Tierversuchsfreie, Forschung

Tierversuchsfreie Forschung: DFG dokumentiert Anstieg auf 95 Projekte

Veröffentlicht am: 21.09.2026 um 15:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die DFG erfasste 2025 mehr Projekte mit Alternativmethoden, doch drei Viertel der lebenswissenschaftlichen Vorhaben enthielten weiterhin Tierversuchskosten.

DFG-Analyse: NAM-Projekte steigen, Tierversuche bleiben dominant
Ein Mikrofluidik-Chip auf einem sterilen Labortisch, der stellvertretend für moderne alternative Forschungsmethoden steht. Illustration mit AI erstellt.

Die Bedeutung von sogenannten neuen Alternativmethoden (New Approach Methodologies, NAMs) in der medizinischen Forschung wird zunehmend durch systematische Datenauswertungen erfasst.

Eine Untersuchung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) bietet detaillierte Einblicke in die Nutzung dieser Technologien im Zeitraum von 2017 bis 2025. Die Analyse stützt sich auf eine automatisierte Volltextsuche innerhalb bewilligter Förderanträge. Dabei wurde eine Nutzung von NAMs unterstellt, wenn Begriffe wie Organoide, 3D-Gewebemodelle, Organ-on-a-Chip oder Bioprinting in mindestens vier Sätzen eines Antrags vorkamen. Eine Einzelprüfung der betroffenen Projekte erfolgte im Rahmen dieser automatisierten Methodik nicht.

Statistische Entwicklung der Förderprojekte bis 2025

Die erhobenen Daten verdeutlichen einen quantitativen Anstieg bei der Förderung von Projekten, die auf tierversuchsfreie Ansätze setzen. Im Bereich der Sachbeihilfen mit NAM-Beteiligung verzeichnete die DFG einen Zuwachs von 35 Projekten im Jahr 2017 auf 95 Projekte im Jahr 2025. Trotz dieser Steigerung zeigt eine detaillierte Betrachtung des Jahres 2025, dass klassische Forschungsmodelle weiterhin dominieren.

Von insgesamt 345 Einzelprojekten in den Lebenswissenschaften wurden im Jahr 2025 lediglich 86 Vorhaben (24,9 %) als Projekte mit NAM-Nutzung identifiziert. Demgegenüber standen 259 Projekte (75,1 %), die Tierversuchskosten aufwiesen, ohne dabei die definierte Schwelle für NAM-Begrifflichkeiten zu erreichen.

Auch in größeren Forschungsverbünden ist ein paralleler Einsatz verschiedener Methoden festzustellen. In 20 von 23 lebenswissenschaftlichen Sonderforschungsbereichen (SFB) wurden im Jahr 2025 NAMs identifiziert; in 19 dieser Verbünde wurden jedoch gleichzeitig Mittel für Tierversuche aufgewendet.

Kontroversen um die Bewertung der Komplementarität

Die DFG leitet aus den vorliegenden Daten die Schlussfolgerung ab, dass NAMs und Tierversuche komplementär zueinander stünden. Die Organisation vertritt den Standpunkt, dass alternative Methoden Tierversuche derzeit nicht vollständig ersetzen könnten. Diese Interpretation stößt jedoch auf Widerspruch bei Fachverbänden.

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Laut Berichten vom September 2026 kritisieren Vertreter der Organisation Ärzte gegen Tierversuche (ÄgT) diese Schlussfolgerung als unbelegt. Aus Sicht des Verbandes sei die Behauptung, NAMs könnten Tierversuche nicht vollständig ersetzen, nicht durch die vorliegende automatisierte Auswertung der Anträge gedeckt.

Ein Fachverband fordert stattdessen, dass die Frage, inwieweit NAMs eine Ergänzung oder einen tatsächlichen Ersatz darstellen, erst durch die Auswertung bereits abgeschlossener Projekte fundiert beurteilt werden könne. Die reine Erwähnung der Methoden in Förderanträgen reiche für eine qualitative Bewertung des Substitutionspotenzials nicht aus.

Internationaler Kontext und regulatorische Tendenzen

Die Diskussion in Deutschland findet vor dem Hintergrund internationaler Bestrebungen statt, die Forschungslandschaft stärker in Richtung humanbasierter Technologien zu lenken. Bereits im Jahr 2025 kündigte die US-Gesundheitsbehörde NIH (National Institutes of Health) an, humanbasierte Technologien künftig zu priorisieren.

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In diesem Zusammenhang verlangt das Nationale Krebsinstitut der USA (NCI) mittlerweile eine explizite Begründung, wenn Tierversuche in Forschungsvorhaben eingesetzt werden sollen.

Die vollständige Analyse der DFG zur Nutzung von NAMs wurde unter anderem in einer Pressemitteilung sowie auf einem dedizierten Datenportal der Organisation zugänglich gemacht. Die Debatte verdeutlicht, dass die Erfassung der Methodik zwar Fortschritte macht, die Bewertung des technologischen Wandels in der medizinischen Spitzenforschung jedoch weiterhin ein zentraler Streitpunkt zwischen Förderorganisationen und Tierschutzvertretern bleibt.

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