Typ-2-Diabetes: Chirurgie erreicht 58% Remission über 11 Jahre
Veröffentlicht am: 26.10.2026 um 23:39 Uhr | Redaktion boerse-global.deChirurgische Eingriffe zur Gewichtsreduktion können bei Typ-2-Diabetes zu einer dauerhaften Krankheitsberuhigung führen. Das verdeutlichen die Langzeitergebnisse der multizentrischen ARMMS-T2D-Studie unter der Leitung von Donald Simonson von Brigham and Women's und der Harvard University sowie dem leitenden Forscher John P. Kirwan von der University of Oklahoma.
Nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 11 Jahren und einem Beobachtungszeitraum von bis zu 14 Jahren erreichten 58% der operierten Patienten eine Remission des Diabetes. Unter einer intensiven medikamentösen Therapie und Lebensstilintervention lag dieser Anteil hingegen lediglich bei 3%.
Als Kriterium für eine Remission galt in der Untersuchung ein A1C-Wert von unter 6,5% ohne den Einsatz blutzuckersenkender Medikamente. Insgesamt nahmen 262 Personen an der Studie teil, von denen 166 operiert und 96 rein medizinisch behandelt wurden.
Einflussfaktoren auf den dauerhaften Therapieerfolg
Die Auswertungen der ARMMS-T2D-Studie zeigen, dass bestimmte Ausgangsbedingungen den langfristigen Erfolg begünstigen. Zu den Prädiktoren für eine Remission zählten eine kürzere Diabetesdauer, der Verzicht auf eine Insulintherapie, eine geringere Anzahl eingenommener Medikamententypen sowie ein größerer Gewichtsverlust im ersten Jahr nach dem Eingriff.
Umgekehrt stieg das Rückfallrisiko bei den Patienten, die bereits vor der Intervention über einen längeren Zeitraum an Diabetes gelitten hatten oder auf mehrere Medikamententypen angewiesen waren.
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Im internationalen Kontext variieren die chirurgischen Strategien und Kriterien. Dr. Ke Chuanfeng von der Universität Guangzhou wies darauf hin, dass in China die laparoskopische Sleeve-Gastrektomie rund 70% aller bariatrischen Operationen ausmacht, gefolgt vom Magenbypass.
Die Sleeve-Gastrektomie eigne sich demnach insbesondere bei neu aufgetretenem Diabetes und grenzwertigen Glukosewerten, während der Bypass bei längerer Krankheitsdauer oder Insulinpflicht stärkere Effekte erziele. Nach einer Sleeve-Operation verloren Patienten im Schnitt 70% ihres Übergewichts; rund 80% der operierten Diabetiker kamen ein Jahr nach dem Eingriff ohne Medikamente aus.
Als Kriterien für eine Operationsindikation in China nannte Ke Chuanfeng eine Diabetesdauer von bis zu 15 Jahren, ein C-Peptid von mindestens der Hälfte des Normalwerts, ein Alter zwischen 16 und 65 Jahren sowie einen Body-Mass-Index von mindestens 27,5, welcher vom europäischen Schwellenwert von 30 abweicht. Hinzu kommt ein Taillenumfang von mindestens 90 Zentimetern bei Männern beziehungsweise 85 Zentimetern bei Frauen.
Begleitende Effekte auf Demenzrisiko und Immunsystem
Neben der Blutzuckerkontrolle stehen weitere gesundheitliche Begleiterscheinungen im Fokus der Forschung. Eine Untersuchung unter der Leitung von Erik Stenberg vom Universitetssjukhuset Örebro und dem Karolinska Institutet ergab auf Basis von Daten aus den schwedischen Registern SOReg und Nationella diabetesregistret, dass bei Personen mit Adipositas und Typ-2-Diabetes nach einem bariatrischen Eingriff das Demenzrisiko über eine mittlere Nachbeobachtung von 9 Jahren um 40% niedriger lag.
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Dieser Effekt zeigte sich besonders ausgeprägt für Morbus Alzheimer und vaskuläre Demenz. Das Risiko für eine alkoholbedingte Demenz fiel bei den Operierten hingegen höher aus; die Befunde sind bislang noch nicht in randomisierten Studien bestätigt worden.
Zudem belegte eine Arbeitsgruppe der Maynooth University unter der Leitung von Dr. Ciara Flynn und dem leitenden Forscher Prof. Andrew Hogan, dass Adipositas die Anzahl von V?2+ T-Zellen sowie deren Stoffwechselaktivität herabsetzt. Ein Roux-en-Y-Magenbypass konnte diese Defekte des Immunsystems rückgängig machen.
Prof. Helen Heneghan vom St. Vincent's und dem University College Dublin betonte, dass weltweit über 1 Mrd. Erwachsene mit Adipositas leben und bariatrische OP-Patienten ein um 40–50% geringeres Risiko für Krebs sowie andere Adipositas-Komplikationen aufweisen.
Chirurgische Verfahren und medikamentöse Ansätze
Auf einer Kardiologie-Fortbildung in Bad Wörishofen am 20. Oktober 2026 wurde dargelegt, dass bariatrische Eingriffe wie der Schlauchmagen oder der Magenbypass einen Gewichtsverlust von bis zu 35% des Ausgangsgewichts erzielen und Typ-2-Diabetes erheblich verbessern oder beseitigen können.
Im Vergleich dazu erreichen moderne Abnehmspritzen wie Wegovy oder Mounjaro Gewichtsreduktionen von bis zu 20%. Als wesentliche Nebenwirkung dieser Präparate wurde der Verlust fettfreier Masse ohne begleitendes Krafttraining hervorgehoben, zudem drohe nach dem Absetzen der Medikation eine erneute Gewichtszunahme.
