nur neun Prozent der erfassten LĂ€nder vollstĂ€ndig auf gemeindenahe Pflege umgestellt, wĂ€hrend sich 53 Prozent noch in den Anfangsphasen von Reformen befinden.

Mehr als jede vierte in psychiatrische Kliniken aufgenommene Person bleibt lĂ€nger als sechs Monate dort, fast die HĂ€lfte wird ohne Zustimmung untergebracht. WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus forderte verstĂ€rkte Investitionen in lokale Dienste, da Betroffene weder Freiheit noch Gemeinschaftsbindung verlieren dĂŒrften.

In Deutschland wird zugleich ĂŒber Steuerungsmodelle diskutiert. Der Vorstandsvorsitzende der KassenĂ€rztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, warnte vor ĂŒberzogenen Erwartungen an geplante Termingarantien, da diese mengenmĂ€ĂŸig nicht funktionierten, und forderte eine vorrangige Zuweisung dringender FĂ€lle.

DemgegenĂŒber betonte der Sozialverband Deutschland, eine verlĂ€ssliche Termingarantie sei der wirksamste Hebel, um Ungleichheiten bei der Terminvergabe abzubauen.

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