Tierversuchsersatz, EPA

Tierversuchsersatz: EPA validiert zwei neue Testmethoden ab 2035

Veröffentlicht am: 03.09.2026 um 05:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die EPA validiert zwei tierversuchsfreie Verfahren, doch NRDC-Analysen sehen bei einer Pestizidgleichung nur 55 Prozent Übereinstimmung

EPA führt tierversuchsfreie Methoden für Chemikalientests ein
Moderne Laborausstattung mit Petrischalen und Glasgefäßen in einer sterilen, hellen Laborumgebung. Illustration mit AI erstellt.

Die US-Umweltbehörde EPA hat Ende August die Übernahme von zwei neuen, tierversuchsfreien Methoden zur Bewertung der Chemikaliensicherheit bekannt gegeben. Dieser Schritt markiert eine Neuausrichtung in der behördlichen Teststrategie und reaktiviert Pläne, die den vollständigen Ausstieg aus Tierversuchen bis zum Jahr 2035 vorsehen. Die nun validierten Verfahren betreffen spezifische Risikobereiche bei Tensiden und Pestizidmischungen.

Neue Modelle für die Toxizitätsprüfung

Die Ankündigung vom 27. August umfasst zwei unterschiedliche methodische Ansätze. Zum einen hat die Behörde ein Zellmodell adaptiert, das aus menschlichen Atemwegszellen besteht.

Dieses Verfahren dient dazu, potenzielle Lungenreizungen durch Tenside vorherzusagen, ohne auf In-vivo-Tests zurückgreifen zu müssen. Zum anderen setzt die EPA künftig auf eine spezielle Mischungsgleichung. Diese soll die akute orale Toxizität bestimmter Pestizidmischungen berechnen.

Unter der Leitung von Zeldin wurde zudem das Ziel bekräftigt, Tierversuche im Bereich der Sicherheitsbewertungen langfristig zu ersetzen. Damit knüpft die Behörde an frühere Strategiepapiere an, die eine Transformation der toxikologischen Prüfung fordern. Unterstützung erhält die EPA für diese Entscheidung vom Physicians Committee for Responsible Medicine, das die Einführung der beiden Methoden als positiven Fortschritt begrüßte.

Kritik an methodischen Unsicherheiten

Trotz der behördlichen Anerkennung gibt es kritische Stimmen hinsichtlich der Zuverlässigkeit der neuen Verfahren. Jennifer Sass vom Natural Resources Defense Council (NRDC) wies in einem Bericht Anfang September auf potenzielle Einschränkungen hin. So gebe es Bedenken bezüglich der Reproduzierbarkeit der Ergebnisse sowie der damit verbundenen Kosten.

Ein wesentlicher Kritikpunkt betrifft die statistische Genauigkeit der eingeführten Mischungsgleichung. Laut Analysen des NRDC stimmten die Ergebnisse dieser Gleichung lediglich in 55 % der untersuchten Fälle mit den Ergebnissen aus herkömmlichen In-vivo-Studien überein. Diese Diskrepanz wirft Fragen zur Vorhersagekraft der mathematischen Modelle im Vergleich zu biologischen Tests auf.

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Internationale Trends bei alternativen Prüfmethoden

Die Entscheidung der EPA steht im Kontext einer weltweiten Entwicklung hin zu sogenannten New Approach Methodologies (NAMs). Auch in Europa werden derzeit ähnliche Bestrebungen forciert. Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) startete unlängst einen Pilotversuch zur freiwilligen Dateneinreichung für solche neuartigen Ansätze im Arzneimittelsektor. Dieser Versuch ist bis zum dritten Quartal 2027 angelegt.

Parallel dazu treibt das Fraunhofer ITEM im Rahmen des EU-Projekts RISK-HUNT3R den sogenannten ASPA-Workflow voran. Dieses System umfasst etwa 55 Bewertungselemente und wird durch eine spezialisierte Software unterstützt. Es kombiniert NAMs mit toxikokinetischen Modellen für inhalierbare Stoffe sowie Expositionsdaten.

Auch die OECD untersucht in Fallstudien die Kombination von Hochdurchsatz-Assays mit maschinellem Lernen, um toxische Substanzen effizienter zu priorisieren.

Notwendigkeit effizienter Screening-Verfahren

Die Relevanz beschleunigter Prüfverfahren wird durch aktuelle Untersuchungen zur Chemikalienexposition unterstrichen. Eine Studie des Food Packaging Forum vom 1. September 2026 identifizierte mehr als 15.000 Chemikalien in Lebensmittelkontaktmaterialien, wobei für 87 % der Stoffe keine ausreichenden Sicherheitsdaten vorlagen. Mit Hilfe neuer Gruppierungsansätze und digitaler Tools wurden dabei 1.222 prioritäre gefährliche Chemikalien ermittelt.

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Zudem zeigen Berichte von Ökotest aus dem September 2026 eine anhaltend hohe Belastung von Konserven mit Bisphenol A, wobei Grenzwerte teils um das 100-Fache überschritten wurden.

Die Entwicklung tierversuchsfreier Hochdurchsatz-Verfahren, wie sie auch an der Universität Basel mit Organoidlinien für die Tumorforschung erprobt werden, gilt in Fachkreisen als notwendiger Weg, um derartigen regulatorischen Herausforderungen künftig schneller begegnen zu können.

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