TP-Link Omada: 15 Schwachstellen ermöglichen Netzwerkübernahme
Veröffentlicht am: 05.08.2026 um 15:43 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Gleich zwei Sicherheitswarnungen erschüttern die vernetzte Welt: Forscher haben schwerwiegende Schwachstellen in TP-Link-Geräten und Smart-TVs von Samsung und LG entdeckt. Angreifer könnten komplette Heimnetzwerke übernehmen oder Fernseher unbemerkt für illegale Zwecke missbrauchen.
TP-Link Omada: 15 Schwachstellen ermöglichen komplette Netzwerkübernahme
Sicherheitsforscher von Forescout Vedere Labs haben auf der Hackerkonferenz Black Hat USA 15 Sicherheitslücken im Zero-Touch-Provisioning-Prozess (ZTP) von TP-Link offengelegt. Die Schwachstellen betreffen die Marken Omada, VIGI, Festa, Tapo und Kasa – und ermöglichen Angreifern im schlimmsten Fall, Router zu kapern, Überwachungskamera-Ströme abzufangen und beliebigen Code auf den Geräten auszuführen.
Besonders brisant: Mehr als 1.800 Omada-Controller sind aktuell direkt mit dem Internet verbunden und damit potenzielle Angriffsziele. Die Angriffskette ist komplex und beginnt mit vorhersehbaren Seriennummern und der Ausspähung von MAC-Adressen. Über eine sogenannte Race Condition und Standard-Zugangsdaten können Angreifer Standort-Zugangsdaten stehlen, die lediglich als unsaltierte MD5-Hashes gespeichert sind. Am Ende der Kette steht die Möglichkeit, schädlichen JavaScript-Code einzuschleusen und einen VPN-Tunnel aufzubauen – mit Root-Rechten für Remote-Code-Ausführung.
TP-Link hat für die meisten Schwachstellen bereits Patches veröffentlicht. Zwei der Lücken gelten allerdings als nicht behebbar, da sie in der Architektur der Geräte begründet liegen.
Smart-TVs als heimliche Proxy-Server: Samsung und LG reagieren
Parallel dazu haben die Sicherheitsfirmen Mnemonic und HUMAN Security aufgedeckt, dass zahlreiche Smart-TV-Apps von Samsung und LG versteckte Residential-Proxy-Software enthalten. Darunter befand sich sogar ein „Pac-Man"-Spiel, das zuvor als „Editor's Choice" ausgezeichnet worden war. Die Apps enthielten Software-Entwicklungskits (SDKs) von Bright Data, die die Fernseher ohne Wissen der Nutzer in Ausgangsknoten für fremden Internetverkehr verwandelten.
Die Analyse von rund 6.000 Apps ergab: 34,1 Prozent enthielten die Proxy-SDKs. Bei Samsungs Tizen-Store waren es 26,9 Prozent der Apps, bei LG sogar 42,5 Prozent. Besonders tückisch: Die Proxy-Funktion läuft oft auch dann weiter, wenn die Anwendung bereits geschlossen wurde. Die Folgen können verheerend sein – von ausgeschöpften Bandbreiten über einen beschädigten Ruf der IP-Adresse bis hin zur unbeabsichtigten Verwicklung in illegale Aktivitäten.
Samsung hat inzwischen reagiert: Neue Apps mit solchen SDKs werden nicht mehr zugelassen, bestehende Anwendungen sollen aus dem Store entfernt werden.
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Auch Unternehmensnetzwerke im Visier von Angreifern
Die Bedrohungslage geht jedoch weit über Verbrauchergeräte hinaus. Bereits am 4. August 2026 warnten die USA und ihre Verbündeten vor Hackern mit Verbindungen zum russischen FSB, die gezielt Router kritischer Infrastrukturen angreifen. Die Angreifer nutzen Standard-SNMP-Zugangsdaten und Cisco-Smart-Install-Funktionen aus – betroffen sind vor allem die Sektoren Energie, Gesundheitswesen und Finanzen.
Auch der Netzwerkausrüster Ubiquiti musste kürzlich drei kritische Schwachstellen in seiner UniFi-OS-Software schließen. Dabei handelte es sich um Probleme bei der Zugriffskontrolle und Pfad-Traversal-Lücken. Angesichts von fast 100.000 internet-exponierten UniFi-OS-Endpunkten fürchten Experten den Aufbau von Botnetzen.
Und die Ransomware-Gruppe INC hat nach Erkenntnissen von Sicherheitsforschern bereits mehr als 800 Opfer beziehungsweise Unternehmen erbeutet, indem sie eine Schwachstellenkette in SonicWall-SMA1000-Geräten ausnutzte.
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Was Nutzer jetzt tun sollten
Sicherheitsexperten raten dringend zu sofortigen Schutzmaßnahmen: Passwörter umgehend ändern, Zwei-Faktor-Authentifizierung aktivieren und alle verfügbaren Firmware-Updates einspielen. Gerade bei Routern und Smart-TVs gilt: Wer die Geräte nicht regelmäßig aktualisiert, läuft Gefahr, Teil eines unsichtbaren Botnetzes zu werden – oder seine komplette Netzwerkkontrolle zu verlieren.
