TikTok-Gesundheit, Videos

TikTok-Gesundheit: Nur 20% der Videos fachlich korrekt

02.06.2026 - 13:01:13 | boerse-global.de

Studie belegt 1,17 Milliarden Betroffene weltweit. Nur jedes fĂŒnfte TikTok-Video zu psychischen Themen ist fachlich korrekt.

TikTok-Gesundheit: Nur 20% der Videos fachlich korrekt - Bild: ĂŒber boerse-global.de
TikTok-Gesundheit: Nur 20% der Videos fachlich korrekt - Bild: ĂŒber boerse-global.de

Laut einer Ende Mai in The Lancet veröffentlichten Studie lebten 2023 rund 1,17 Milliarden Menschen mit einer psychischen Störung – das sind 14,2 Prozent der Weltbevölkerung. Seit 1990 ist die Zahl um ĂŒber 95 Prozent gestiegen. Besonders betroffen: Jugendliche zwischen 15 und 19 Jahren.

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TikTok-Videos: Nur jeder FĂŒnfte ist fachlich korrekt

Soziale Netzwerke werden fĂŒr junge Menschen zur zentralen Informationsquelle ĂŒber psychische Gesundheit. Doch wie verlĂ€sslich sind die Inhalte? Eine Anfang Juni veröffentlichte Studie der UniversitĂ€t Witten/Herdecke hat das untersucht. Die Forscher analysierten 177 deutschsprachige TikTok-Videos zu Depressionen, ADHS, Autismus, Narzissmus und PTBS. Die Clips hatten zusammen rund 94 Millionen Aufrufe.

Das Ergebnis ist alarmierend: Nur 20 Prozent der Videos waren fachlich korrekt. Besonders krass fiel die Bilanz beim Thema Narzissmus aus – hier entsprach kein einziges Video den wissenschaftlichen Standards. Der Hauptgrund: Gerade einmal 18 Prozent der BeitrĂ€ge stammten von ausgewiesenen Fachleuten.

Wenn Selbstdiagnosen krank machen

Die Flut an Fehlinformationen hat handfeste Folgen. Experten warnen vor dem PhĂ€nomen der Cyberchondrie – einer gesteigerten Krankheitsangst, die durch stĂ€ndige Online-Recherchen befeuert wird. Pseudowissenschaftliche Diagnosetipps in sozialen Medien treiben viele Nutzer zu voreiligen Selbstdiagnosen. Die Algorithmen der Plattformen verstĂ€rken diesen Effekt noch.

Hinzu kommt die schiere Nutzungsdauer: Laut der JIM-Studie 2024 sind 90 Prozent der 12- bis 19-JĂ€hrigen tĂ€glich online. Soziale Netzwerke nehmen dabei mit ĂŒber drei Stunden pro Tag eine zentrale Rolle ein. Studien aus Leipzig und Großbritannien zeigen: FrĂŒhe Einsamkeitserfahrungen und ein negatives Körperbild werden durch die intensive Nutzung verstĂ€rkt. Die WHO stuft Einsamkeit inzwischen als ernstzunehmendes Gesundheitsrisiko ein.

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Bildungsrat fordert „mediale IntegritĂ€t"

Der Aktionsrat Bildung schlĂ€gt Alarm. In einem Gutachten plĂ€diert er fĂŒr ein neues Leitbild der medialen IntegritĂ€t. Konkret fordert das Gremium einen verbindlichen Rechtsrahmen mit Altersverifikationen und dem Schutz vor manipulativen Design-Elementen („dark patterns“). FĂŒr Grundschulen empfehlen die Experten sogar einen weitgehenden Ausschluss sozialer Medien aus dem Unterricht. In der Sekundarstufe soll dagegen ein verantwortungsbewusster Umgang vermittelt werden.

Wenn Fitness zur Radikalisierung fĂŒhrt

Die Wirkung sozialer Medien geht aber noch tiefer. Eine Studie der MaLisa Stiftung in Kooperation mit dem bayerischen Familienministerium zeigt: Die Plattformen drĂ€ngen besonders junge MĂ€nner in extreme Rollenbilder. Der Einstieg erfolgt oft ĂŒber vermeintlich harmlose Themen wie Fitness und Selbstoptimierung. Doch der Weg fĂŒhrt nicht selten in die sogenannte „Manosphere" – eine Szene, in der problematische Frauenbilder und Wissenschaftsskepsis verbreitet werden.

Psychiatrie braucht eine geschlechtersensible Wende

Parallel fordern Experten wie Kerstin von Plessen vom CHUV Lausanne eine grundlegende Reform der Psychiatrie. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Frauen erkranken statistisch doppelt so hĂ€ufig an Depressionen und Ängsten wie MĂ€nner. Dennoch basieren viele Behandlungsstandards primĂ€r auf mĂ€nnlichen Probanden. Eine differenziertere Betrachtung in Forschung und Diagnostik sei ĂŒberfĂ€llig. Auch bei der PrĂ€vention gibt es Nachholbedarf: MĂ€nner erhalten seltener Diagnosen, weisen aber eine höhere Suizidrate auf.

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