Typ-1-Diabetes, Teplizumab

Typ-1-Diabetes: Teplizumab verzögert Krankheitsbeginn um 2,5 Jahre

05.06.2026 - 09:06:22 | boerse-global.de

Teplizumab verzögert Typ-1-Ausbruch um Jahre, GLP-1 senkt Herzrisiken. Abbott bringt Dual-Sensor Libre Duo auf den EU-Markt.

Diabetes Kongress 2026: Neue Wege bei Typ-1-Therapie
Typ-1-Diabetes - Nahaufnahme eines Arms, der eine Infusion erhĂ€lt, mit medizinischer AusrĂŒstung im Hintergrund. 05.06.2026 - Bild: ĂŒber boerse-global.de

Der 60. Diabetes Kongress im Mai 2026 in Berlin zeigte: Im Fokus stehen jetzt die Verzögerung des Krankheitsausbruchs und die gezielte Senkung von Herz-Kreislauf-Risiken.

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Teplizumab verzögert Krankheitsbeginn um Jahre

Seit Januar 2026 ist mit Teplizumab ein Wirkstoff verfĂŒgbar, der den Ausbruch von Typ-1-Diabetes bei Risikopatienten deutlich hinauszögert. Wissenschaftliche Daten belegen durchschnittlich 2,5 Jahre mehr Zeit bis zur klinischen Manifestation. Bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren sind es sogar bis zu drei Jahre.

Die Fr1da-Studie zeigt zudem den Wert flĂ€chendeckender Screenings. Durch frĂŒhzeitige Erkennung von Inselautoantikörpern sank die Rate schwerer Stoffwechselentgleisungen (Ketoazidosen) bei der Erstdiagnose von ĂŒber 20 auf rund 2,5 Prozent. Das verbessert nicht nur die akute Patientensicherheit, sondern auch die langfristige Prognose.

GLP-1-Wirkstoffe senken Herzrisiken deutlich

Trotz neuer Therapien bleibt das Risiko fĂŒr Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Typ-1-Diabetes kritisch. Eine 2025 in Nature Medicine veröffentlichte Analyse von ĂŒber 174.000 Patienten untersuchte den Einsatz von GLP-1-Rezeptoragonisten. Die Medikamente werden bei Typ-1-Diabetes bislang nur off-label eingesetzt – die Daten zeigen aber deutliche Vorteile.

Die Anwendung war mit einer Reduktion kardiovaskulĂ€rer Ereignisse um 15 Prozent verbunden. Hospitalisierungen wegen Herzinsuffizienz sanken um 18 Prozent, Nierenversagen um 19 Prozent. Auch die StoffwechselstabilitĂ€t verbesserte sich: Schwere HypoglykĂ€mien gingen um 18 Prozent zurĂŒck, und ein Teil der Patienten verlor mindestens 15 Prozent Gewicht.

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„Libre Duo“ misst Glukose und Ketone gleichzeitig

Am 27. Mai 2026 erhielt das System „Libre Duo“ von Abbott die CE-Kennzeichnung. Der Sensor misst erstmals simultan und kontinuierlich Glukose- und Ketonwerte. Die MarkteinfĂŒhrung in der EU ist noch fĂŒr 2026 geplant. Die Ketonmessung warnt frĂŒhzeitig vor drohenden Ketoazidosen – besonders nĂŒtzlich fĂŒr Patienten mit modernen Insulinpumpen.

Automatisierte Insulindosierungssysteme (AID) verbessern zudem die Glukosekontrolle auch im höheren Alter. Das ist relevant: Ein heute zehnjÀhriges Kind mit Typ-1-Diabetes hat statistisch eine weitere Lebenserwartung von rund 62 Jahren. Laut Deutscher Herzstiftung erhöht die Kombination aus Diabetes und Vorhofflimmern das Risiko eines vorzeitigen Todes um 61 Prozent.

DFG fördert Forschung zu Herz-Stoffwechsel-Wechselwirkungen

Der Sonderforschungsbereich 1774 „CARDIO-DIABETES-CROSSTALK“ erhĂ€lt von der Deutschen Forschungsgemeinschaft ĂŒber 11 Millionen Euro fĂŒr knapp vier Jahre. Die Forschungsgruppe unter Leitung von Prof. Michael Roden und Prof. Maria Grandoch ist an der UniversitĂ€t DĂŒsseldorf und dem Deutschen Diabetes-Zentrum (DDZ) angesiedelt.

Ziel ist es, die wechselseitigen Mechanismen zwischen Stoffwechselstörungen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu entschlĂŒsseln. Neue Methoden der FrĂŒherkennung stehen dabei im Fokus. ErgĂ€nzende Studien des DDZ weisen auf die Rolle der Leber hin: Bei Typ-2-Diabetes wurden bereits im ersten Erkrankungsjahr massiv erhöhte Glukagonwerte festgestellt, die direkt mit dem Leberfettgehalt korrelieren. Diese Erkenntnisse zur „hepatischen Glukagonresistenz“ könnten kĂŒnftig auch differenziertere AnsĂ€tze bei Typ-1-Diabetes ermöglichen.

de | wissenschaft | 69486251 |