Tigermücke, Deutschland

Tigermücke in Deutschland: Dengue-Fälle in Vietnam explodieren um 65%

09.06.2026 - 23:42:38 | boerse-global.de

Die Asiatische Tigermücke etabliert sich zunehmend in Deutschland und Frankreich. Klimawandel und milde Winter begünstigen die Verbreitung der Überträger von Dengue- und Chikungunya-Viren.

Asiatische Tigermücke: Ausbreitung in Deutschland und Europa nimmt zu
Tigermücke - Eine asiatische Tigermücke sitzt auf einem menschlichen Arm. Im unscharfen Hintergrund sind Gebäude einer europäischen Stadt zu sehen. 09.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Gesundheitsbehörden schlagen Alarm – denn die Insekten übertragen gefährliche Viren wie Dengue, Chikungunya und Zika.

Während die Mückenart in Südeuropa längst heimisch ist, zeigen aktuelle Nachweise: Auch in Deutschland wachsen die Populationen. Besonders betroffen sind Regionen in Süddeutschland und Sachsen.

Stabile Populationen in Sachsen und Baden-Württemberg

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In Baden-Württemberg ist bereits mehr als die Hälfte der Landesfläche betroffen. Konkrete Nachweise gibt es unter anderem in den Landkreisen Heidenheim, dem Alb-Donau-Kreis und dem Kreis Neu-Ulm.

In Sachsen beobachten Forscher wie Matthias Nuß vom Senckenberg Dresden seit zwei Jahren eine stabile, etablierte Population. Die milden Winter sorgen dafür, dass die Saison immer früher beginnt.

Auch Frankreich kämpft mit der Ausbreitung: In der Region Centre-Val de Loire war die Mücke 2025 in allen sechs Departements nachgewiesen. Waren 2019 noch zwei Gemeinden betroffen, stieg die Zahl auf 123 Gemeinden. Rund 45 Prozent der regionalen Bevölkerung leben damit in Risikogebieten. Zur Überwachung wurden dort 331 Fallen installiert.

Klimawandel begünstigt die Ausbreitung

Die Wissenschaft ist sich einig: Der Klimawandel treibt die Verbreitung der Tigermücke voran. Eine Studie der Universität Zhejiang zeigt: Sobald die Durchschnittstemperatur in den kältesten Monaten über minus drei Grad Celsius liegt, kann die Mücke überwintern und sich dauerhaft ansiedeln.

Eine weitere Studie im Fachjournal Frontiers in Cellular and Infection Microbiology prognostiziert: Bis 2100 könnten weite Teile Mitteleuropas, Nordamerikas und Ostasiens zu Risikozonen für das Chikungunya-Virus werden. Aktuell sind rund 21 Prozent der globalen Landfläche in 139 Ländern betroffen.

Die Ausbreitung der Tigermücke ist für mehr als 70 Prozent der prognostizierten Virus-Verbreitung verantwortlich. Experten fordern deshalb: Die Überwachungssysteme und klinischen Diagnosen müssen vor 2040 deutlich verbessert werden.

Dengue-Fälle in Vietnam explodieren

Ein Blick nach Südostasien zeigt, was Deutschland drohen könnte. In Ho-Chi-Minh-Stadt wurden bis Ende Mai 2026 insgesamt 17.718 Dengue-Fälle registriert – ein Anstieg um 64,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Das dortige Zentrum für Krankheitskontrolle (HCDC) meldete vier Todesfälle. Die Experten warnen vor einem möglichen vierjährigen Ausbruchszyklus, wie er zuletzt 2019 und 2023 mit jeweils über 350.000 Fällen auftrat.

Auffällig: Über 50 Prozent der Patienten sind Erwachsene. Besonders betroffen sind die Altersgruppen der 11- bis 15-Jährigen und der 16- bis 30-Jährigen. Die Behandlungskosten für kritische Verläufe belaufen sich auf bis zu 720 Millionen VND pro Fall.

Forschung und Prävention laufen auf Hochtouren

Die Wissenschaft arbeitet an Lösungen. Ein EU-Projekt mit 14 Millionen Euro unter der Leitung der Virologin Gisa Gerold von der Universität Innsbruck treibt die Zulassung des Chikungunya-Impfstoffs Ixchiq in Subsahara-Afrika voran.

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Weltweit wurden 2026 bisher rund 33.000 Chikungunya-Fälle und neun Todesfälle gemeldet. Das Virus verursacht Fieber und starke Gelenkschmerzen. Eine Infektion führt meist zu lebenslanger Immunität.

Gesundheitsbehörden setzen auf Prävention. Baden-Württembergs Gesundheitsminister Oliver Hildenbrand empfiehlt Repellentien mit DEET oder Icaridin. Entscheidend sei aber die Vermeidung von Brutstätten – vor allem stehendes Wasser in Regentonnen und Blumenuntersetzern.

Das HCDC in Vietnam propagiert eine „Doppelschild-Prävention": Mückenkontrolle kombiniert mit Impfprogrammen. In Deutschland wurde bisher keine direkte Übertragung von Tropenviren durch heimische Tigermücken nachgewiesen. Doch mit steigenden Temperaturen wächst das Risiko.

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