Treppensteigen, Herz-Kreislauf-Tod

Treppensteigen: Herz-Kreislauf-Tod um 39% gesenkt laut Metaanalyse

Veröffentlicht am: 19.08.2026 um 07:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Klinische Daten aus 2026 zeigen: Gezielte Bewegung reduziert Sterblichkeit bei Krebs und schĂŒtzt das Herz. Innovative Programme erweitern die Therapie.

Sport als Therapie: Neue Studien belegen Wirksamkeit bei Krebs und Herzkrankheiten
Eine Person bei einer angeleiteten Bewegungstherapie in einem modernen Rehabilitationszentrum. Illustration mit AI erstellt ĂŒbermittelt durch boerse-global.de

In der modernen Medizin gewinnt die gezielte Bewegung als ErgĂ€nzung zu klassischen therapeutischen Verfahren zunehmend an Bedeutung. Aktuelle klinische Studien und spezialisierte Programme aus dem Sommer 2026 unterstreichen das Potenzial von Sport als unterstĂŒtzende Therapieform, insbesondere bei Krebserkrankungen, kardiovaskulĂ€ren Leiden und neurologischen Störungen.

Onkologie: Signifikante Senkung der Sterblichkeitsrate

Umfangreiche Forschungsdaten belegen die Wirksamkeit von körperlicher AktivitĂ€t bei Krebspatienten. Die CO.21-Studie der Canadian Cancer Trials Group, an der 889 Patienten in 55 Zentren – darunter das Waterloo Regional Health Network – teilnahmen, liefert deutliche Ergebnisse. Ein strukturiertes Training senkte bei Darmkrebspatienten die Sterblichkeit um 37 % und reduzierte die RĂŒckfallrate um 28 %.

Die physiologischen Grundlagen dieser Effekte wurden Mitte August 2026 auch in einer Studie in den „Annals of Surgery“ thematisiert. Forscher beobachteten, dass Bewegung eine bestehende Immun-Dysfunktion bei Lungenkrebs korrigieren kann.

Bei MĂ€usen mit nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom (NSCLC) fĂŒhrte AktivitĂ€t zu einer Reduktion regulatorischer T-Zellen (Tregs) und einer Zunahme von CD8+ T-Zellen, was das Tumorwachstum verlangsamte. Ähnliche Beobachtungen wurden bei 73 menschlichen Patienten gemacht, bei denen sich die Anzahl der Tregs und fett-assoziierten myeloiden Zellen verringerte.

Skander Bouassida vom Vivantes Humboldt-Klinikum in Berlin verwies in diesem Zusammenhang auf die Rolle der Myokine. Diese von den Muskeln produzierten Botenstoffe könnten das Tumorwachstum hemmen. Er betonte zudem, dass neben regelmĂ€ĂŸiger Bewegung und Krafttraining auch Vorsorgeuntersuchungen wie die Koloskopie ab dem 50. Lebensjahr sowie Gewichtskontrolle entscheidend fĂŒr die KrebsprĂ€vention seien. Derzeit nutzen jedoch nur etwa 10 % der Berechtigten die Einladung zur Vorsorgekoloskopie.

Kardiologie: PrÀvention und Rehabilitation

Im Bereich der Kardiologie zeigt eine Meta-Analyse von neun Studien mit ĂŒber 480.000 Teilnehmern im Alter zwischen 35 und 84 Jahren die prĂ€ventive Kraft einfacher AlltagsaktivitĂ€ten. RegelmĂ€ĂŸiges Treppensteigen senkt demnach das Risiko fĂŒr einen Herz-Kreislauf-Tod um 39 % und das allgemeine Sterberisiko um 24 %. Als optimal gelten sechs TreppenabsĂ€tze tĂ€glich.

FĂŒr Patienten mit bereits bestehenden Herzerkrankungen oder einem hohen Risiko wurde am Cedars-Sinai das „Sports Cardiology Program“ etabliert. Unter der Leitung von Eli Friedman, dem Teamarzt der LA Rams und LA Galaxy, bietet das Programm spezialisierte Risikoanalysen und TrainingsplĂ€ne fĂŒr Sportler an.

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Parallel dazu veröffentlichte ein Komitee fĂŒr Tumorkardiologie im „European Heart Journal“ Mitte Juli 2026 eine wissenschaftliche Stellungnahme zur Bewertung von Bewegung in der kardiovaskulĂ€ren PrĂ€vention bei Krebspatienten.

ZusĂ€tzlich gewinnen digitale Angebote an Bedeutung. Das CREW-Programm der Flinders University, ĂŒber das Anfang August 2026 berichtet wurde, testete eine webbasierte Rehabilitation fĂŒr Frauen in lĂ€ndlichen Gebieten. Von 40 Teilnehmerinnen schlossen 60 % das Programm ab, wobei eine hohe Zufriedenheit mit der ortsunabhĂ€ngigen Betreuung geĂ€ußert wurde.

Fortschritte in der Neurologie und Psychiatrie

Auch bei neurologischen Erkrankungen wie Parkinson zeigen sich therapeutische Erfolge durch Sport. Dr. Eva SchÀffer vom UKSH Kiel erlÀuterte, dass Tischtennis die Motorik, Koordination und das Gleichgewicht verbessern sowie Tremor reduzieren könne.

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In Deutschland sind schĂ€tzungsweise 300.000 bis 400.000 Menschen von Parkinson betroffen. ErgĂ€nzend dazu startete der Passauer Wolf Bad Gögging gemeinsam mit der OTH Regensburg das Projekt „Scheiter Heiter“, das TheaterpĂ€dagogik nutzt, um Stimme, Mimik und Bewegung der Patienten zu fördern.

Im Bereich der Entwicklungsstörungen lieferte eine Fallstudie in „Frontiers in Psychiatry“ Mitte August 2026 neue Impulse. Ein 16-wöchiges individuelles Training bei zwei Kindern mit Autismus fĂŒhrte zu einer gesteigerten Fitness, verbessertem BMI und einer Reduktion stereotyper Verhaltensweisen. Zudem wurde eine Zunahme der Kommunikation beobachtet.

Adipositas und Schmerztherapie

An der Johns Hopkins University wurde im August 2026 die A-NEW-Studie veröffentlicht, die adaptive Strategien zum Gewichtsverlust bei Krebspatientinnen untersuchte. Wenn Lifestyle-Änderungen allein nicht ausreichten, wurde das Medikament Naltrexon/Bupropion eingesetzt, wodurch 42 % der Teilnehmerinnen, die zuvor stagnierten, das Ziel von 5 % Gewichtsverlust doch noch erreichten.

In Spanien startete die UniversitĂ€t Miguel de Cervantes im August 2026 eine acht-wöchige Studie mit 36 Frauen, um die Wirkung von isokinetischem Training in Mikrodosen bei Fibromyalgie zu untersuchen. Ziel ist eine Schmerzlinderung ohne die Gefahr einer Überlastung der Patientinnen.

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