Treppensteigen: Sechs AbsÀtze tÀglich senken Herzrisiko um 39%
Veröffentlicht am: 03.09.2026 um 01:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In der aktuellen medizinischen Fachberatung zeichnet sich ein deutlicher Wandel hinsichtlich der Empfehlungen fĂŒr eine gesunde LebensfĂŒhrung ab. Fachleute, darunter Professor Kuch vom Stiftungskrankenhaus Nördlingen, betonen zunehmend, dass moderate Alltagsbewegung und eine ausgewogene ErnĂ€hrung das Wohlbefinden nachhaltiger fördern können als kurzfristige, intensive Sportprogramme oder restriktive DiĂ€ten. Im Zentrum dieser Erkenntnisse steht die langfristige Energiebilanz des Körpers.
Kritik an gÀngigen DiÀttrends und Mythen der Gewichtsreduktion
Die Wirksamkeit populĂ€rer ErnĂ€hrungstrends wird in der Wissenschaft kritisch hinterfragt. Professor Kuch verweist in diesem Zusammenhang auf eine Sieben-Jahres-Studie, die belegt, dass eine hohe Frequenz von bis zu sechs Mahlzeiten tĂ€glich eher zu einem höheren Körpergewicht fĂŒhren kann.
Auch fĂŒr die oft beworbene Low-Carb-ErnĂ€hrung liefert die Datenlage keine Belege fĂŒr eine langfristige Ăberlegenheit. Eine Cochrane-Ăbersicht, die 61 Studien mit insgesamt 6.925 Teilnehmenden auswertete, zeigte ĂŒber einen Zeitraum von bis zu zwei Jahren keinen signifikanten Vorteil dieser ErnĂ€hrungsform.
Ebenso werde das Intervallfasten oft ĂŒberschĂ€tzt und sei kein generelles Wundermittel zur Gewichtsabnahme. Als einfachen, aber effektiven Hinweis fĂŒr den Alltag empfiehlt der Experte stattdessen, zwei GlĂ€ser Wasser unmittelbar vor den Mahlzeiten zu trinken.
ErgĂ€nzend dazu beleuchten Untersuchungen des Endokrinologen Tim Hollstein die Ursachen fĂŒr Gewichtszunahmen im mittleren Lebensalter. Eine Langzeitstudie mit 3.000 Frauen zwischen 42 und 52 Jahren dokumentierte eine durchschnittliche Gewichtszunahme von 700 g pro Jahr. Dies entspreche einer tĂ€glichen positiven Energiebilanz von lediglich etwa 15 kcal â was etwa dem Energiewert von drei Kirschen entspricht.
Hollstein stellt klar, dass nicht ein plötzlicher Zusammenbruch des Stoffwechsels die Ursache sei, sondern ein schleichender Verlust an Muskelmasse und eine reduzierte Alltagsbewegung.
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Die prÀventive Kraft moderner BewegungsansÀtze
Dass bereits geringe Anpassungen im Tagesablauf signifikante gesundheitliche Vorteile bieten, belegen umfassende Datenanalysen. Eine Meta-Analyse, die 94 Studien mit insgesamt 30 Millionen Menschen berĂŒcksichtigte, zeigt, dass 150 Minuten moderate Bewegung pro Woche das Sterberisiko um 31 % senken können.
Das Risiko fĂŒr Herz-Kreislauf-Erkrankungen sinke um 29 %, wĂ€hrend die Wahrscheinlichkeit eines Krebstodes um 15 % reduziert werde. Den Forschern zufolge reiche bereits ein zĂŒgiger tĂ€glicher Spaziergang von 21 Minuten aus, um diese Effekte zu erzielen.
Besonders effektiv erweist sich zudem das Treppensteigen. Eine Studie der Norwich Medical School untersuchte Daten von 480.000 Teilnehmenden ĂŒber einen Zeitraum von durchschnittlich 14 Jahren. Das Ergebnis: RegelmĂ€Ăiges Treppensteigen senkt das Risiko, an einer Herzerkrankung zu sterben, um 39 % und das allgemeine Sterberisiko um 24 %. Als optimal gelten hierbei sechs TreppenabsĂ€tze pro Tag.
Weitere Untersuchungen unterstreichen die Effizienz von Training ohne GerĂ€te. Eine Meta-Analyse aus dem Jahr 2023 legt nahe, dass freie Bodyweight-Ăbungen Ă€hnlich wirksam sein können wie ein Training an FitnessgerĂ€ten. Ein tĂ€gliches achtminĂŒtiges Programm könne demnach effektiver sein als eine halbstĂŒndige Einheit im Fitnessstudio, wobei erste Steigerungen der Kraft und StabilitĂ€t bereits nach 30 bis 60 Tagen messbar seien.
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Mentale Gesundheit und die Rolle der IntensitÀt
Neben den physischen Auswirkungen spielt die psychologische Komponente eine wesentliche Rolle. Fachberichte der Apotheken Umschau weisen darauf hin, dass eine selbstbestimmte AktivitĂ€t in moderater IntensitĂ€t die Stimmung verbessert, wĂ€hrend zu hohe Belastungen Stressreaktionen auslösen können. Interessanterweise werde das sogenannte Runnerâs High nach aktuellem Kenntnisstand primĂ€r durch Endocannabinoide und nicht durch Endorphine ausgelöst.
Zur Stressreduktion und Stimmungsaufhellung haben sich zudem kurze AtemĂŒbungen bewĂ€hrt. Eine Studie der Stanford University zeigte, dass bereits fĂŒnf Minuten tĂ€gliches âCycling Sighingâ ĂŒber einen Monat hinweg negative GefĂŒhle reduziert und die Atemfrequenz senkt. Eine weitere Meta-Analyse von 12 Studien bestĂ€tigt den positiven Effekt von AtemĂŒbungen auf das allgemeine Stressempfinden.
Trotz dieser vielfĂ€ltigen und niederschwelligen Möglichkeiten erreichen laut Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) bisher nur 26,3 % der Erwachsenen die gĂ€ngigen Bewegungsempfehlungen. Experten raten daher, klein anzufangen, Erfolge sichtbar zu machen und AktivitĂ€ten zu wĂ€hlen, die sich nahtlos in den Alltag integrieren lassen â etwa durch Walking-Workouts, die 1.000 Schritte in nur 10 Minuten ermöglichen.
Mehr zum Thema bei WELT: âHerz: Kein Joggen nötig â diese Alltagsbewegung senkt das Sterberisiko deutlichâ
